Was Ausdauersportler zu Erkältung und Grippe wissen sollten

So zeigen Sie den Viren die kalte Schulter

Infektiologe Christian Ruef, Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie an der Klinik Hirslanden in Zürich, nimmt Stellung zu elf Behauptungen im Zusammenhang mit Sporttreiben bei Erkältung oder Grippe.

Prof. Dr. med. Christian Ruef, Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie / Klinik Hirslanden in Zürich (Copyright: ZVG)

1. Eine Grippe ist eine ausgewachsene Erkältung
Falsch:
Erkältung und Grippe sind zwei unterschiedliche Infektionsarten. Genau genommen ist eine Erkältung eine Atemwegsinfektion entweder der oberen oder unteren Atemwege. Bei einer Grippe jedoch sprechen wir von einer systemischen Erkrankung, die zwar ebenfalls durch die Atemwege übertragen wird, aber danach im ganzen Körper zirkuliert und ihn gesamtheitlich schwächt. Eine Erkältung ist meist eine Infektion durch Rhinoviren, die vor allem die Nase betreffen und einen Schnupfen auslösen und respiratorischen Viren, die vor allem die unteren Atemwege betreffen und für Halsschmerzen und gereizte Atemwege sorgen. Es gibt rund 200 unterschiedliche Virenarten, mit denen man sich anstecken kann. Eine Grippe hingegen ist eine Infektion mit dem Influenza-Virus.

2. Die Symptome einer Erkältung und einer Grippe sind dieselben
Falsch: Die Grippe unterscheidet sich vor allem durch die Heftigkeit der Symptome deutlich von einer Erkältung. Der körperliche Zustand wechselt bei einer Grippe innert 24 Stunden von körperlich fit bis bettlägerig. Man ist auf einen Schlag so stark reduziert, dass man nicht einmal mehr ein Buch lesen kann. Jede körperliche Bewegung wird zur riesigen Anstrengung und man will am liebsten nur schlafen.

3. Nur eine Grippe kann Fieber verursachen
Falsch: Auch eine Erkältung kann für Fieber sorgen, das ist individuell unterschiedlich und sagt noch nichts über die Infektion aus. Eine Grippe macht einen in der Regel aber schon kränker.

4. Sport bei einer Erkältung ist kein Problem
Richtig: Ein sportliches Training bei einer Erkältung ist möglich und ungefährlich, wenn auch im reduzierten Mass. Man sollte die Atemwege schonen und nicht noch zusätzlich durch intensives Training belasten, sondern das Training anpassen, nur locker und nicht allzu lange unterwegs sein oder auf andere Trainingsformen wie beispielsweise Krafttraining umstellen.

5. Sport bei einer Grippe ist verboten
Bedingt Richtig: Leichte Bewegung wäre nicht unbedingt gefährlich, wenn man überhaupt rausgehen mag. Normalerweise will man bei einer Grippe aber nicht freiwillig trainieren, da fühlt man sich automatisch zu schwach dazu. Gefährlich werden kann ein Training dann, wenn sich ein Sportler körperlich überanstrengt und gleichzeitig von Grippeviren geschwächt ist, dann können die Viren auch das Herz angreifen, was im Extremfall zu einer Herzmuskelentzündung führen kann. Bei einer Grippe sollte man nach Abklingen der Symptome so viele Tage auf ein richtiges Training verzichten, wie man krank war.

6. Medikamente verkürzen sowohl eine Erkältung wie auch eine Grippe
Falsch: Eine Erkältung variiert je nach Schwere der Erkältung von wenigen Tagen bis gut eine Woche. Bei der Grippe besagt ein geflügeltes Wort, dass sie ohne Medikamente und Hausrezepte mindestens eine Woche dauert – und mit einer Behandlung sieben Tage… Man kann eine Grippe also nicht verkürzen, sondern höchstens die Symptome lindern.

7. Medikamente und Hausrezepte bringen Erleichterung
Richtig: Bei starken Kopf- oder Halsschmerzen oder Fieber lindern Medikamente oder auch althergebrachte Hausrezepte die jeweiligen Beschwerden durchaus. Die Dauer der Erkrankung bleibt aber gleich. Bei einer Grippe sollte man auf jeden Fall Zuhause bleiben und viel schlafen.

8. Viren lauern überall
Falsch: Auf einem Berggipfel oder auf der Langlaufloipe werden Sie keine Viren finden. Viren sind überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum versammelt sind und wo es warm ist. Die Übertragung erfolgt entweder durch Tröpfchen in der Luft, die über die Atemwege durch Husten, Niesen oder Sprechen nach aussen gelangen oder durch Kontakt mit den Viren über kontaminierte Gegenstände wie beispielsweise Türgriffe oder Tatstaturen.

9. Vor einer Grippe kann man sich nicht schützen
Bedingt Richtig: Die Grippe-Impfung bietet durchaus einen gewissen Schutz. Junge Sportler gehören allerdings nicht zur Gruppe, bei denen man eine Impfung empfiehlt. Falsch ist eine Impfung aber sicher nicht. Kandidaten für eine Impfung sind eher Spitzensportler, die sich auf ein spezielles Ereignis vorbereiten und unbedingt vermeiden wollen, ausgerechnet am Tag X krank zu werden. Mit Sicherheit verhindern kann man eine Grippe-Ansteckung nicht. Aber allgemein präventiv als Schutz vor einer Virenerkrankung wirkt ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen und vitaminreichen Ernährung, ein genügendes Mass an Bewegung und regelmässiges und gründliches Händewaschen. Die wirkungsvollste Massnahme ist ein „Social Distancing“, also ein Vermeiden von Menschenansammlungen in überfüllten Räumen.

10. Kälte und Nässe provozieren eine Viruserkrankung
Bedingt Richtig: Grundsätzlich hat eine Erkältung mit Kälte und Nässe nichts zu tun. Eine lange oder intensive sportliche Belastung in der Kälte kann den Körper aber schwächen und er ist danach anfälliger, wenn er mit Viren in Kontakt kommt. Intensives Training bei trockener Luft trocknet die Schleimhaute aus, wodurch diese eher von Viren besiedelt werden können. Wer also beispielsweise eine lange Jogging- oder Langlauftour unternimmt von A nach B und dann verschwitzt in einen überfüllten Zug steigt, erhöht das Risiko einer Infektion. Wenn man sich nach dem Sport aber rasch umzieht, genügend trinkt und Massenansammlungen meidet, besteht wenig Gefahr.

11. Im Hallenbad ist die Infektionsgefahr gross
Falsch: Im Hallenbad ist die Gefahr einer Infektion weniger gross als im Theater oder in einem überfüllten Restaurant. Im Hallenbad befinden sich viel weniger Personen pro Kubikmeter Luft, was die Gefahr klein hält, weil eine Tröpfcheninfektion nur bei geringer Distanz zum Überträger erfolgt – man spricht etwa von einem Meter als maximal mögliche Übertragungsdistanz. Zudem können die Viren im Chlorwasser nicht überleben.

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