Triathlon-Coach Brett Sutton

Ein Mann mit bewegter Vergangenheit

Die Schweizer Triathletinnen Daniela Ryf und Nicola Spirig werden vom australischen Trainer Brett Sutton betreut. Der 54-Jährige macht vieles anders als die meisten «Experten».

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Der Australier Brett Sutton blickt auf eine äusserst bewegte Vergangenheit zurück. Durch seinen strengen und autoritären Vater, der als Schwimmcoach arbeitete, kam er schon früh mit dem Element Wasser in Kontakt, auch wenn er selbst kein talentierter Schwimmer war. Bereits mit 12 begann er, Schwimmunterricht zu geben, und als er 14-jährig von der Schule flog, setzte er vollends aufs Schwimmen, zuerst als Assistenz-Coach in Newcastle im Nordwesten Australiens. MIt 16 wurde Sutton bereits Head-Coach. Danach wandte er sich aber vom Schwimmen ab und dem Training von Rennhunden und Rennpferden zu. Und er begann, selber zu boxen. 1978 kehrte er zum Schwimmen zurück und trotz fehlender Diplome konnte er die australische Nationalmannschaft übernehmen. 1999 wurde Sutton wegen eines Vorfalls mit einer 14-jährigen Schwimmerin seines Teams in den 1980er-Jahren angeklagt. Er erhielt eine Bewährungsstrafe, worauf er seine australischen Trainerfunktionen abgeben musste. Seit 2000 lebt Brett Sutton mit seiner Schweizer Frau Fiona und seinen beiden Töchtern in Leysin.

Mit dem Triathlon-Coaching begann Sutton bereits 1990. Sowohl Sutton wie auch viele seiner Athleten wurden aufgrund seiner Vergangenheit und vor allem wegen seines Rufs als Schleifer in der Szene oft kritisiert und teilweise gemieden. Gleichzeitig war sein Wirken aus sportlicher Sicht enorm erfolgreich und viele Athleten kamen auf ihn zu mit dem Wunsch, sich von ihm trainieren zu lassen. Sutton hat in seiner Karriere über 20 australische Schwimmer an die Olympischen Spiele und die Commonwealth Games gebracht und im Triathlon errangen über 20 seiner Schützlinge Weltmeistertitel über die verschiedensten Distanzen. 2006 gründete Sutton zusammen mit Alex Bok das Triathlon-Team TBB mit 18 Spitzensportlern und führte zahlreiche Athleten zu grossen Erfolgen, darunter die mehrmalige Ironman-Hawaii-Siegerin Chrissie Wellington, die Schweizerin Caroline Steffen oder die Olympiasiegerinnen Emma Snowsill und Nicola Spirig. Der charismatische Brett Sutton konzentriert sich in seiner Arbeit auf die Individualität und mentale Stärke seiner Athleten und den perfekten Ausgleich zwischen Training und Erholung. Seine Präsenz und sein Engagement sind legendär. Moderne Leistungsdiagnostik hingegen interessiert ihn kaum. In jüngster Vergangenheit kritisierte Sutton zunehmend die Entwicklung auf Ironman-Ebene und das Geschäftsgebaren der WTC als Ausrichterin der Ironman-Events. Zuerst wollte er als Gegenreaktion seine Ideen mit dem Team TBB umsetzen, fand aber zu wenig Unterstützung und zog sich deshalb auf Ende 2013 aus dem Team und überhaupt aus dem Ironman-Coaching zurück.

Nun möchte Sutton mit seinem DOVE-Konzept (vgl. Interview Brett Sutton in FfL 1-2/2014) eine neue Triathlon-Bewegung schaffen ohne kommerzielle Ziele. Zudem konzentriert er sich aktuell auf das Coaching von Nicola Spirig und Daniela Ryf sowie einzelner Nachwuchsathleten. Dem charismatischen Australier haftet der Ruf eines Schleifers an, was allerdings weder Nicola Spirig noch Daniela Ryf bestätigen. Sie zeigen sich im Gegenteil beeindruckt durch seine Menschenkenntnis und Intuition, mit denen er seine Athleten «lesen» und sie zu individuellen Höchstleistungen treiben kann.