Wettergefahren beim Berglauf

Gefahren durch plötzliche Wetterumschwünge

Ein plötzlicher Wetterumschwung und schon stecken die Läufer in der gewaltigen Natur fest. Damit es dann nicht zum Drama kommt, braucht ein ausgeklügeltes Sicherheitsdispositiv und eine gute Portion Eigenverantwortung der Sportler.

Copyright: Swiss-Image

Als «Drama auf der Zugspitze» hat sich der Berglauf auf Deutschlands höchsten Gipfel in das Gedächtnis vieler Sportler eingebrannt. Ein «plötzlicher» Wetterumschwung überraschte die spärlich bekleideten Läufer. Eisiger Wind raubte wertvolle Körperwärme, der Schnee zehrte an den Kräften. Für zwei Läufer kam jede Hilfe im unwegsamen, hochalpinen Gelände zu spät. Sie starben als Folge ihrer Unterkühlung – und lösten damit heftige Diskussionen aus: «Fahrlässige Veranstalter», «hirnlose Sportler» und «wo ist die Vernunft geblieben?». In den Bergen gelten eigene Gesetzmässigkeiten. Zum einen nimmt die Temperatur in der Höhe konstant ab. Rund ein Grad pro 200 Höhenmeter. Startet ein Lauf auf 1000 Meter, kann es oben im Ziel frostig sein. Zum anderen ändert das Wetter in den Bergen sehr schnell, wie der Meteorologe Patrick Hächler von Meteoschweiz erklärt. «Im Gebirge ist man viel eher starkem Wind und Nebel ausgesetzt als in den Niederungen. Zudem gibt es Wetterentwicklungen, die in den Bergen sehr schnell erfolgen, wie die Bildung von Quellwolken mit Schauern oder Gewittern im Sommerhalbjahr»

Veranstalter sorgen vor für alle Fälle
Was also tun die Veranstalter der Bergläufe, um ungeahnten meteorologischen Kapriolen Rechnung zu tragen? Die Antworten der Verantwortlichen bei den grossen Schweizer Bergläufen erfolgen einstimmig: «Strecke verkürzen, Ziel nach unten verschieben, im Extremfall den Lauf absagen oder abbrechen.» Viele Speaker geben den Läufern vor dem Start die zu erwartenden Verhältnisse und Temperaturen bekannt und ermahnen sie, warme Kleidung mitzuführen. Denn wenn das Wetter plötzlich kippt, können die Veranstalter den Läufern nicht mitten auf der Strecke ihren Effektensack oder sonstige warme Kleidung anbieten. Dafür fehlt das Personal.
Jeder Veranstalter verfügt über ein umfangreiches Notfall-und Sicherheitsdispositiv, das im Ernstfall zur Anwendung kommt. Jeder Veranstalter wartet zudem mit einer Vielzahl an Sanitätsfahrzeugen sowie Sanitätsposten mit Samaritern, Ärzten und Pflegepersonal auf. Beim Swiss Alpine sind nicht weniger als 120 Fachpersonen im Einsatz in Zermatt 45, beim Graubünden-Marathon 40, auf der Bettmeralp 31. Hinzu kommt, dass Rettungshelikopter von Rega, Air Glaciers, Heli Bernina oder Air Zermatt auf Abruf bereit stehen. Und fast überall führen die Laufstrecken an Bergrestaurants und Bergbahnen vorbei, auf die man bei Not ausweichen kann.

Eigenverantwortung enorm wichtig
Zwar weist jede Webseite eines Berglaufes darauf hin, dass die Läufer gut trainiert und richtig ausgerüstet zum Wettkampf im hochalpinen Gelände erscheinen müssen. Aber alle Sicherheitsvorkehrungen nützen nichts, wenn die Sportler nicht auch Eigenverantwortung übernehmen. Viele Sportler merken in der Belastung nicht, wenn es zu viel ist. Das hat mir dem Endorphin zu tun, einer körpereigenen Morphium-ähnlichen Substanz, welche Schmerzen und körperliche Alarmzeichen vergessen lässt. Deshalb positionieren alle Veranstalter im Gebirge auch Ärzte, welche geschwächte Personen im äussersten Fall aus dem Rennen nehmen. Oft braucht es nämlich einen Kick von aussen, um zu erkennen, dass Aufhören die beste Wahl ist.

Wichtige Tipps im Gebirge

  • Lokalen Wetterbericht am Tag davor und kurz vor dem Start konsultieren.
  • Im Zweifelsfall eine Windchill-Jacke, ein Ersatzshirt oder Arm- und Beinlinge in einem leichten Running-Rucksack mittragen.
  • Begleitpersonen mit Ersatzkleidern, Nahrung und Getränken am Streckenrand positionieren.
  • Bei warmem Wetter viel und regelmässig trinken, Kopfschutz und Sonnencreme nicht vergessen.
  • Im Ziel unverzüglich trockene Kleider überziehen.
  • Bei Unwohlsein aufhören oder einen Arzt/Sanitäter ansprechen.
  • Sich an die Weisungen der Verantwortlichen halten.
  • Die eigenen Grenzen erkennen und akzeptieren. Einsehen, dass weniger manchmal mehr sein kann.
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