Artikel - FIT for LIFE Magazin

Sarah Hundert

Triathlon im Rollstuhl

Der Allgäu-Triathlon in Immenstadt (De) ist bereits für nicht handicapierte Sportler eine schwierige Aufgabe. Was die Rollstuhlsportlerin Sarah Hundert (29) speziell motivierte, die spektakuläre Herausforderung anzugehen.

Copyright: Erlinde Scheps

Mehrere Treppen, steile Rampen und Strassenabschnitte, die nicht asphaltiert sind – der Allgäu-Triathlon in Immenstadt (De) gehört weiss Gott nicht zu den behindertengerechten Veranstaltungen. Trotzdem hat sich Rollstuhlsportlerin Sarah Hundert (29) entschieden, bei diesem Wettkampf mitzumachen. Begleitet von ihrer Freundin Milena Bauch (26). «Die Veranstalter haben uns gewarnt vor den Hindernissen», erzählt Sarah, «als wir den Kurs dann aber inspiziert hatten, fanden wir, dass es möglich sein sollte.»

Und so trug Milena ihre Freundin Huckepack an den Schwimmstart, schwamm mit ihr 500 Meter im Alpsee, nahm sie wieder Huckepack in die Wechselzone, setzte Sarah ins Handbike und stieg selbst aufs Rennvelo, um die 27 km lange und mit 470 Höhenmetern gespickte Radstrecke in Angriff zu nehmen. Kein leichtes Unterfangen. «Einige Anstiege waren so steil, dass Milena vom Velo steigen und mich hinaufstossen musste.»

Dasselbe Spiel auf der abschliessenden Laufstrecke, die Sarah im Rollstuhl absolvierte. Milena begleitete sie laufend und griff bei schwierigen Passagen helfend ein. Beim Kuhsteig aber, einem steilen Offroad-Anstieg, kam selbst Milena an ihre Grenzen. Schaulustige und andere Wettkämpfer waren indes sofort zur Stelle und halfen mit (Bild). «Sie waren derart engagiert, dass ich bei der nächsten Kurve aus dem Rollstuhl in den Schlamm gefallen bin», erzählt Sarah lachend.

Gleichwohl kam sie locker innerhalb des Zeitlimits ins Ziel. Zuschauer, Veranstalter und Mitstreiter spendeten warmen Applaus, Milena und Sarah lächelten. Einen Triathlon ohne Gefühl vom Bauch her abwärts schafft man nicht alle Tage.

Und nun? Die nächste Challenge hat Sarah Hundert bereits vor Augen. Die 29-jährige Liechtensteinerin würde gerne wieder das tun, was ihr im Jahr 2010 zum Verhängnis wurde. Im Training zu den Schweizer Downhill-Meisterschaften stürzte die passionierte Mountainbikerin schwer, landete unglücklich auf dem Kopf und zog sich eine Kompressionsfraktur in der Wirbelsäule zu. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt.

Die Freude am Sport aber hat sie nie verloren. «Es gibt spezielle Rollstühle für spezielle Downhill-Strecken», sagt sie abenteuerlustig. Ihre Familie wisse aber noch nichts davon.

 

 

 

 
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