Übertraining

Fehlende Ruhepausen mit fatalen Konsequenzen

Die grosse Kunst im modernen Leistungssport besteht darin, sich optimal zu erholen. Sonst droht ein Übertraining mit meist schwerwiegenden Konsequenzen.

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Ein Übertrainingssyndrom äussert sich in einem Abfall der sportlichen Leistungsfähigkeit trotz gleich bleibender oder sogar intensivierter Trainingsbelastungen. Der Leistungsknick ist auch nach längeren Regenerationszeiten noch nachweisbar. Bei einer kürzeren Dauer man eher von einem Überlastungszustand. Die übertrainierten Sportler fühlen sich ausserdem oft müde, schlafen schlecht, klagen bereits nach kurzen Trainingseinheiten über schwere Beine und stecken allgemein in einem Stimmungstief.

Ursachen und Einflussfaktoren
Die Ursachen für ein Übertrainingssyndrom sind ein zu viel an sportspezifischen Stressfaktoren und ein zu wenig an Erholung. Wobei die fehlenden Ruhephasen anscheinend schwerer wiegen, als zu viel und zu hartes Training. Korrekt ist es deshalb von Untererholung und nicht von Übertraining zu sprechen. Private wie berufliche Probleme können die Wahrscheinlichkeit, dass die Funktionsstörung auftritt, erhöhen. Meist ist die Kombination aus beruflichem und sportlichem Stress der Grund, weshalb ambitionierte Hobbysportler trotz vieler Trainingsstunden langsamer werden.

Wer keine Zeit für die Erholung einplant, betreibt Raubbau am eigenen Körper. Denn während der Regeneration werden die Strukturen, die bei den sportlichen Strapazen beansprucht und teils geschädigt wurden, wieder aufgebaut. So geht es beispielsweise in den Ruhephasen darum, das Flüssigkeitsgleichgewicht wieder herzustellen, die Energiedepots aufzufüllen und die Muskelzellmembranen sowie das Kollagengewebe zu reparieren. Eine der wichtigsten Regenerationsprozesse ist die so genannte Superkompensation. Währenddessen passt sich die Infrastruktur der Beanspruchung an: In den Muskeln vermehren sich etwa die Mitochondrien und neue Blutgefässe spriessen, so dass künftig mehr Energie umgesetzt und länger oder härter gearbeitet werden kann. Ein Trainingseffekt stellt sich somit nur ein, wenn sich Belastungsreize und Erholungsprozesse abwechseln.

An einem Übertrainingssyndrom sind viele verschiedene Faktoren beteiligt. Konkret ist bekannt, dass übertrainierte Sportler bei intensiven Belastungen weniger von bestimmten Hormonen, wie beispielsweise Adrenalin, ausschütten als zu fitten Zeiten. Adrenalin stimuliert den Stoffwechsel, lässt das Herz schneller schlagen und erweitert die Gefässe in der Muskulatur. Wahrscheinlich ist bei den gebeutelten Athleten wegen der reduzierten Adrenalinfreisetzung die Herzfrequenz beim Belastungstest um wenige Schläge reduziert. In Ruhe ist die Herzfrequenz entgegen der verbreiteten Meinung unverändert. Medizinisch messbare Veränderungen gehen mit der Funktionsstörung ansonsten fast nicht einher. Und so ist es extrem schwierig ein Übertrainingssyndrom eindeutig zu diagnostizieren.

Was tun bei Übertrainingssyndrom?
Wenn die Diagnose Übertrainingssyndrom fest steht, hilft allein das Ausschalten der Ursachen: Trainingsintensität und -umfang müssen drastisch reduziert, meist muss sogar pausiert werden. Je nach Situation kann es zusätzlich sinnvoll sein, an der privaten oder beruflichen Situation etwas zu ändern. Im Einzelfall können mehrere Monate vergehen, bis man wieder voll leistungsfähig ist.

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