Nukleotide im Sport

Kleiner Stoff, grosse Wirkung?

Nukleotide sind für das Leben unentbehrlich. Bekannt sind sie als Grundbausteine unserer Erbsubstanz. Sie sollen aber auch das Immunsystem stärken.

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Als kleinste Substanzen Nukleotide sie in den Zellen das Grundgerüst der Erbsubstanz – die Desoxyribonukleinsäure. Sie kommt in allen Lebewesen vor und enthält die Information für die Bildung körpereigener Proteine. Das bekannteste Nukleotid im Sport ist der Energieträger ATP. Im Gegensatz zu anderen lebensnotwendigen Nährstoffen (wie die essenziellen Amino- oder Fettsäuren) sind die Nukleotide nicht essenziell (1). Dies bedeutet: Wir brauchen sie zwar fürs Leben, müssen sie aber nicht zwingend mit der Nahrung aufnehmen. Unser Körper kann Nukleotide in genügendem Masse fürs Überleben selber herstellen. So weit die strikte Einstufung der Nukleotide. Die Einstufung eines Nährstoffs als nicht essenziell bedeutet aber nicht, dass der Nährstoff unwichtig ist. Bestes Beispiel sind die Kohlenhydrate. Alle Kohlenhydrate sind (aus der Sicht des Überlebens) nicht essenziell. Sie sind aber sehr wohl für eine optimale sportliche Leistung notwendig. Gilt dies auch für die Nukleotide?

Milch enthält mehr Nukleotide als andere Lebensmittel (2). Dies ist ein erster Hinweis dafür, dass die Aufnahme von Nukleotiden über die Nahrung eine gewisse Bedeutung hat – zumindest für Säuglinge. Entsprechend zeigten einige Studien einen etwas besseren Immunstatus und weniger Durchfälle bei Säuglingen, die eine mit Nukleotiden angereicherte Nahrung erhielten (3). Wie sieht es aber im Sport aus? Die Erforschung der Nukleotid-Supplementierung im Sport ist scheinbar nicht besonders beliebt. Nicht einmal zehn Studien befassten sich damit und die Qualität der Studien ist eher bescheiden. Zwei davon setzten ATP als Supplement ein. Bei beiden Studien wurde im anaeroben Bereich kein nennenswerter Effekt bei Krafttests beobachtet (4,5). Dies erstaunt nicht gross, da ATP-Supplemente nicht aufgenommen werden (6). Die restlichen Studien mit anderen Nukleotiden konnten nur indirekte Hinweise liefern, dass unter Umständen die Immunabwehr nach sportlicher Leistung etwas weniger geschwächt wird (7-9). Ob dies einen bemerkbaren Einfluss auf das Erkältungsrisiko nach dem Sport hat, wurde aber bislang noch nicht untersucht. Nukleotide sind natürliche Bestandteile unserer Nahrung. Sie werden von der Industrie auch als Supplemente verkauft, dann aber oft kombiniert mit Aminosäuren und Vitaminen. Eine Beurteilung solcher Mischungen von Supplementen ist generell sehr schwierig. Im Falle der Nukleotide kann man aber Folgendes festhalten: Sie unterstützen das Immunsystem bei Säuglingen und allenfalls auch bei körperlich gestressten Erwachsenen. Die Beweiskraft aus Studien ist aber gering und nur indirekt. In diesem Zusammenhang bemerkenswert: Nukleotid-Supplemente tauchen weder in Australien noch in der Schweiz in den offiziell anerkannten Supplementratgebern auf. Wer nach intensiven Trainingsphasen oder Wettkämpfen immer wieder angeschlagen oder erkältet ist, sollte mit einer Veränderung der Ernährung versuchen, Abhilfe zu verschaffen. Am Wirksamsten sind genügend Kohlenhydrate während und nach der Belastung sowie die regelmässige Einnahme von Probiotika. Wenn dies nichts nützt, kann man es immer noch mit einem Nukleotid-Supplement versuchen.

Literatur

(1) Gil A. Eur. J. Clin. Nutr. 2002; 56 Suppl 3: S1-4
(2) Sauer N et al. Nutr. Res. Rev. 2011; 24: 46–59
(3) Gutiérrez-Castrellón P et al. Br. J. Nutr. 2007;98 Suppl 1: S64-7
(4) Rathmacher JA et al. J.Int.Soc.Sports Nutr. 2012; 9: 48
(5) Jordan AN et al. Med. Sci. Sports Exerc. 2004; 36: 983–90
(6) Coolen, Erik J C M et al. Br. J. Nutr. 2011; 105: 357–66
(7) Ostojic S, Obrenovic M. J.Int.Soc.Sports Nutr. 2012; 9: 31
(8) Mc Naughton L et al. J. Sports Med. Phys. Fitness 2006; 46: 84–9
(9) Mc Naughton L et al. J. Sports Med. Phys. Fitness 2007; 47: 112–8

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