Wattmessung im Rad- und Triathlonsport

Drücken wie die Profis

Alle reden von Wattzahlen. Doch welche Zahlen werden bei grossen Ironman- und Radrennen von den Besten gefahren?

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Die Wattmessung im Radsport hat sich im Leistungsbereich als höchst effizientes Trainingsinstrument durchgesetzt und bildet zusammen mit der Puls- und Trittfrequenzmessung ein effizientes Trio, mit dem man seinen Körper «lesen» und weiterentwickeln kann. Zum Vergleich der Wattmessresultate wird nicht die absolute Wattzahl herangezogen, sondern es wird die gewichtsbezogene Leistung der Testperson ermittelt und in Watt pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. Ein Beispiel: Wenn ein 80 Kilogramm schwerer Mann während 5 Minuten 240 Watt treten kann, beträgt seine spezifische Leistung über diese Zeitdauer 3 Watt pro Kilo. Ein Sprinter beispielsweise zeichnet sich durch eine maximal hohe Wattleistung aus (bis über 20 Watt pro Kilo), die er aber nur über eine sehr kurze Zeit (wenige Sekunden) erbringen kann. Ein exzellenter Zeitfahrer hingegen brilliert beim 60-Minuten-Test mit über 5 Watt/Kilo, über ganz kurze Zeitabschnitte wird er aber Mühe haben, ähnlich hohe Werte wie ein Sprinter zu erreichen. Grundsätzlich gilt: Zwei Fahrer sind nicht gleich stark, wenn sie absolut gesehen gleich viel Watt treten, sondern sie sind dann gleich stark, wenn sie gleich viele Watt pro Kilo leisten können.

Triathleten mit rund 3,8 Watt/Kilo
Die weltbesten Triathleten fahren ihre Ironman- Wettkämpfe mit etwa 3,8 Watt pro Kilo Körpergewicht. Profi-Triathlet Maik Twelsiek absolvierte 2014 in Hawaii die 180 Kilometer in 4:24 Stunden und leistete dabei durchschnittlich 282 Watt oder umgerechnet 3,71 Watt/Kilo. Dies bedeutete hinter Sebastian Kienle, der vier Minuten schneller unterwegs war, die zweitbeste Radzeit. Da Kienle ein paar Kilogramm leichter ist als Twelsiek, musste Kienle insgesamt durchschnittlich «nur» 277 Watt leisten, um die Bestzeit zu erzielen. Bei den Frauen sehen die Werte im Vergleich ähnlich aus. Die besten Frauen – den Rekord in Hawaii hält übrigens immer noch die Schweizerin Karin Thürig in 4:44:19 Stunden – schaffen um die 3,6 Watt/Kilogramm. Besonders erwähnt sei an dieser Stelle Lionel Sanders, ein Newcomer in der Szene mit riesigem Potenzial. Der kanadische Triathlet ist letztes Jahr beim Ironman Arizona durchschnittlich 315 Watt gefahren, was bei einem Körpergewicht von 73 Kilogramm einem Wert von 4,31 Watt/Kilo entspricht. Dieser Wert dürft einer der höchsten überhaupt sein im Ironman-Zirkus. Mit 4:03:38 Stunden hält Sanders denn auch die Bestmarke auf der Langdistanz. Der 28-jährige muss auch den Vergleich mit einem reinrassigen Rennradprofi nicht scheuen. Ein Velo-Profi fährt in einem Zeitfahren über rund eine Stunde einen Schnitt um die 5,4 Watt/Kilo, was bei einem 73-kg-Athleten 395 Watt entspricht. Wer schon einmal auf einem Rad-Ergometer eine Leistungsdiagnostik durchgeführt hat, weiss, wie sich 400 Watt anfühlen.

Und wie schnell wäre ein Radprofi im Triathlon?
Sebastian Weber, ein anerkannter Radsport-Trainer, glaubt, dass ein Top-Radprofi die 180 km an einem Ironman mit durchschnittlich rund 4,5 Watt fahren könnte – sofern er die Schwimmstrecke einigermassen unbeschadet übersteht. Noch erstaunlicher sind die Werte, die während einer Tour de France-Etappe kurzfristig geleistet werden. Spitzencracks treten da abschnittsweise bis zu 6,65 Watt pro Kilo, so wie es an der diesjährigen Tour de France der Italiener Fabio Aru bei der ersten Bergankunft in La Planche während 16 Minuten zeigte. Bei Arus 66 Kilogramm Lebendgewicht entsprach diese Leistung einem Gesamtwert von rund 440 Watt.

Hobby-Athleten besser gleichmässig
Während bei einem Ironman die Wattwerte der Profis im Verlaufe des Rennens je nach Rennverlauf und Renntaktik stark variieren können, tun Altersklassen-Athleten gut daran, ihre Werte möglichst konstant zu halten, um dann auf der Laufstrecke nicht einzubrechen. Immer beliebter wird übrigens auch der Vergleich untereinander, beispielsweise auf Plattformen wie strava.com. Da kann man sich nicht nur mit seinen Freunden austauschen und vergleichen, sondern auch bei vielen Profis sehen, was sie wo und unter welchen Bedingungen geleistet haben – auch wenn solche Fantasiezahlen für die eigene Leistung nicht immer aufbauend sind.

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