Ronnie Schildknecht über Chancen und Gefahren in den Medien

«Ich tue nicht alles für Likes auf Instagram»

Wie geht Ironman-Profi Ronnie Schildknecht mit Sozialen Medien und Medienanfragen um? Präsenz zeigen ja, Schaumbadstorys hingegen nein, lautet seine Devise.

Copyright: iStockphoto.com

Ich weiss noch genau, als ich im Jahr 2006 Fünfter am Ironman Switzerland wurde. Da sagte ich zu meiner Freundin und heutigen Frau während der Siegerehrung: «Irgendwann schaffe ich es auch aufs Podest.» Und sie entgegnete mir: «Ja, da gehörst du auch hin.» Und als wir ein bisschen später einmal mit Familie und Freunden zusammensassen, sagte mein Vater lachend: «Wenn du das Ding gewinnst, dann kommst du sicher mal in der Schweizer Illustrierten.» Ein Jahr später gewann ich das Rennen, und ein paar Jahre später gab es dann wirklich eine Homestory in der SI. Da war ich zu sehen, wie ich in unserer Küche einen Shake mixe, an meinem Velo rumschraube und wie ich auf der Couch unsere Katzen streichle. Und ganz ehrlich: Von meinen Kollegen wurde ich für diese Geschichte mit dem klingenden Titel «Der sanfte Eisenmann» schon ein wenig belächelt. Meine Eltern hingegen fanden es ziemlich cool, ihren Sohn in einem mehrseitigen Beitrag im meistverkauften Schweizer Heftli zu sehen.

Ob ich so was heute wieder tun würde? Ja! Denn ich bin der Meinung, dass es für Leser interessant sein kann, Sportler auch einmal fern von Wettkampfplätzen zu sehen. Das heisst nicht, dass ich alles von mir beziehungsweise über mich preisgebe. Ich würde mich beispielsweise niemals in einer Schaumwanne ablichten lassen. Und auch nicht in vergleichbarem Ambiente. Man muss ja auch nicht alles tun. Genauso handhabe ich das auch mit Bildern von unserer Tochter Mila. Wir haben uns nach ihrer Geburt dazu entschieden, sie – wenn überhaupt – nur sehr ausgewählt zu zeigen. Daran haben wir uns auch gehalten. Insbesondere finde ich es nicht nötig, sie allzu sehr auf den sozialen Kanälen zu zeigen. Schliesslich «vergisst » das Internet nie. Natürlich sind Kinderfotos immer süss, und man gewährt so auch einen beliebten Einblick ins Privatleben. Doch für Likes auf Instagram und Co. tue ich nicht alles. Und wenn ich Mila dann doch mal zeige, dann meist so, dass sie nie ganz erkennbar ist. Zweifelsohne hat sich die ganze «Medienarbeit» – also mein Umgang mit den Medien – seit Beginn meiner Karriere stark verändert. Früher gab es praktisch nur Anfragen für Geschichten in den Printmedien und selten mal für ein Radio-Interview oder für ein TV-Interview. Mit dem Einzug von sozialen Medien und dem enormen Bedeutungsgewinn von Onlinejournalismus sind neue «Sorten» von Anfragen aufgekommen und diese sind auch internationaler geworden aufgrund der Vernetzung durch Facebook, Instagram und Co. Einmal geht es um ein Interview für einen Blog, ein anderes Mal um eine Live-Schaltung eines Internetradios. Oder aber auch um einen Live-Chat für die Onlineseite einer Zeitung.

Einen solchen machte ich übrigens einmal im Newsroom des «Blick». Da kommen dann auch mal Fragen wie «Denkst du auf dem Velo an Sex?» Anscheinend hatte der ehemalige Radprofi Alex Zülle einmal eine Aussage in diese Richtung gemacht. Ich antwortete übrigens damit, dass mir das noch nie passiert sei und bedankte mich für den Tipp. Nach dem Live-Chat wurde dieser dann niedergeschrieben und als Artikel auf Blick Online veröffentlicht – natürlich mit dem Titel: «Ronnie, denkst du auf dem Velo an Sex?». Der Artikel sollte ja «abgehen», wie man mir auf der Redaktion sagte. Und wie immer: Sex sells. Oder wie es meine Frau, die damals Journalismus studierte, sagte: «Blut, Busen und Büsi laufen online immer.» Sie arbeitete einige Zeit später selbst im Newsroom von Ringier und war erstaunt darüber, wie das Zitat über Blut, Busen und Büsis des Soziologen und Publizistikwissenschaftlers Kurt Imhof den Nagel auf den Kopf traf.

Genau so war es dann auch später, als man mit mir nach meinem siebten Zürich-Sieg ein interessantes Interview machte. Es musste ein «Sex-Thema» als Aufhänger haben, nämlich, ob man als Ironman sexy sei. Ich antwortete der sympathischen Esther Jürs damit, dass sie das doch bitte meine Frau fragen solle. Was es auch immer mit diesen drei «Bs» auf sich hat ... Ich denke mir dann immer «Schade, dass ich die Büsis schon gezeigt habe» ... Blut hatte ich indirekt schon einmal «geboten», als ich mir beim Bike-Training einmal eine Schulterverletzung zugezogen hatte. Und von mir im Zusammenhang mit Blut soll es bitte nichts mehr zu lesen geben. Also, berichtetet doch mal wieder über meine Büsis! Im Ernst: Ich bin Triathlet. Und als solcher möchte ich in der Öffentlichkeit in erster Linie auch wahrgenommen werden. In der Regel ist es so: Je sportaffiner das Medium, desto sportaffiner oder triathlonspezifischer die Fragen. Schliesslich interessiert den Leser eines Triathlon-Magazins kaum, ob ich mich sexy fühle, sondern vielmehr, wie ich trainiere, mich ernähre oder wie ich Krisen im Wettkampf meistere. Meine ich zumindest. Ich kann mich jedoch wirklich nicht beklagen und bin dankbar, dass die Medien über mich schreiben. Und dass dann halt auch Sachen geschrieben werden, die mit dem Sport nicht allzu viel zu tun haben, gehört dazu. In diesem Zusammenhang denke ich auch an die Frauen im Profisport, die von vielen Medien noch immer mehr über ihr Aussehen und ihre Körper definiert werden als über ihre Leistungen und auch noch immer darüber sprechen müssen. Oder ihre Körper in irgendwelchen Shootings auch zeigen müssen, obwohl sie ja in erster Linie Sportlerinnen und nicht Models sind und so viel Interessantes über ihren Sport zu erzählen hätten. Aber da sind wir dann halt wieder bei «Blut, Busen und Büsi».

News teilen