Veloparadies Costa Blanca

Im Schatten des Trubels

Costa Blanca: Das Hinterland der Küstenorte zwischen Denia im Norden und Pilar de la Horadada im Süden bietet attraktive Velotouren.

Grafik: FIT for LIFE
Copyright: ZVG
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Der Name Costa Blanca hat keine spannenden Wurzeln in der Vergangenheit, wurde er in den 1950er-Jahren doch künstlich von Tourismusmanagern geschaffen. Die für die Region so typischen, weissen Häuser und die weissen Strände haben die Namensfindung leicht gemacht. Tourismus spielt in der Region, neben dem Fischfang, die unschlagbare Nummer 1. Und wenn schon Tourismus, dann mit aller Kraft! Zahllose Hotels, 24-Stunden-Vergnügen und ein brodelndes Nachtleben beweisen dies in Benidorm. In den 70er-Jahren noch ein verschlafenes Fischerdorf, ist es heute die touristische Hochburg an der Costa Blanca. Der Trubel ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, vor allem nicht der Wunschtraum naturliebender Velofahrer.

Doch für sie geht es auch anders: Zwischen mit Pinien bewachsenen Bergformationen erstrecken sich weite Täler mit Mandelbaum- und Olivenfeldern, Orangen- und Mandarinenplantagen. Alte Steinterrassen, die oft bis zu den Berghöhen hinaufreichen, prägen das Landschaftsbild. Die Luft ist durch die nahegelegenen Salzseen und Naturschutzgebiete so rein, dass die WHO der Region eines der gesündesten Heilklimata der Welt bescheinigt. Schlechtes Regenwetter ist an der Costa Blanca Mangelware. Wer zum Rennradfahren hierherkommt, hat über viele Wochen im Jahr Garantie auf trockenes, sonniges Wetter. Das Klima bleibt auch in den Wintermonaten mild und ausgeglichen. Warme 16 bis 18 Grad Durchschnittstemperatur, und auch in der heissesten Zeit, im Juli und August, zeigt das Thermometer selten mehr als 34 Grad an. Das ideale Rennradrevier für vier Jahreszeiten im Sattel. Die besten Monate zum Rennradfahren sind von Februar bis ins Frühjahr und der Herbst. Dann liegen die Temperaturen bei 25 Grad und das Wasser ist angenehm warm. Genau richtig für eine Kombination aus Rad- und Badeurlaub.

Sanfte Hügel, enge Täler
Burkhard Jost «Burki» ist seit 12 Jahren Bikeguide in der Marina Alta. Jeder Schleichweg ist ihm hier bekannt, viele der Touren hat er selbst ausgearbeitet. Eine schöne Tour, um einen ersten Eindruck von der Region zu bekommen, ist die Jalón-Tour. Die knapp 760 Höhenmeter sind recht gleichmässig und sanft über den Streckenverlauf verteilt. Belebte Strandabschnitte und nahezu autofreie Strassen durch verschlafene Ortschaften wechseln einander ab. Die Landschaft beeindruckt mit sanften Hügeln, weiten Ebenen und engen Tälern, in denen sich die zumeist ausgetrockneten Flussläufe Richtung Küste schlängeln. Auf halber Strecke bietet sich das kleine 3000-Einwohner-Dorf Jalón für eine Pause an. Während sich der grösste Teil des Dorfes im Gebirge ausbreitet, befindet sich das Velodestination Costa Blanca lebhafte Zentrum mitten im Tal. Jeden Samstagmorgen kommen viele Besucher nach Jalón, um durch den Flohmarkt am Fluss zu bummeln. Dieser Markt zählt zu den bekanntesten Antiquitätenmärkten der Costa Blanca. Eine rot markierte, als mittelschwere Route eingestufte Tour führt nach Moraira. Bis vor wenigen Jahren galt Moraira noch als kleines, unbedeutendes Fischerdörfchen, heute sind aber praktisch alle Fischkutter gegen noble Luxusjachten ausgetauscht worden. Dennoch findet im Hafen beinahe täglich eine Fischversteigerung statt und erinnert an die alten Traditionen. Über die Passhöhe der Serra de Bernia führt eine schöne Tour mit einem sanften, langgezogenen Aufstieg und einer steilen Abfahrt. Ein abwechslungsreicher Mix aus Berglandschaft und genialen Ausblicken auf die Küste und die Hafenstadt Calpe zwischen den Bergen Morro de Toix und Bernia. Calpe beherbergt das Wahrzeichen der Costa Blanca, den 330 Meter hohen Peñón de Ifach, die höchste Felswand des Mittelmeerraumes, die sich fast einen Kilometer ins Meer erstreckt.

Highlight Marina Prueba
Ein Muss in der Region ist die Marina Alta Prueba, eine neue Rundfahrt durch das mediterrane Hinterland von La Marina, vorbei an weiten Feldern aus Weinreben, blühenden Mandelbäumen, grossen Agaven, Feigenkakte en und durch verträumte Dörfer. Von ganz oben in den Bergen hat man einen fantastischen Ausblick zum Meer. Wer möchte, kann die Runde auch auf Zeit fahren. Hauptstart- und Zielstation sind Burkis Radsporthotel, Los Caballos, in Els Poblets. Fünf weitere Kontrollpunkte, an denen die Zwischenzeiten erfasst und die Einhaltung der Strecke überwacht werden, sind über den Verlauf der Rundfahrt verteilt. Die 143 Kilometer und 1830 Höhenmeter gilt es, in der vorgegebenen Zeit von maximal sieben Stunden zu bewältigen. Neben einem umfangreichen Tourenangebot bereichern auch einige gut organisierte Jedermannrennen und das ganzjährige Stoppomat-Bergzeitfahren am beliebtesten Pass der Marina Alta, dem Coll de Rates, die Radsportregion. 6,8 Kilometer und 355 Höhenmeter gilt es in Bestzeit zu überwinden. Sofern es die sportliche Herausforderung noch erlaubt, sollte man Zeit für einen Blick in die Landschaft haben. Vom Gipfel sieht man bis nach Ibiza.

Unterkunft für Velofahrer
Sowohl das Hotel Los Caballos wie auch das Sportresort Oliva Nova Golf verfügen über die geeignete Infrastruktur für Velofahrer. Fünf geführte Touren in mehreren Leistungsgruppen samt Servicefahrzeug im Frühjahr, eine Bikestation mit Werkstatt und Ersatzteilservice für kleinere Reparaturen, das Bergamont-Testcenter mit aktuellen Rennrad-Modellen sowie GPS-Geräte im Verleih gehören zu den Serviceleistungen der Rennrad-Hotels.