Sportliche Grossveranstaltungen im Fokus der Ökologie

Sind Sportevents eine Belastung für die Umwelt?

Wie ökologisch können sportliche Grossveranstaltungen sein? Welche Kompromisse wären Sportler bereit einzugehen, wenn dafür das natürliche Gleichgewicht stimmt?

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Ausdauersportler, die sich als Hobby schwimmend, laufend, skatend, Velo fahrend oder mit dem Mountainbike in der Natur fortbewegen, sind naturnahe Menschen, würde man meinen. Die Realität schaut aber anders aus. Erhebungen vom Bundesamt für Statistik zeigen: 69 Prozent aller Distanzen im Freizeitverkehr werden im Auto zurückgelegt, nur knapp 13 Prozent mit der Bahn. Der sportbedingte Verkehr der Aktiven, Zuschauenden und Funktionäre verursacht mit 20 Milliarden Personenkilometern pro Jahr rund 20 Prozent des gesamten Personenverkehrs in der Schweiz. Erschreckende Zahlen, bei denen man sich unweigerlich fragt: Schliessen sich sportliche Events und ein ökologisches Gleichgewicht aus?

Per ÖV zum Sportevent
Grundsätzlich gilt: Je kleiner und zentraler ein Sportanlass veranstaltet wird, desto weniger ökologische Fussabdrücke werden hinterlassen. Gänzlich «grün» können Events dastehen, die mit geringem Materialaufwand auskommen und mit öffentlichem Verkehr gut erreichbar sind. Also Lauf-, Walking- und OL-Events, ebenso Schwimm-, Inline-Skating- und Langlaufwettkämpfe. Bei grossen Veranstaltungen (wie Grand-Prix von Bern, Lausanne Marathon, Engadin Skimarathon usw.) beinhaltet die Startnummer eine Hin- und Rückfahrt mit dem Zug. Selbstverständlich kann man niemanden zwingen, mit dem ÖV an einem Event zu reisen. Bei Multisportanlässen sieht die Sache sowieso anders aus, zumindest dann, wenn sperrige Sportgeräte wie Mountainbikes, Rennvelos oder Skates im Spiel sind. Aber auch da kann man die Rahmenbedingungen so schaffen, dass ökologisches Verhalten möglich ist. Anlässe wie der Gigathlon, die S2-Challenge oder ehemals der Alpinathlon zeigen, dass das geht.

Abfall und Verpflegung
Obwohl Verkehr- und Transportwege bei Ausdauersportanlässen einen tiefen ökologischen Fussabdruck hinterlassen, gibt es noch andere Spuren, die bereinigt werden können. Ecosport.ch, eine zentrale Plattform von Swiss Olympic, BAFU, BASPO, ARE und Energie Schweiz, ortet auch bei Abfall- und Verpflegungskonzepten, bei der Energieversorgung und Infrastruktur, bei Nutzung von Natur und Landschaft grosses Potenzial, um den Hebel für ökologische Massnahmen anzusetzen. Ecosport liefert zentrale Empfehlungen und Checklisten für die nachhaltige und saubere Durchführung von Sportanlässen. Diese reichen von Abfalltrennung über Ressourcenschutz mittels Mehrwegbecher und -geschirr bis hin zu sanitären Anlagen und Einrichtungen auf dem Zeltplatz. «Natürlich ist es eine Illusion, zu meinen, dass alle unsere Empfehlungen für nachhaltige Sportanlässe sofort umgesetzt werden können», sagt Judith Conrad von Ecosport. «Aber es ist schon erfreulich, wenn sich ein Veranstalter überlegt, in welchen zwei, drei Bereichen er ökologischer handeln kann und dann dort den Hebel effektiv ansetzt.» Wichtig sei dann vor allem, dass die Massnahmen kommuniziert werden. «Nur so schafft man es, die Sportler für das Thema zu sensibilisieren,» erklärt Judith Conrad.

Fakt ist: Es ist möglich, Grossveranstaltungen durchzuführen und gleichzeitig Rücksicht auf natürliche Ressourcen zu nehmen. Viele Ausdauersportveranstaltungen haben im Bereich Umwelt bereits Massnahmen initiiert. Je ökologischer die Rahmenbedingungen des Veranstalters daherkommen und kommuniziert werden, desto grüner ist das Verhalten der Sportler. Es braucht aber ganz klar immer beide Seiten, wenn bei Sportveranstaltungen in Sachen Ressourcenschutz etwas erreicht werden will. Denn am Ende wäre es immer noch am ökologischsten, wenn niemand an Grossanlässen teilnehmen und alle stattdessen zu Hause bleiben würden...

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