Ronnie Schildknecht über Sponsoring im Triathlon

«Persönliche Kontakte sind entscheidend!»

Um als Ironman-Profi in der Schweiz leben zu können, braucht es Können, Konstanz und Kontakte. Erst dann sind lukrative Sponsoring-Verträge möglich.

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«Echt, davon kann man ernsthaft leben?» Diese Reaktion kommt noch heute oft, wenn ich Menschen aus einem sportfremden Umfeld erzähle, dass ich von Beruf professioneller Triathlet bin. Natürlich war das ganz zu Beginn meiner Karriere – in meinen frühen Zwanzigern – auch noch nicht der Fall. Wer aber in seinen Enddreissigern als Profisportler finanziell noch nicht auf eigenen Beinen stehen kann, macht etwas verkehrt – oder hat den falschen Beruf. Deswegen löst diese Frage in mir auch immer etwas Unverständnis aus. Denn ich sorge ja nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie. Käme da nicht genug Geld zusammen, wäre es verantwortungslos, einfach «nur» der Freude wegen Triathlon zu machen. Und früher oder später wäre es finanziell auch unmöglich. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich sehr gut vom Triathlon leben kann und deutlich mehr verdiene, als wenn ich einem durchschnittlichen Bürojob nachgehen würde. Der Löwenanteil meines Einkommens fliesst über Sponsoring in meine Kasse, der Rest ist Preisgeld. Dieses Verhältnis war zum Anfang meiner Karriere noch umgekehrt. Ich war zwar immer bemüht, Sponsoren zu finden, doch lange ohne Erfolg. Ich stellte viele Dossiers zusammen, sandte diese bei potenziellen Partnern ein und bekam meist nicht mal eine Antwort. Das höchste der Gefühle waren Produkte- Samples oder nett geschriebene Absagen, dass «zum jetzigen Zeitpunkt leider kein Interesse an einer Zusammenarbeit» bestehe. Mit dem Erfolg kamen dann persönliche Kontakte zu Entscheidungsträgern. Und die waren bei mir schlussendlich wegweisend in Sachen Sponsoring. Begonnen hatte es mit Peter Bamert, dem Vater des damaligen Triathleten Marc Bamert, der das EWZ Power Team leitete. Als ich wie Marc beim Ironman Florida startete (mein erster Ironman) und auf Anhieb Siebter wurde, holte mich Peter Bamert ins Team. Das war der Anfang einer langen und erfolgreichen Zusammenarbeit. Am Anfang stand ich als hoffnungsvolles Talent neben den damaligen Stars Christoph Mauch und Stefan Riesen. Doch nach und nach avancierte ich zum Leistungsträger des Teams und konnte nach meinem ersten Sieg am Ironman Switzerland 2007 auch wirklich gut vom Sport leben. EWZ blieb lange mein Hauptsponsor und ich bin noch heute dankbar für diese Zusammenarbeit.

