Humani'trail Diablerets 2016

«Toller Traillauf, technisch teuflisch anspruchsvoll»

FIT for LIFE-Leser Thomas Wyss ist beim Humani'trail 2016 mitgelaufen. Sein Fazit: Traumhafter Traillauf - aber nur trittsicheren und schwindelfreien Athleten empfohlen!

Copyright: Trail Humani
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Humani’Trail Les Diablerets

In Les Diablerets gibt es den Verein Humani’Trail, welcher unter der Leitung von Cédric Agassis eine wahre Perle von einem Traillauf veranstaltet. Die Einnahmen der Einschreibegebühren werden für benachteiligte Kinder in Nepal gespendet. Deswegen der Name Humani'Trail.

Spontan entscheide ich mich für die Längste der drei angebotenen Distanzen: 56 Kilometer, gespickt mit 3600 Höhenmetern sollen abgelaufen werden. Wie der bengalische Tiger, der König der südlichen Ebenen von Nepal, wird der Trail des Tigers wild und gnadenlos sein. Also nichts mit human.

Um 6:15 Uhr ist es noch zappenduster und schon nach den ersten Metern bereue ich, nicht meine beste Stirnlampe mitgebracht zu haben. Nach rund 3 km Einrollphase reihe ich mich im ersten knackigen Aufstieg in den Tatzelwurm ein und kann so vom Scheinwerferlicht der besser ausgerüsteten 200 Mitstreiter profitieren. Die ersten 800 Höhenmeter sind bei Tagesanbruch schon geschafft und die ersten Sonnenstrahlen zeigen das wunderbare Panorama der Walliser Alpen.

Auf flowigen Trails geht es weiter, immer höher, immer steiler, bis wir auf einem ausgesetzten Grat sind. Höchste Konzentration ist angesagt, ein Fehltritt und ich fehle beim Sonntagsbrunch. Auch die Mitstreiter denken wohl dasselbe, es wird kein Wort mehr gesprochen. Cool, erste Mutprobe schon bestanden. Es folgt ein munteres Auf und Ab wie es der Trailläufer liebt, eingebettet in herrlichste Natur.

Nach anstrengenden 28 km und 1600 Hm erreichen wir erneut Les Diablerets, die Hälfte der Strecke ist geschafft und ich auch. An der Labestelle fülle ich den Tiger in den Tank und mache mich auf den «homerun», wobei «rennen» wohl das falsche Wort ist. Gemächlich steigen wir auf 5 km 900 hm in die Höhe und unvermittelt stehe ich im fernen Nepal. Steinwüste und steile Felswände, absolut himmlisch, wenn die Strecke nur nicht so technisch anspruchsvoll wäre. Ohne Startnummer könnte ich es besser geniessen, aber würde ich alleine hier rumwandern? Die Gedanken schweifen umher und schon stürze ich und rutsche 5 m die Steinplatten runter, kleine Schürfungen, nix passiert ausser einem Stockbruch.

Die Kräfte lassen merklich nach und ich stolpere bei herrlichem Ausblick Richtung Pillon, wo bei der Talstation zum Glacier3000 eine letzte, grosse Labestelle eingerichtet ist. 44 km und schon 3 000 hm schon auf dem Zähler, mein Tank schon wieder leer. Bouillon, Cola, Wasser, Brot, Käse und Früchte, da lässt es sich leben. Gestärkt und motiviert kommt es nun Dessert: 500 hm auf nur 3 km, das ist schon mächtig anstrengend, aber dafür technisch einfach. Nur Körner sollten man haben. Der Sieger ist schon längstens im Ziel und ich hangle mich mit weiteren Artgenossen dem zweitletzten Gipfel entgegen. Tief unten erkenne ich Les Diablerets. Ui, das ist aber noch weit! Ein letzter Anstieg entlang von schroffen Bergflanken und dann beginnt das rasante Finale, wo auf 5 km nun 700 Tiefenmeter vernichtet werden. Der Tiger in mir mobilisiert die letzten Kräfte. Müde und abgekämpft erreiche ich freudig das Ziel.

Fazit: Der Humani K56 ist ein absolut toller Traillauf, technisch zum Teil recht anspruchsvoll und sollte deswegen nur von absolut trittsicheren und schwindelfreien Trailläufern absolviert werden!

Trail du Tigre 56 km / 3'600 +. Les Diablerets -  Vers-l’Eglise – Perche – Grand Chamossaire – Bretaye – Ensex – Les Diablerets – Drudy – Pillon – La Palette – Les Diablerets!

Ambiente: Feriencharakter. Sehr familiär und nicht so pompös wie an den grossen Trailläufen in der Deutschweiz. Absolut sympathisch, typisch welsch eben.

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