Taktgeber des Lebens

Wunderwerk Herz

Das Herz ist das Organ, um das sich auch im Sport alles dreht.

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Das Herz ist der wichtigste Muskel im menschlichen Körper und der Motor, der wortwörtlich alles am Laufen hält. Das Herz arbeitet immer und kennt weder Ferien noch Pausen, selbst nachts, wenn wir schlafen, schlägt es ohne Unterbruch.

Die Zahlen rund um den menschlichen Herzschlag tönen unglaublich. Nehmen wir mal an, Sie werden heute als Schweizerin geboren und weisen entsprechend eine Lebenserwartung von 85,4 Jahren auf. Und nehmen wir weiter an, dass Sie Ihr Leben weder gross sportlich noch total unsportlich absolvieren und so mit einem durchschnittlichen Ruhepuls von rund 70 Schlägen pro Minute unterwegs sind, was durchaus realistisch ist. Dann würde Ihr Herz sage und schreibe rund 100000 Mal pro Tag schlagen, 3 Millionen Mal pro Monat und über 3 Milliarden Mal in Ihrem ganzen Leben.

Wir können das auch so durchspielen, dass Sie beim Aufwachsen als Kind trotz der Gewohnheiten der zunehmend unbewegten westlichen Alltagswelt Bewegung schätzen und lieben lernen und folglich Ihr ganzes Leben lang sportlich aktiv unterwegs sind. Dann können Sie mit einem durchschnittlichen Ruhepuls von 50 Schlägen pro Minute rechnen, was auf ihre 85,4 Jahre Lebenserwartung insgesamt 2,2 Milliarden Herzschläge ergibt.

Auch bei Ihnen als Sportlerin gibt das Herz den Takt des Lebens vor, aber die Differenz ist eindrücklich. Im Vergleich zum unbewegten Leben schlägt Ihr Sportlerherz jeden Tag 29000 Mal und in Ihrem Dasein insgesamt etwa 900 Millionen Mal weniger. Zwar ist es nicht so, dass ein Menschenleben durch eine vorbestimmte Anzahl Herzschläge definiert ist, aber gleichzeitig ist es wenig erstaunlich, dass ein Herz, das im Ruhezustand weniger schlagen muss, deutlich ökonomischer arbeitet, leistungsfähiger ist und schlussendlich auch weniger strapaziert wird als ein untrainiertes Herz.

Der Wundermuskel
Das Herz ist ein wahres Wunderwerk, ein filigranes Stück Technik von grösster Präzision. Die zentrale Aufgabe des Herzens besteht darin, den Körper und all seine Organe ein Leben lang in jeder Situation ausreichend mit Blut zu versorgen. Der etwa faustgrosse Hohlmuskel unterteilt sich in eine linke Herzhälfte, die das Blut in den grossen Kreislauf (Körperkreislauf) pumpt, und eine rechte Herzhälfte für den kleinen Kreislauf (Lungenkreislauf). Jede Herzhälfte besteht aus einem Vorhof und der eigentlichen Herzkammer. Ein System von Klappen bewirkt, dass Vorhof und Kammer sowie die zu- und wegführenden Gefässe gegeneinander verschlossen werden können.

Der Herzschlag entsteht über ein kompliziertes Erregungsleitungssystem. Der elektrische Impuls, der zur Anspannung des Herzmuskels nötig ist, wird im Herzen selbst, im sogenannten Sinusknoten im rechten Vorhof, erzeugt. Vom Sinusknoten aus breiten sich die elektrischen Impulse entlang der Vorhöfe und Kammern bis zur Herzspitze aus. Die Zahl der Herzschläge pro Minute ist von zahlreichen inneren wie äusseren Faktoren abhängig. Grundsätzlich gilt: Ist der Mensch in Bewegung, schlägt das Herz schneller. Befindet sich der Körper in Ruhe, zum Beispiel im Schlaf, ist der Herzrhythmus langsamer.

Der Herzschlag umfasst zwei verschiedene Phasen, die Systole und die Diastole. Während der Diastole ist das Herz entspannt, das Blut wird aus Körper und Lunge angesaugt und strömt in das Herz ein – sauerstoffarmes Blut aus dem Körper füllt die rechte Herzkammer, sauerstoffreiches Blut aus der Lunge die linke. Sobald beide Herzkammern gefüllt sind, endet die Diastole. In der Systole zieht sich die Herzmuskulatur zusammen und pumpt sauerstoffreiches Blut aus dem linken Herzen in den Körper, während sauerstoffarmes Blut aus dem rechten Herzen in die Lunge gelangt. Sind die Kammern geleert, beginnt die nächste Diastole.

Das Herz reagiert auf Sport
Bewegung und sportliche Anstrengung bewirken im Herzen eine Reihe von positiven Anpassungsreaktionen, welche die gesamte Sauerstoffversorgung des Körpers ökonomisieren und effizienter machen. Sport schützt zudem die Gefässe vor Arterienverkalkung, da durch körperliche Betätigung die Blutfettwerte positiv beeinflusst werden. Neben den direkten Auswirkungen auf das Herz beugt regelmässige sportliche Aktivität zusätzlich der Entstehung von Übergewicht vor und verbessert das Blutdruckverhalten – Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Dass ein Sportlerherz viel grösser ist als das Herz eines Nichtsportlers, ist allerdings ein Mythos. Kardiologe Max Hintermann hat dazu zahlreiche Studien durchgeführt, die zeigen, dass Sportlerherzen zwar durchaus anwachsen können, der Grössenzuwachs aber lange Zeit überschätzt wurde und sogenannte «Elefantenherzen» durch intensives Training nicht existieren. Max Hintermann dazu: «Bei der Grössenzunahme geht es um die linke Herzkammer, denn 90 bis 95 Prozent der Leistung kommen von dort. Sportler haben zwar statistisch betrachtet eine etwas grössere linke Herzkammer, aber die Grösse bewegt sich immer noch im allgemein gültigen Range, einfach eher am oberen Rand.»
 


Auch der Herzmuskel kann trainiert werden
Was macht Sport mit dem Herzen?

• Bei regelmässiger Bewegung verbessert sich die Ökonomie des Herzens. Das Herz eines Sportlers pumpt bei starker körperlicher Anstrengung bis zu 35 Liter pro Minute durch den Körper. Zum Vergleich: Untrainierte schaffen maximal 20 Liter.

• Sportler können bei körperlicher Belastung bis gut 5 Liter Sauerstoff aufnehmen pro Minute. Nichtsportler schaffen mit 2,8 Litern nur gut die Hälfte.

• Sportler nehmen pro Herzschlag mehr Sauerstoff auf, wodurch das Sportlerherz in Ruhe weit weniger schlagen muss als das Herz von Untrainierten. Bei Ausdauersportlern schlägt das Herz in Ruhe nur rund 40 bis 50 Mal pro Minute, bei Nichtsportlern pocht es mit rund 70 Mal fast doppelt so schnell.


 

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