Genève Marathon for Unicef

Multikulturelles Marathon-Festival

Ein buntes Läuferfest mitten in der Stadt Genf. Wer Laufsport und Geselligkeit mag, ist am Genève Marathon for Unicef bestens aufgehoben. Und dies ein ganzes Wochenende lang.

Copyright aller Bilder: FIT for LIFE

Genf hat viele Gesichter. Businessmetropole, Finanzhochburg, Touristenattraktion. Aber auch: Partyszene, Kulturstadt, Flaniermeile, Schmelztiegel vieler Nationen. Und natürlich auch Sportstätte und Laufparadies. Wer alle Gesichter der Rhonestadt auf engstem Raum und innerhalb von 24 Stunden erleben will, dem sei ein Besuch am Genève Marathon empfohlen. FIT for LIFE hat die Marathon-Reise über den Röstgraben angetreten und die verschiedenen Aspekte der faszinierenden Metropole als buntes, reichhaltiges Kaleidoskop wahrgenommen.

Um die unerwartete Vielfalt der Stadt zu erleben, empfiehlt es sich, dem 5-km-Lauf «La Genevoise» beizuwohnen. Oder selber mitzurennen, so die biologischen Gegebenheiten dazu gegeben sind. Der Kontrast könnte kaum grösser sein: Jenseits der Rhone vornehme Shopping-Tempel, teure Juwelier-Geschäfte und imposante Banken-Gebäude, diesseits der Rhone eine fröhliche Schar pink gekleideter Läuferinnen, die sich überaus ausgelassen und offenherzig geben, als ob sie den Besuchern zeigen wollen: «Seht her! So ist das wahre Genf! Was Ihr recht und links an Fassaden und Prunk seht, ist nur die leblose Hülle unserer Stadt!» Vive Genève!

Noch lebendiger wird es, wenn Kinder und Jugendliche die Innenstadt bevölkern, weil sie sich – angefeuert von ihren Eltern, Grosseltern und Verwandten – ihrerseits im Laufen messen. Die kleinen Knirpse sprinten sich mit roten Backen und leuchtenden Augen die Seele aus dem Leibe, als ob sie beweisen müssten: «Genf ist nicht nur Bankenmetropole und Finanzmarktplatz. Genf und vor allem der Genf-Marathon hat ein riesengrosses Herz für Kinder!» Diese Begeisterung für Kinder kommt nicht von ungefähr, trägt doch der Genève Marathon dieses Engagement gewissermassen im Namen. Seit fünf Jahren fliessen die Einnahmen der Läufe (100% der Kinderevents und 5% der Erwachsenenwettkämpfe) in die internationale Non-Profit-Organisation Unicef, welche sich in afrikanischen Ländern für sauberes Trinkwasser und Wasserpumpen einsetzt.

Stimmungsvoll und fast mystisch präsentiert sich Genf beim Eindunkeln und in der Nacht. Wer den 2014 zum ersten Mal durchgeführten 10-km-Lauf am Marathonvorabend um 21 Uhr absolviert, erlebt ausserdem abrupte Wechsel zwischen Stadt und Land und ein faszinierendes Wechselspiel zwischen ländlicher Dunkelheit und den tausendfach glitzernden Lichterketten der Seepromenade entlang. Der Zielbogen am Jardin des Anglais, mitten im Zentrum der Stadt, katapultiert die euphorischen Läufer von der Laufstrecke direkt ins Nachtleben, das in Genf erst gegen Mitternacht so richtig Fahrt aufnimmt. Im Quartier Pâquis, einen Katzensprung vom Marathon-Village entfernt, leben Araber, Inder, Afrikaner und Asiaten auf engstem Raum zusammen und buhlen um die kulinarische Lust der Passanten. Auch Marathonläufer gehören an diesem Samstagabend zur Kundschaft und ersetzen das obligate Carboloading durch ein koreanisches Buffet oder einem All-you-can-eat im Restaurant Bollywood.

Derart gestärkt, fällt das Laufen am nächsten Morgen hoffentlich besonders leicht. Wie gut, dass morgens früh um acht Uhr erst einmal die Para-Sportler und wenig später die Halbmarathonläufer auf die Strecke gehen, bevor um 10.30 Uhr der Startschuss zum Marathon bzw. zur Marathon-Staffel fällt! Wer sich im Marathongelände aufhält, hört viele verschiedene Sprachen: natürlich französisch, dann aber auch diverse Färbungen des Englischen. Von British Englisch über American Englisch bis hin zu Englisch, das eindeutig aus dem Indischen Sprachgebiet kommt. Die T-Shirts der Läufer zeigen, dass hier zahlreiche in Genf angesiedelte Internationale Organisationen am Staffel-Start stehen. Den wenigsten geht es um eine Bestzeit. Viele sind am Marathon dabei, weil die Kollegen mitmachen und die Motivation, über sich selber hinauszuwachsen, deshalb besonders gross ist. Weil das Zeitlimit von 6 Stunden dreissig für einen europäischen Städtemarathon eher grosszügig bemessen ist, machen am Genève Marathon auch Läufer mit, die auf den letzten Kilometer deutlich zu kämpfen haben. Aber auch sie werden lautstark in allen Winkeln der Stadt angefeuert, als ob sie soeben olympische Limite gelaufen wären. Die Zuschauer klatschen und johlen, als ob jeder Läufer ein Prominenter wäre. Und die Live-Bands demonstrieren mit ihren saftigen Beats: «Hier in Genf werden alle willkommen geheissen! Ganz egal, ob Top-Läufer oder Greenhorn! Die malerische Innenstadt mit den imposanten Brücken gehört den Läufern!» Und dies notabene einen ganzen Sonntag lang.

Irgendwann ist dann auch der allerletzte der knapp 13'700 Läufer im Ziel. Lässt sich eine edle Finishermedaille umhängen und lässt seinen Blick ein letztes Mal über das bunt beflaggte Seebecken schweifen. Die Zuschauer befinden sich auf dem Weg in die nächste Bar au vin, die freiwilligen Helfer bauen Fahnen und Sponsorenbanner ab. So langsam nimmt Genf wieder Alltagslook ein und wirft der ausgelassenen, multikulturellen Läuferschar ein herzliches «Adieu, à l'année prochaine!» hinterher.