Was bringt ein kurzer Maximaltest?

Standortbestimmung vor einem Trainingslager

In Trainingslagern wird von einigen Anbietern zu Beginn ein kurzer All-Out-Belastungstest über nur wenige Minuten gemacht. Wie funktioniert das und was erkennt man mit einem solchen Test?

Copyright: Gerhard Guerlich-Reichel

Vor einem grösseren Event – sei dies ein Trainingscamp oder ein grosses Rennen – ist es gut, seine aktuellen Leistungsdaten zu kennen. So kann man die kommende Belastung planen und läuft weniger Gefahr, sich bei einem langen Wettkampf zu früh zu verausgaben oder sich in einem Trainingslager bereits in den ersten Tagen «abzuschiessen», weil man sich der falschen Gruppe angeschlossen hat.

Zur exakten Bestimmung möglichst vieler Parameter ist eine umfassende und standardisierte Leistungsdiagnostik am aufschlussreichsten, in der Praxis reichen aber auch kurze Maximaltests, um das aktuelle Leistungsvermögen aufzuzeigen. So kann man mit wenig Material- und Zeitaufwand die Trainingsgruppen leistungsgerecht einteilen und verhindert die Überforderung wenig erfahrener Teilnehmer. In einem Multisport-Trainingslager werden solche Tests meist als sogenannte «Critical Power Tests» auf dem Rad durchgeführt. Dabei wird über unterschiedliche Zeiträume maximal gefahren. Als Klassiker gelten «15 Sekunden Allout», «4 Minuten All-out» und «20 Minuten Allout». Aus diesen Werten kann man zahlreiche Schlüsse ziehen. Aus dem 15-Sekundentest die Laktatbildungsrate, aus dem 4-Minutentest die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit VO2max und aus dem 20-Minutentest die funktionelle Schwellenleistung (FTP) über 60 Minuten. Dank der Interpretation der Werte können die individuellen Wattwerte für die einzelnen Trainingsbereiche definiert werden (Grundlagentempo, Schwellentrainings, Intervall-Serien usw.), wodurch die Athleten mit ähnlichen Leistungswerten in möglichst einheitliche Gruppen eingeteilt werden können. Voraussetzung dazu ist die Verwendung eines Wattmessgeräts.

Zu beachten ist, dass die Umsetzung solcher Maximaltests nicht ganz einfach ist und die Motivation und Verausgabungsbereitschaft hoch sein muss. Beim 4-Minutentest beispielsweise muss dieser maximal und ohne ein Einteilen der Kräfte angegangen und bis zum Schluss mit maximaler Anstrengung durchgezogen werden. Nur so fällt die Leistung nach rund 90 Sekunden ab und stabilisiert sich auf einem Plateau. Und genau dieses Plateau zu erkennen, ist das Ziel des Tests. Durch die maximalen Vorgaben ist es in den meisten Fällen am einfachsten, die Tests auf der Rolle durchzuführen. Wichtig dabei ist, dass die Rolle über eine direkte Kraftübertragung und über einen progressiven Widerstand verfügt, der mit steigender Geschwindigkeit automatisch erhöht wird. Die Tests können auch auf der Strasse durchgeführt werden, da ist es wichtig, eine möglichst gerade, flache und verkehrsarme Strasse zu finden, die man ohne Stopps befahren kann.

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