Seit meinem ersten Sieg in Zürich sind zehn Jahre vergangen und acht Siege dazugekommen. Dieses Jahr hat es leider nicht sollen sein. Ich musste mit Wadenproblemen, die mich aufgrund eines üblen Krampfes beim Schwimmen plagten, nach acht Kilometern auf der Laufstrecke das Rennen aufgeben. Das war definitiv kein Tag, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Wenn du während zehn Jahren bei jedem Start gewinnst, scheint alles andere als ein Sieg eine Katastrophe. Entsprechend angespannt war ich auch in den Tagen vor dem Rennen. Vielleicht zu angespannt? Der Geschlagene zu sein, fühlt sich aber seltsamerweise gar nicht so schlimm an, wie ich es mir ausgemalt hatte. Irgendwie ist es sogar ein bisschen eine Erleichterung, weil endlich dieser Druck abfallen kann, dieses Rennen immer gewinnen zu «müssen». Nach einem zehnten Sieg wäre es definitiv mein letztes Rennen in Zürich gewesen, ob ich jetzt doch noch einmal starten werde, weiss ich nicht. Eine Rechnung offen hätte ich ja. Und der Druck wäre ganz sicher nicht mehr derselbe. Natürlich geht es im Zusammenhang mit einem Sieg nicht nur um Prestige und Erfolg, sondern auch um Geld. Ich weiss, dass meine Sponsoren es gerne gesehen hätten, wenn ich als Sieger über die Ziellinie gelaufen wäre. Und genauso klar ist, dass solche Siege immer ein gutes Argument sind bei Vertragsverhandlungen. Dennoch bin ich – auch ohne Zürich-Sieg in diesem Jahr – ein attraktiver Athlet für die Sponsoren, da ich seit vielen Jahren sehr konstant gute Wettkämpfe abliefere. Es gibt wenige aktive Athleten, die elf Ironman-Siege vorweisen können und dazu über die ganze und die halbe Distanz immer mal wieder auf einem Podium stehen. So konnte ich mir dieses Jahr schon vor dem Ironman Switzerland das Hawaii-Ticket sichern dank Podestplätzen in Texas (2.), dem Halfironman Kalifornien (3.) und einem soliden Hawaii- Resultat 2016 (15). Aber natürlich will man sich und den Sponsoren so oft wie möglich beweisen, wie «toll» man ist! Durch meine Konstanz bin ich in der glücklichen Lage, langjährige Partnerschaften aufgebaut zu haben, sodass ich nicht gleich Angst um meine Verträge haben muss, wenn ich mal verletzt ausfalle. Über einen gewissen Zeitraum ist es vertraglich geregelt, dass ich weiter Lohn erhalte. Für den Rest habe ich persönlich im Rahmen einer Lebensversicherung vorgesorgt. Sollte es einmal sportlich nicht rund laufen, so ist es normal, dass Prämien kleiner ausfallen oder bei neuen Verhandlungen das Fixum angepasst wird. Damit habe ich gelernt umzugehen, denn schlussendlich ist es «part of the game». Genauso gehört es natürlich dazu, als gesponsorter Athlet gewissen Verpflichtungen nachzukommen. Gehe ich zum Beispiel auf eine schöne Radausfahrt, gehört es sich, ein Bild meines Velos oder ein Bild von mir mit meinem Velo über die Social-Media-Kanäle zu veröffentlichen. Auch beliebt sind Motivationsvorträge oder Lauftrainings mit Mitarbeitern von Partnerunternehmen.

Ich mache solche Dinge gerne, ist doch für mich Sponsoring nicht nur ein Geben seitens des Sponsors, sondern auch ein Zurückgeben meinerseits. Einzig unmittelbar vor Wettkämpfen, zum Beispiel in den Tagen vor einem Ironman Hawaii, habe ich keine grosse Lust auf solche Dinge. Da wäre es auch nicht professionell, kurz vor einem Saisonhöhepunkt bei 35 Grad im Schatten stundenlang an einer Expo rumzustehen. Für vieles kann ich auf die Unterstützung unseres Teammanagers zählen, einiges mache ich aber auch selbst, zum Beispiel die Kontaktpflege mit meinen persönlichen Sponsoren. Hier stelle ich fest, dass es von meinen Partnern geschätzt wird, wenn ich mich nicht vertreten lasse. Allerdings weiss ich, dass einige Top-Cracks wie die Deutschen Jan Frodeno und Sebastian Kienle dafür eigens Manager angestellt haben, die für ihre Arbeit – für Triathlon-Verhältnisse – fürstlich entlöhnt werden. Löhne, die ich hier natürlich nicht nennen darf, die ich mir aber definitiv nicht leisten könnte. Da frage ich mich schon, wie unser ehemaliger Berufskollege Chris McCormack einst darauf gekommen ist, Sebi Kienle zu erzählen, ich sei der bestverdienende Triathlet der Welt. Davon war und bin ich auch heute weit entfernt. Aber beklagen kann ich mich definitiv nicht – meinen Sponsoren sei Dank!

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