Ronnie Schildknecht über seine Konkurrenten

«Ich gönnen meinen Freunden den Erfolg»

Die inländische Konkurrenz von Ronnie Schildknecht ist gross. Gleichwohl pfelgt er mir vielen Spitzentriathleten einen sehr freundschaftlichen Umgang.

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Sven Riederer, Ruedi Wild, Jan van Berkel, Manuel Küng: Ja, da sind doch ein paar bekannte Namen von Schweizer Langdistanz-Athleten mit einem guten Niveau. Ich respektiere sie alle. Und ich sehe gerade bei Sven, was er – man beachte, wie lange er schon Weltklasse ist – leistet. Seine Performance beim «Schweizer» Saisoneinstand in Dubai war überragend, nur Alistair Brownlee konnte ihn schlagen. Und auch Ruedi, der das Podest als Dritter abrundete, wusste zu glänzen.

Natürlich wäre auch ich in Dubai gerne ganz vorne dabei gewesen, und es wurmt mich auch ein wenig, dass es nicht zu mehr gereicht hat. Ich hatte auf dem Rad endlich mal wieder gute Beine «montiert», sodass ich Vollgas gab. Wohl ein bisschen zu sehr, denn beim Laufen war die Luft dann etwas draussen. Dennoch bin ich zufrieden mit dem achten Rang, eben auch darum, weil ich weiss, dass ich auf dem Rad – ich erzielte den zweitschnellsten Bike-Split – wieder richtig gut dabei bin. Und weil ich aufgrund dieses ersten Rennens gute Schlüsse ziehen kann, um mich ideal auf meine wichtigen Rennen dieser Saison vorzubereiten – den Ironman Südafrika Mitte April und Zürich Ende Juli.

Viele private Gespräche
Ja, ich wäre auch gerne auf dem Podium gestanden wie meine Schweizer Kollegen. Ich bin ein Wettkampftyp und es liegt in meiner Natur, immer der Beste sein zu wollen. Wer aber meint, ich gönne den anderen Jungs deswegen keine Erfolge, liegt falsch. So sind wir am Abend nach dem Rennen alle zusammen (Ruedi, Sven, Manu und mein Teamkollege Maurice Clavel) essen gegangen und haben danach noch ein bisschen auf den Putz gehauen. Wir unterhielten uns über das Rennen und über die Brownlee-Brüder. Auch in Dubai hat Alistair Brownlee seine Klasse gezeigt, obwohl er eigentlich so gar nicht ins Bild der Triathleten passt. Ich sah ihn in der Wechselzone beim Einchecken und er hat nett gegrüsst. In seiner Erscheinung erinnert er mich eher an einen kleinen Buben, der noch nie Sport gemacht hat. Keine Muskeln an den Beinen – und schon gar nicht rasiert! Und Ruedi hat ihn zwei Tage vor dem Rennen beim Frühstück gesehen, den Teller randvoll mit «Buttergipfeli». Zu schaden scheint es Alistair aber scheinbar nicht ...

Wir haben aber auch über private Dinge gesprochen und dabei viel gelacht. So sehr wir während eines Rennens Konkurrenten sind, so sehr schätzen wir uns jenseits der Wettkampfstätte. Natürlich ist man nicht mit allen Athleten gleich verbunden, doch jeder weiss die Leistung des anderen zu würdigen und zu respektieren. So sehe ich Ruedi auch ab und an mit unseren Familien (wir wohnen beide in Samstagern) mal zu einem Kaffee oder Znacht und: Er schläft sogar in meinem Bett! Dieses habe ich ihm gegeben, als er mit seiner jetzigen Frau zusammenzog und wir uns gerade eine neue Inneneinrichtung anschafften. Er scheint sich darin wohlzufühlen und bestens zu regenerieren, schliesslich ist er so stark wie nie ...

Vom Jäger zum Gejagten
Nein, im Ernst: Die inländische Konkurrenz ist momentan gross – vor allem in der Dichte. Doch das ist für mich nichts Neues, denn es gab sie schon immer. Vor Jan, Sven und Ruedi waren Mathias Hecht und Mike Aigroz aktiv – beide wie ich schon unter den Top Ten auf Hawaii. Und davor zeigten Christoph Mauch, Stefan Riesen – und zu meinen Anfängen auch noch Olivier Bernhard – sehr starke Leistungen.

Ich wusste schon immer mit der inländischen Konkurrenz umzugehen und ich denke, ich war und bin auch ein umgänglicher Typ. So hatte ich mich früher mit Mike, Mathias und Stefan auf Hawaii vorbereitet. Und mit «Stifu» Stefan Riesen verbindet mich bis heute eine langjährige Freundschaft. Leider sehen und hören wir uns nur selten, weil wir beide viel um die Ohren haben. Das Entscheidende, was sich seit den früheren Zeiten verändert hat ist, dass ich während vielen Jahren der Jäger war und heute in der Position des Gejagten stehe.

Natürlich ist es nicht immer angenehm, der Gejagte zu sein. Wenn der Fokus auf mir liegt und es für die anderen darum geht, mich zu schlagen. Eigentlich kann ich ja meistens nur verlieren, während die anderen nichts zu verlieren haben, oder? So erscheint es zumindest auf den ersten Blick, wenn man «The Man To Beat» ist. Doch ich sehe das etwas anders. Auch meine Kollegen stehen unter Leistungsdruck, möchten mit guten Resultaten in den Schlagzeilen stehen. Ich habe über ein ganzes Jahrzehnt den Schweizer Ironman mitgeprägt und mir diese Position des Gejagten erkämpft – mit einigen Top-Ergebnissen an internationalen Wettkämpfen und mit meinen neun Siegen am Ironman Switzerland.

Der wichtigste Tag
Ende Juli soll die Zehn voll werden. Ich richte meine Saison voll und ganz darauf aus, diesen einen Sieg in Zürich noch zu holen. Was davor kommt, ist wichtig, um mir die Qualifikation für Hawaii zu ermöglichen, was danach kommt, Hawaii, ist ebenfalls wichtig. Doch der wichtigste Tag dieses Jahres ist für mich der 29. Juli. Ich weiss, dass ich dann wieder der Gejagte sein werde, selbst wenn ich letztes Jahr nicht gewinnen konnte. Und mir ist bewusst, dass mit Jan und Ruedi die Schweizer Konkurrenz sehr gut sein wird. Ich traue beiden einen Sieg zu, wenn sie «ihren Tag» einziehen – insbesondere Ruedi, der sich nun schon seit einer Weile auf enormem Niveau bewegt und immer wieder mit seinen Leistungen beim Laufen aufhorchen lässt.

Aber auch Jan unterschätze ich nie, denn ich weiss: Wenn bei ihm alles zusammenpasst, ist er ein sehr gefährlicher Gegner. Wie gut die beiden sind, zeigt auch ein Blick auf die letztjährige Rangliste: Die beiden lagen am Schluss auf den Rängen Zwei und Drei. So darf es von mir aus auch dieses Jahr sein. Nur, dass dann anstelle von Nicolas Kastelein wieder ich zuoberst auf dem Podium stehe ... Und wer das jetzt überheblich findet – ist es nicht. Schliesslich kann als neunfacher Zürich-Sieger nur ein erneuter Sieg das Ziel sein. Ich werde mein Bestes geben, um das zu schaffen. Ich werde meinen Gegnern auch keine Geschenke machen – zumindest im Wettkampf nicht. Und nein, ich habe gerade kein Bett abzugeben ...

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