Milch in der Sporternährung

Sportdrink oder Regenerationsshake?

Milch bzw. Schokoladenmilch wurde bereits vor über 90 Jahren zur Unterstützung der sportlichen Leistungsfähigkeit eingesetzt. Macht dies Sinn?

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In der Schweiz kennt fast jedes Kind die schwarz-weiss gefleckte Kuh Lovely. Seit über 20 Jahren wird die Werbeträgerin der Schweizer Milchproduzenten sportlich ins Bild gesetzt und dadurch eine Verbindung zwischen Milch und körperlicher Aktivität hergestellt. Ist dies nur Marketing oder steckt mehr dahinter? Die Olympischen Spiele von Amsterdam im Jahre 1928 waren aus Schweizer Sicht sehr erfolgreich. Insgesamt gab es 15 Medaillen: 7 x Gold, 4 x Silber und 4 x Bronze. Mit drei Gold- und einer Silbermedaille war der Schweizer Turner Goerges Miez gar der erfolgreichste Athlet der Spiele. Gemäss einer Werbeanzeige im Bericht zu den Olympischen Spielen schnitten die Schweizer so erfolgreich ab, weil sie ein kräftebringendes Getränk genossen, das über die Schwierigkeiten ungewohnter und oft unzweckmässiger Hotelkost hinweghalf. (1) Selbst der Generalsekretär des Schweizerischen Olympischen Komitees schrieb dem exzellenten Getränk einen grossen Anteil an den brillanten Ergebnissen der Schweizer zu. Bei besagtem Getränk handelte es sich aber nicht um Coca-Cola, das 1928 zum ersten Mal die Olympischen Spiele sponserte. Die Rede war von Ovomaltine.

Schokoladenmilch wurde also bereits vor über 90 Jahren zur Unterstützung der sportlichen Leistungsfähigkeit eingesetzt. Macht dies Sinn? In der Fachliteratur tauchen Forschungen über den Einsatz von Milch im Sport erst seit Mitte der 1990er-Jahre auf. Seither wurden rund 30 Studien durchgeführt und fast alle befassten sich mit der Erholung. Seitens Ernährung sind hier drei Aspekte von Bedeutung: Energiespeicher durch Kohlenhydrate wieder auffüllen, Flüssigkeitsverluste ersetzen und Reparatur oder Aufbau von muskulären Strukturen mittels Protein unterstützen. Milch und Schokomilch liefern alle erforderlichen Nährstoffe gleich in einem Getränk und bieten sich daher als Erholungsgetränk geradezu an. Als übliches Sportgetränk, das man während der Belastung einnimmt, machen aber Milch und Schokomilch keinen Sinn. Denn hier braucht es die Proteine nicht – und auch kein Fett, das ebenfalls in der Milch enthalten ist. Die Erkenntnisse zu den Studien über Milch oder Schokomilch als Erholungsgetränk wurden in einem Informationsblatt mit Infografik der Swiss Sports Nutrition Society zusammengefasst. (2) Auf den Punkt gebracht: Milch oder Schokomilch schnitten entweder gleich gut oder besser als Vergleichsgetränke ab. Nie aber schlechter. Sie stellen somit sinnvolle Erholungsgetränke dar. Entgegen häufiger Vorurteile zeigt die Forschung ein überwiegend positives Bild über den Zusammenhang zwischen Milch und Milchprodukten und der Gesundheit. Man geht heute davon aus, dass sie viel eher vor chronischen Erkrankungen schützen als gesundheitliche Probleme verursachen. (3) Die wesentliche Ausnahme ist die Unverträglichkeit gegenüber dem Milchzucker, von der etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz betroffen sind. (4)

Milch oder Schokomilch sind gute und praktikable Möglichkeiten, gleich alle wesentlichen ernährungsbezogenen Bereiche der Erholung abzudecken. Mit einem halben Liter erzielt man einen guten Start in die Erholung, je nach Ausmass der erforderlichen Erholung braucht es dann eine individuell angepasste Fortführung der Massnahmen für die Zufuhr von Kohlenhydraten, Flüssigkeit und Protein. Im Vergleich zu Regenerationsgetränken liefern Milch und Schokomilch auf das gleiche Volumen bezogen zwar weniger Kohlenhydrate und Protein. Man kann sie aber problemlos mit weiteren Lebensmitteln wie belegte Brötchen ergänzen. Dies ist im Übrigen auch bei Regenerationsgetränken oft erforderlich, um auf die idealen Nährstoffmengen zu kommen. Im Falle einer (vermuteten) Intoleranz ist eine entsprechende Abklärung anzuraten, damit sinnvolle Alternativen fachgerecht aufgezeigt werden können. In der Schweiz hat aber der weitaus grösste Teil der Bevölkerung keine Probleme mit dem Milchzucker und die täglich empfohlenen drei Portionen an Milch und Milchprodukten sind sicherlich sinnvoll. Im Sport können es auch deren vier sein.

Literatur
1. Wagner J, Klipstein F, Messerli F. Die Olympischen Spiele 1928: St. Moritz - Amsterdam: Erinnerungswerk. Zürich: Verlag J. Wagner, 1928
2. Colombani P. Milch & Schokoladenmilch: Erholung nach dem Sport. http://www.ssns.ch/wp-content/uploads/2016/10/HotTopic_Milch_Erholung.pdf
3. Thorning TK et al. Food Nutr. Res., 2016; 60: 32527
4. Keller U, Battaglia-Richi E, Beer M, et al. Sechster Schweizerischer Ernährungsbericht. Bern: Bundesamt für Gesundheit, 2012

Dateien
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