Tätowierungen im Ausdauersport

Tattoos beeinträchtigen beim Sport das Schwitzen

Tätowierte Körperstellen schwitzen bis zu 50 Prozent weniger. Was bedeutet das für Ausdauersportler?

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Ein erheblicher Prozentsatz der Bevölkerung ist tätowiert und es scheint, als seien Sportler - vor allem Fussballer, aber auch Triathleten oder Schwimmer - besonders angetan von dieser Art von Körperschmuck. Gleichzeitig finden sich zahlreiche Warnungen von Experten, welche die toxischen Gefahren betonen und davon abraten, sich unüberlegt ein Tattoo stechen zu lassen. Die Argumente sollten vor allem Sportler aufhorchen lassen: Leistungseinbussen in der ersten Zeit nach der Tätowierung, giftige Stoffe in der Blutbahn, ein geschwächtes Immunsystem und: eine verminderte Fähigkeit zu Schwitzen. Gelten viele der potenziellen Risiken für alle Menschen mit Tätowierungen, spielt der Einfluss auf das Schwitzen und den Temperaturhaushalt speziell für Sportler eine Rolle. Denn wenn sich ein Mensch intensiv bewegt, steigt die Körpertemperatur. Um dies auszugleichen, beginnen die Schweissdrüsen zu arbeiten, und der produzierte Schweiss kühlt den Körper wieder ab. Je höher die Intensität, desto mehr Schweiss (und Energie) muss für die Kühlung bereitgestellt werden. Bei intensiver Belastung wie Lauf- oder Radsport in warmer Umgebung gehen bis zu drei Liter Schweiss pro Stunde verloren. Könnte ein Mensch beim Sport nicht schwitzen, würde der Körper überhitzen und kollabieren.

Weniger Schweiss, mehr Salz
Doch funktioniert das Schwitzen bei Hautoberflächen, auf denen grossflächige Tattoos prangen, noch gleich wie ohne? Eine amerikanische Studie behauptet das Gegenteil. Der Physiologe Maurice Luetkemeier vom Alma College in Michigan hat eine Untersuchung veröffentlicht mit dem Titel «Tattoos Cause You to Sweat Less». Die Hauptaussage der Studie ist, dass tätowierte Hautflächen weniger schwitzen und dadurch die Temperaturregulation erschwert wird. Luetkemeier und zwei Studenten haben Personen untersucht, die nur auf einer Körperhälfte tätowiert sind. Mit einem Wirkstoff lösten die Forscher bei den Teilnehmern das Schwitzen aus. Anschliessend wurden die beiden Körperhälften untersucht und verglichen. Das Resultat: An den tätowierten Hautstellen schwitzten die Probanden etwa 50 Prozent weniger als an den «kahlen» Stellen. Ausserdem war der Schweiss an den tätowierten Stellen deutlich salziger. Die Aussagekraft der Studie wird allerdings stark relativiert durch den Umstand, dass nur gerade zehn Männer daran teilgenommen haben.

Narben: ja oder nein?
Jürg Hafner, Dermatologe an der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich, bezweifelt die Resultate nicht nur deshalb. «Wenn im Areal einer Tätowierung eine relevante Narbe entsteht, dann schwitzt man dort weniger. Aber normalerweise vernarbt die Haut nicht, wenn man tätowiert wird», begründet er. Hafner geht daher davon aus, dass die tätowierte Haut «genau gleich stark schwitzt wie die untätowierte». Anders argumentiert der Deutsche Medizinphysiker Wolfgang Bäumler, der sich seit 20 Jahren mit dem Thema Tätowierungen beschäftigt. Er könne sich durchaus vorstellen, dass die Resultate der Studie zutreffen, sagt er. «Beim Tätowieren werden mit dünnen Nadeln extrem viele kleine Löcher in die Haut geschlagen. Die Haut muss danach wieder verheilen und dabei können Narben entstehen. Diese sind zwar häufig nicht sichtbar, weil die Farbe sie verdeckt, aber wer mit dem Finger über die Haut fährt, kann sie manchmal sogar fühlen. Viele denken, dass diese Narben erst beim Weglasern entstehen, aber sie sind schon vorher da.» Eine narbige Hautveränderung entstehe beim Tätowieren praktisch immer oder zumindest verändere sich die Haut stark, so Wolfgang Bäumler. Deshalb sei es für ihn nachvollziehbar, dass dies zu geringerem Schwitzen führen könne. Bäumler gibt zudem zu bedenken, dass die Talg- und Schweissdrüsen von den Nadeln des Tätowierers getroffen und geschädigt werden könnten und dadurch die Anzahl Schweissdrüsen abnehmen könne. «Oder sie sind zumindest in ihrer Funktion beeinträchtigt.»

Leistungsminderung nicht klar
Und wie sieht es in der Praxis aus bei tätowierten Sportlern, vor allem solchen, die grossflächig tätowiert sind? Arno Schmidt-Trucksäss, Sportarzt an der Universität Basel, sieht kein entsprechendes Problem. «Schauen Sie sich die tätowierten Fussballspieler an - von Leistungsminderung habe ich noch nichts gehört», sagt er. Er räumt allerdings ein, dass man vielleicht genau testen müsste, ob es bestimmte Situationen gebe, in denen tätowierte Sportler ihren Wärmeüberschuss nicht loswerden. Aber das sei reine Hypothese und bloss «Vermutungen über Vermutungen». Weiter argumentiert Schmidt-Trucksäss, dass die anderen Körperstellen, also die untätowierten, kompensatorisch mehr Schweiss abgeben könnten. Sein Fazit: Über das ganze Phänomen sei allgemein viel zu wenig bekannt.

Zu wenig erforscht
Auch Hanspeter Betschart, Sportarzt bei Medbase Abtwil, ist vorsichtig mit seiner Formulierung: «Wenn die Vermutung stimmt», sagt er einleitend, «könnte dies je nach Grösse des Tattoos tatsächlich einen negativen Einfluss auf die optimale Thermoregulierung haben.» Und dies wiederum könne zu einer Erhöhung der Körpertemperatur führen und so leistungseinschränkend sein - im schlimmsten Fall sogar gefährlich, wenn es zu Kreislaufproblemen oder gar einem Hitzschlag kommt. Auf jeden Fall gebe es durch die geringere Schweissproduktion keinen Vorteil, aber allenfalls viele Nachteile. Vor allem an jenen Hautstellen, an denen man grundsätzlich viel schwitze. Würde, könnte, allenfalls: Die Thematik Tätowierungen & Schwitzen ist noch viel zu wenig erforscht, als dass man das Einzelergebnis einer Studie in einen eindeutigen Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit von Sportlern bringen könnte. Daher ein Aufruf: Wenn Sie als FIT for LIFE-Leser oder -Leserin eigene Erfahrungen zum Thema gemacht haben: Lassen Sie es uns bitte wissen unter infoWe do not like spam..@.. so please: No spamming!fitforlifeWe do not like spam..... so please: No spamming!ch!

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