Besuch beim Velobauer Robert Stolz

Der Stahl-Guru

Wer sich einen nachhaltigen Velorahmen selbst bauen möchte, kann dies bei einem der beliebten Rahmenbaukurse von Röbi Stolz lernen. Wir haben ihn in seiner Werkstatt besucht.

Copyright: Michael Kunst

«Stahl war und ist mein bevorzugtes Grundmaterial beim Bau von hochwertigen Fahrradrahmen», sagt Röbi Stolz mit diesem überzeugten Unterton eines Spezialisten, der eigentlich keinen Widerspruch duldet. Die Begründung liefert er gleich nach: «Das spezifische Gewicht von Stahl ist zwar deutlich höher als das von Aluminium und anderen Grundwerkstoffen, jedoch kann dank der höheren Festigkeit mit kleineren Rohrdurchmessern und weniger Material gearbeitet werden, um ein niedriges Rahmengewicht zu erreichen.» Stolz weiss, wie kaum ein anderer Fahrradbauer in der Schweiz, wovon er spricht. Seit 1984 werden in seiner Werkstatt edle Velos für jeden Einsatzbereich produziert. Ob filigrane Rennräder im Sieben-Kilogramm-Bereich oder durchmesserstarke Mountainbike-Rahmen mit bulliger Optik – «mit Stahl ist alles möglich, und alles wirkt schön!» Der Züricher Handwerksbetrieb baut seit jeher mit einer gewissen Konsequenz seine Preziosen aus Stahl – von Hand geschweisst und gelötet, geprägt vom fachlichen Know-how bei der Auswahl der einzelnen Komponenten. Ergo: Eigentlich ein Betrieb, der nahe dran ist am Ideal für eine nachhaltige Veloproduktion, oder? «Echte Nachhaltigkeit ist im Fahrradbau eine diffizile Sache», meint Stolz. «Schwierig – aber nicht unlösbar!» Kleine Betriebe wie die von Röbi Stolz haben aber «immerhin die eigenen Produktionsprozesse im Griff. Ich weiss genau, womit meine Mitarbeiter und ich schweissen oder löten, die Sicherheitsvorkehrungen für die Gesundheit sind optimal. Aber schon bei der Werksbehandlung der angelieferten rohen Rohrware kann ich mir nicht mehr sicher sein. Was verdampft, welche Gase entstehen, wenn wir auf diesen Oberflächen arbeiten?» Zwar könne er bei den hochwertigen Top-Rohren, die von Stolz genutzt werden, von einer vergleichsweise guten Qualität ausgehen – «aber eine Art Zertifizierung oder ein Nachhaltigkeits-Gütesiegel würde noch mehr Vertrauen schaffen». Stolz denkt dabei vor allem an die Herkunft des Stahls: «Unter welchen Bedingungen schufteten die Arbeiter, und wie wurde die Umwelt belastet?»

Trotz aller Hürden, die ein wirklich nachhaltiges Velo vor allem bei den Komponenten und in der Ausstattung mit sich bringen würde (Stolz: «Ein hochwertiger, nachhaltiger Rahmen aus recyceltem Stahl wäre das kleinste Problem!»), sieht der Züricher Spezialist eine Chance für die Nachhaltigkeit im Velobau, obwohl die ökonomische Seite sicher nicht einfach sei. «Es wäre eben eine Frage des Goodwill aller Beteiligten, da ist auch der Konsument gefragt», vermutet Stolz. Sicher scheint: Kleine Werkstätten sind für eine solche Vorreiterrolle in Sachen «Nachhaltigkeit» besonders geeignet. Hier kommen fachliches Know-how, handwerkliche Qualität und das ebenso wichtige Vertrauen der späteren Kunden in hochwertige Produkte zusammen. Zudem könnte die internationale Vernetzung eines alteingesessenen Betriebes eine wesentliche Rolle spielen: Global Player kann man auch als kleiner Betrieb sein!

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