Checkup und Leistungsdiagnostik für Sportler und Sporteinsteiger

Was macht Sinn?

Sportmediziner Tomas Huluk erklärt im Interview, für wen ein Checkup Sinn macht, was ein Laktatstufentest bringt und wieso Sport nicht zur Gewichtsabnahme taugt.

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Herr Huluk, wann sollte man sich einem Check unterziehen, bevor man mit Sport beginnt?

Wenn man mehrere Jahre keinen Sport getrieben hat, über 50 oder stark übergewichtig ist, dann macht ein Checkup vor dem Sporteinstieg durchaus Sinn. Natürlich nur dann, wenn man nicht ohnehin schon unter ärztlicher Kontrolle beim Hausarzt ist.

Was genau testet der Spezialist bei einem Checkup?

Ein kleiner Check beinhaltet die wichtigsten Blutwerte wie Leberwerte, Nierenparameter, Cholesterin, und zusätzlich ein EKG sowie je nachdem ein Lungen-Röntgenbild, wenn seit rund fünf Jahren keines gemacht worden ist.

Und was ist ein grosser Checkup?

Dieser beinhaltet zusätzlich einen Laktatstufentest, einen sportmedizinischen Checkup sowie eine komplette körperliche Untersuchung.

Sollte auch jemand einen Checkup machen, der sich komplett beschwerdefrei fühlt?

Wann genau welcher Checkup nötig, wichtig oder im Extremfall gar lebensrettend ist, kann nicht pauschal beantwortet werden, das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Ich empfehle aber jedem ab 50, sich einmal etwas eingehender untersuchen zu lassen. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ich bei 100 Checks nicht allen 100 grünes Licht zum Sporttreiben geben kann, sondern schlussendlich sicher 3-5 Patienten weiter abklären oder gar an einen Spezialisten weiterverweisen muss.

Und was empfehlen Sie einem Sportler, der bereits regelmässig dreimal pro Woche läuft und sich nun zum Ziel gesetzt hat, in einem Jahr einen Marathon zu bestreiten?

Mit 50 ist auch da ein Grund-Check empfehlenswert, bei jüngeren Sportlern aber nicht zwingend nötig. Bei dieser sportlichen Ausgangslage bietet sich sicherlich ein Leistungstest an, damit man weiss, in welchen Trainingsbereichen man unterwegs sein sollte. Und auch ein allgemeiner sportmedizinischer Check, bei dem die Beweglichkeit und der Bewegungsapparat genau angeschaut werden.

Was genau misst ein Leistungstest?

Ein Leistungstest wird üblicherweise auf dem Laufband- oder Fahrrad-Ergometer durchgeführt. Dabei wird die Leistung während der körperlichen Anstrengung gemessen. Bei einem Laktatstufentest wird stufenweise die Intensität erhöht und bei jeder Stufe das Laktat im Blut gemessen. Das Laktakt ist ja das Endprodukt der sauerstoffunabhängigen Energiegewinnung im Körper. Mit den gemessenen Laktatwerten kann man die anaerobe Schwelle definieren, also den Bereich, in dem gleich viel Laktat gebildet wie abgebaut wird, ohne dass der Körper in ein Defizit läuft. Über der Schwelle kann ein Sportler seine Leistung langfristig nicht mehr aufrechterhalten. Der gemessenen Laktatschwelle wird der dazugehörige individuelle Puls zugeordnet und daraus wiederum kann der Spezialist festlegen, in welchen Trainings- bzw. Pulsbereichen der Proband in den einzelnen Trainings pro Woche am besten laufen sollte, um den gewünschten Trainingseffekt erzielen zu können. Die Trainingsgestaltung hängt natürlich auch von der Zielsetzung ab. Für einen Stadtlauf benötigt man ein anderes Training als für einen Marathon. So oder so sollte man nur sehr dosiert – z. B. mit Intervalltrainings – über der Laktatschwelle trainieren.

Gibt es auch Faustregeln zum Bestimmen der anaeroben Schwelle?

