Welche Medaillenchancen haben Cologna & Co?

Schweizer Olympiahoffnungen in Pyeongchang

Dario Cologna und Olympische Spiele; das hat bisher immer gepasst. 2010 gewann er Gold über 15 km Skating. 2014 doppelte er mit Gold im Skiathlon und 15 km Klassisch nach.

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Erneut auf Goldkurs
Dario Cologna

Dario Cologna und Olympische Spiele – das hat bisher immer wunderbar gepasst. 2010 in Vancouver gewann er Gold über 15 km Skating. 2014 in Sotschi glänzte der Bündner gar als zweifacher Goldmedaillengewinner (Skiathlon und 15 km Klassisch). Und dies obwohl er drei Monate vor den Winterspielen beim Joggen mehrere Bänderrisse im rechten Fussgelenk erlitten hatte.

Erfolgreicher als Cologna waren in der olympischen Geschichte nur zwei Schweizer: Simon Ammann (viermal Gold) und Vreni Schneider (dreimal Gold plus je einmal Silber und Bronze). In Pyeongchang
könnte Cologna die beiden einholen, zumal er rechtzeitig in Form gekommen ist. An der Tour de Ski trat er auf wie in seinen besten Tagen. Cologna gewann das prestigeträchtige Etappenrennen nach 2009,
2011 und 2012 zum vierten Mal. Und dies auf überaus souveräne Art mit zwei überragenden Einzelsiegen in Lenzerheide.

Die gesundheitlichen Probleme (Wade, Reizhusten) hat er mittlerweile ebenso im Griff wie den Grossteil der Gegnerschaft. Und mit den Erfolgen ist auch das Selbstvertrauen gestiegen. «Ich kann alle schlagen», sagt der 31-jährige Münstertaler, wohlwissend, dass ihm Norwegens Jungstar Johannes Klaebo in Pyeongchang über 15 km Freistil und im 30-km-Skiathlon in die Quere kommen kann.

Sie hat bereits Geschichte geschrieben
Laurien Van Der Graaff

Die Sprintspezialistin greift wieder nach den Sternen. Zum Auftakt der Tour de Ski düpierte Laurien van der Graaff im Sprint-Final vor heimischer Kulisse in Lenzerheide die gesamte Konkurrenz und feierte den ersten Weltcup-Triumph einer Schweizer Langläuferin seit 30 Jahren. 1987 hatte Evi Kratzer in Calgary über 10 km klassisch gewonnen. Laurien van der Graaff war damals noch gar nicht geboren. Bei ihrem geschichtsträchtigen Sieg hat die sensible 30-Jährige viel Selbstvertrauen getankt. «Ich weiss nun, dass ich es drauf habe», sagt die gebürtige Holländerin, die der Sprint-Dominatorin in diesem Winter, der Norwegerin Maiken Falla, auf der Zielgeraden fast zwei Sekunden abgenommen hat. Ob Laurien van der Graaff in Pyeongchang wieder zuschlagen kann? Im Sprint ist vieles möglich. Seit dem Erfolg in Lenzerheide ist der Davoserin alles zuzutrauen.

Zurück an der Weltspitze
Benjamin Weger

Sechs Jahre nach seinen grössten Erfolgen (drei Weltcup-Podestplätze) hat sich Benjamin Weger an der Biathlon-Weltspitze zurückgemeldet. Bis Mitte Januar realisierte der 28-jährige Oberwalliser im Weltcup gleich fünf Top-10-Plätze – so viele wie noch nie in einer Saisonhälfte. Was Weger einzig noch fehlt, ist ein Exploit. Will heissen: ein fehlerfreies Schiessen und superschnelle Läufe. Die braucht er, um sich reelle Chancen auf eine Olympia-Medaille ausrechnen zu dürfen. Vorbereitet hat sich Weger erstmals mit Höhentraining im Südtirol, unweit der Biathlon-Destination Antholz.

Auf dem Weg Richtung Podest
Nathalie Von Siebenthal

Mit einer Körpergrösse von 158 cm ist die Bauerntochter aus dem Berner Oberland die kleinste Langläuferin an der Weltspitze. An Grossanlässen aber vermag Nathalie von Siebenthal (24) immer wieder über sich hinauszuwachsen: 2015 wurde sie im Skiathlon als erste Schweizerin U23-Weltmeisterin. An der WM 2017 stürmte sie – ebenfalls im Skiathlon – auf Rang 4 vor. Und auch in Pyeongchang ist die Bergbäuerin, die
lieber auf der Alp als auf dem Laufband trainiert, für einen Exploit gut. Bei der Tour de Ski in Oberstdorf skatete sie im Massenstart-Rennen über 10 km schon mal auf Platz 4 vor. Von der 24-Jährigen eine Olympia-Medaille zu erwarten, wäre verfehlt. Die Hoffnungen auf Edelmetall sind aber durchaus berechtigt.

Die Wundertüte
Selina Gasparin
An den Olympischen Spielen 2014 gewann die Bündner Biathletin sensationell die Silbermedaille. Seither hat Selina Gasparin etliche Highlights erlebt – vor allem privat: Sie hat den russischen Langläufer Ilja Tschernoussow geheiratet, ist Mutter geworden, hat ihren Wohnsitz nach Lenzerheide in die Nähe der Biathlon-Arena verlegt – und eine Autobiografie veröffentlicht.

Sportlich hingegen wechseln sich bei der 33-jährigen Teamleaderin Licht und Schatten laufend ab. In diesem Winter klassierte sie sich im Weltcup auf Rängen zwischen 4 bis 47. Selina Gasparin, die seit dieser Saison mit einer modifizierten Waffe antritt, ist zur Wundertüte avanciert. Fraglich bloss, ob sie in Pyeongchang wieder für ein Wunder sorgt – oder dem Verlangen einer Tüte näher sein wird.

Geheimtipp auf Kufen
Livio Wenger

Noch kennt ihn keiner. Das kann sich am 24. Februar aber schlagartig ändern. Dann nämlich starten die Eisschnellläufer erstmals bei Olympischen Spielen zu einem Massenstart-Rennen. Und in diesem ist der Luzerner Livio Wenger ein klarer Medaillenanwärter. Bei seinem letzten Weltcup-Einsatz im Massenstart wurde er Zweiter. Kein anderer Schweizer Eisschnellläufer ist in einem internationalen Wettkampf jemals so stark aufgetreten. Und so cool.

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