Sekundäre Pflanzenstoffe für Sportler

Fünf am Tag gilt mehr denn je

Eine clevere Essensweise beinhaltet, auch im Setting des Sports, die Wahl einer anständigen Menge an pflanzlichen Nahrungsmitteln. Was muss beachtet werden?

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Als sekundäre Pflanzenstoffe bezeichnet man Stoffe, die für das normale Pflanzenwachstum nicht zwingend erforderlich, aber alles andere als wirkungslos sind. Sie sind im Gegenteil für Pflanze und auch den Menschen von grosser Bedeutung. Pflanzen wurden früher in der Ernährung hauptsächlich als Lieferanten von gut 30 bis 40 verschiedenen Stoffen betrachtet, insbesondere den Vitaminen, Mineralstoffen, Nahrungsfasern und der Stärke. Dieses Bild hat sich radikal verändert. Neben den genannten, primären Pflanzenstoffen enthält jede Pflanze viele andere Stoffe, die insgesamt als sekundäre Pflanzenstoffe bezeichnet werden. Einzelne Pflanzen können bis zu mehrere Tausend dieser Stoffe enthalten, die bis zu 10 Prozent des Trockengewichts der Pflanze ausmachen. Heute kennt man bereits über 50 000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, die man zu Gruppen wie die Flavonoide, Terpene oder Glucosinolate zusammenfasst.(1)

Wirksamkeit
Ursprünglich galten sie als Abfallprodukte des Pflanzenstoffwechsels. Sie sind aber wichtige Akteure der Schutzmechanismen einer Pflanze. Da Pflanzen bei einem Angriff – z. B. durch Insekten – nicht davonlaufen können, haben sie andere Mechanismen entwickelt, um Feinde abzuwehren: Stoffe mit gezielter Wirkung gegen Eindringlinge. Signalstoffe wie Geruchoder Farbstoffe gehören ebenfalls zu den sekundären Pflanzenstoffen. Alle diese Abwehr-, Schutz- und Signalstoffe sind zwar nicht für das Pflanzenwachstum nötig, sie helfen aber zweifelsfrei dem Überleben der Pflanze. Das Gleiche gilt für den Menschen. Die sekundären Pflanzenstoffe sind zwar nicht essenziell für den Stoffwechsel. Aber dennoch sind sie für ein gesundes Altern mit weniger von zentraler Bedeutung. In den letzten Jahren wuchs nämlich die Erkenntnis, dass für ein gesundes Leben ohne erhöhtes Krankheitsrisiko mehr erforderlich ist als nur die klassischen Nährstoffe (Wasser, Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe). Dafür braucht es auch die sekundären Pflanzenstoffe.

Antioxidativ und entzündungshemmend
Aufgrund der chemischen Beschaffenheit der sekundären Pflanzenstoffe sowie den vorliegenden Forschungen können viele dieser Stoffe als antioxidativ oder entzündungshemmend eingestuft werden.(2)  Sie entfalten somit ihre Wirkung quasi am Ursprung vieler Zivilisationskrankheiten: den unkontrollierten Oxidations- und Entzündungsreaktionen. So ist zum Beispiel heute klar, dass eine niederschwellige, chronische Entzündung im Körper ein gemeinsamer Nenner häufiger Erkrankungen ist (z. B. Herz-Kreislauf, Krebs oder Diabetes). Denn trotz ihres niederschwelligen Charakters erhöht eine solche Entzündung wegen ihres chronischen Vorhandenseins die Gefahr der Erkrankungen. Da viele sekundäre Pflanzenstoffe entzündungshemmend wirken, können sie das Krankheitsrisiko senken. Und es ist durchaus denkbar, dass sich die positiven Effekte der sekundären Pflanzenstoffe und von regelmässiger körperlicher Bewegung ergänzen. Daher sollten auch Sporttreibende auf eine ausreichende Zufuhr an sekundären Pflanzenstoffen achten. Sobald über die Wirkung bestimmter Stoffe diskutiert wird, tauchen entsprechende Supplemente auf dem Markt auf. Wegen der enormen Anzahl an sekundären Pflanzenstoffen wird es aber kaum je möglich sein, sie alle in ein Präparat zu zwängen. Supplemente mit einzelnen oder wenigen sekundären Pflanzenstoffen gibt es zwar, aber ihre Einnahme macht keinen Sinn. Denn wie bei allen anderen Nährstoffen müssen wir auch bei den sekundären Pflanzenstoffen von Wechselwirkungen untereinander ausgehen. Ihr Nutzen wird sich erst bei einer möglichst vielfältigen Einnahme einstellen, die nur durch eine breite Auswahl an pflanzlichen Lebensmitteln zu erzielen ist.

Praktische Tipps
Eine clevere Essensweise beinhaltet, auch im Setting des Sports, die Wahl einer anständigen Menge an pflanzlichen Nahrungsmitteln. Die klassische Empfehlung von fünf Portionen Gemüse und Früchten ist somit durchaus sinnvoll. Auch wenn sie nicht neu ist, erkennt man erst jetzt wesentliche Gründe ihrer positiven Auswirkung: die sekundären Pflanzenstoffe. Wer auf pflanzliche Nahrungsmittel verzichtet, erkrankt mit grosser Wahrscheinlichkeit früher an Zivilisationskrankheiten. Der Grund dafür sind aber kaum die tierischen Nahrungsmittel per se, sondern eben die fehlenden Stoffe aus den Pflanzen. Die einfache Empfehlung lautet daher: Täglich pflanzliche Lebensmittel einnehmen und idealerweise das Essen stets mit Kräutern und Gewürzen verfeinern. Denn auch Letztere enthalten bedeutende Mengen an sekundären Pflanzenstoffen.

Literatur
1. Wink M. Biochemistry of plant secondary metabolism. Ann.Plant Rev., 2010; 40: 1–19
2. Krzyzanowska J et al. Adv.Exp.Med.Biol., 2010; 698: 74–98

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