Erfahrungsgemäss liegt die Schwelle bei den meisten ungefähr drei km/h unter der maximalen Geschwindigkeit, die man beim Laktatstufentest erreichen kann. Oder in Pulsschlägen ausgedrückt rund 10-12 Schläge unter der maximalen Herzfrequenz. Spitzen-Marathonläufer können einen Marathon ungefähr im Bereich 90-95% der anaeroben Schwelle durchlaufen, was eine Wahnsinnsleistung ist, bei Hobbyläufern liegt dieser Wert wesentlich tiefer.

Kann man ein gesundes Herz überlasten?

Eigentlich nicht, wenn man sich grundsätzlich gesund fühlt, genügend trainiert ist, keine Schwächeanfälle oder Brustbeschwerden hat und den überschwelligen Intervallbereich, der 100-115% der Laktatschwelle entspricht, nicht ausreizt. Solche maximalen Intensitäten sollten nur sehr dosiert in klar definierten Intervalltrainings oder kurzzeitig im Wettkampf geleistet werden.

Wie oft sollte man einen Leistungstest wiederholen?

Das kommt auf die Ambition an. Für ein einmaliges Ziel reicht auch ein einmaliger Leistungstest. Will man sich kontinuierlich und langfristig verbessern, dann kann man die Resultate im Halbjahres- bis Jahresrhythmus mit einem erneuten Test überprüfen und dadurch die einzelnen Trainingsbereiche auch wieder neu fein justieren.

Angenommen, ich bin um die 40, treibe noch keinen Sport, habe zehn Kilo zu viel auf den Rippen und möchte jetzt mit Joggen mein Gewicht reduzieren. Wie soll ich vorgehen?

Grundsätzlich die gleichen – wie bereits erwähnten – Abklärungen durchführen, so wie alle, die neu mit Sport beginnen. Allerdings muss ich sagen, dass es keine gute Idee ist, mit Sport Gewicht verlieren zu wollen, denn der Kalorienverbrauch beim Sport wird deutlich überschätzt. Eine Stunde laufen verbraucht lediglich rund 300-500 Kalorien, also nicht viel mehr als eine halbe Tafel Schokolade. Sport ist daher nicht geeignet, um abzunehmen, sondern lediglich, um das Gewicht zu regulieren. Für eine Gewichtsabnahme ist die Ernährung entscheidend. Bei Übergewicht ist Laufen zudem nicht die ideale Sportart als Einstieg, da empfehlen sich vielmehr Radfahren, Schwimmen oder Wandern, wo man problemlos mehrere Stunden unterwegs sein kann. 

Ein fitter Senior geht mit 50 pflichtbewusst für einen Checkup zum Arzt, der ihm beste Gesundheit bescheinigt. Kann er jetzt trainieren und warten, bis allfällige Beschwerden auftreten, oder sollte er sich nach einigen Jahren erneut melden?

Das hängt stark von den sportlichen Zielen und Ambitionen ab. Wenn im Hinblick auf ein grosses Ziel der Trainingsumfang massiv gesteigert wird, dann macht ein erneuter Test Sinn, sonst reicht es aber, alle paar Jahre den Hausarzt zu konsultieren. Ein gesundes Augenmass ist wichtig. Einerseits sollte man nicht auf Panik und Überbetreuung machen, aber man will auch nichts verpassen. Eine grosse Chance der Hausarztmedizin ist es schlussendlich, gefährliche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Viele Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, zu hohes Cholesterin oder Prostata-Probleme äussern sich erst relativ spät, können aber mittels Check gut und einfach frühzeitig erkannt werden. Deshalb kann es manchmal durchaus auch Sinn machen, einen Patienten mittels Monitoring über ein paar Jahre engmaschiger zu beobachten, um ihn danach wieder an der langen Leine zu lassen, wenn alle Entwicklungen in eine gute Richtung zeigen.

* Dr. med. Tomas Huluk ist Hausarzt und Sportmediziner und arbeitet bei der Hirslanden Klinik in Aarau wie auch in der eigenen Praxis in Gattikon/Thalwil (ZH).

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