Artikel - FIT for LIFE Magazin

Roland Thommen

Der "Berglauf-Methusalem"

Der 86-jährige Roland Thommen rennt jeden Tag mindestens 75 Minuten und bewältigt schwierige Bergläufe am Laufmeter.

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75 Minuten müssen sein. Jeden Tag. Seit Jahren schon. 75 Minuten laufen. Damit hält sich Roland Thommen fit – und jederzeit bereit für einen Berglauf. In diesem Sommer hat er bereits sieben Bergläufe absolviert und dabei Herausforderungen bewältigt wie den Stelvio aufs Stilfserjoch (21  km, 2100 Höhenmeter), den Engadin Ultra Trail (16  km, 800 Höhenmeter) oder den Zermatt Marathon von St. Niklaus aufs Gornergrat (46  km, 2100 Höhenmeter). Was für 50 Jahre jüngere HobbySportler eine echte Challenge, ist für den rüstigen Rentner fast schon selbstverständlich. «Ich könnte», sagt er, «noch jederzeit einen Marathon rennen.»

Dabei hat Roland Thommen in diesem Jahr bereits seinen 86. Geburtstag gefeiert. Mit seiner Frau Rosmarie, seinen fünf Kindern, 15 Grosskindern und acht Urgrosskindern – und mit seinen Laufschuhen, die ihn noch immer über alle Berge führen. Der Zermatt Marathon war der 140. Marathon in seiner Laufbahn. Und wohl nicht der letzte. «Wettkämpfe reizen mich immer noch», sagt der 86-Jährige, «aber nicht, um schneller zu sein als andere.»

Ränge, Zeiten und Auszeichnungen interessieren ihn nur noch am Rande. «Die Schönheiten auf der Strecke geniessen», das sei ihm wichtig, «und mit einem Lächeln ins Ziel kommen.» Das schafft der Ostschweizer, der in Rorschacherberg an der Sonnenbergstrasse wohnt, immer noch verblüffend locker. Zumeist lange vor Kontrollschluss, weit vor dem Besenwagen. Er wolle seine Rosmarie, mit der er seit 63 Jahren verheiratet ist, und die ihn im Ziel jeweils freudig empfängt, schliesslich nicht zu lange warten lassen.

Genuss statt Verdruss
Strassenläufe macht Roland Thommen – mit Ausnahme des St. Galler Auffahrtslaufs – keine mehr. «Sie tun meinen Gelenken nicht gut», sagt der achtfache Urgrossvater. Ja, selbst Bergläufe mit längeren AsphaltAbschnitten (wie beispielsweis beim Jungfrau-Marathon) meidet er heute. «Der Jungfrau-Marathon ist mir zu flach», sagt er. «Ich bin nun in einem Alter, in dem ich keine Läufe mehr brauche, die mir wehtun.» Er wolle sich unterwegs nicht geisseln, er wolle geniessen. Und das tut er auch ohne Laufschuhe. Am Vorabend eines Rennens bucht Roland Thommen mit seiner Rosmarie stets ein gediegenes Restaurant und lässt sich bei einem 5-Gang-Menü und einem schönen Glas Wein verwöhnen. «Und manchmal», fügt er lächelnd hinzu, «runden wir ein Lauf-Wochenende abends wieder mit einem Fünfgänger ab.» So mache das Rennen Freude.

Natürlich könnte er auch ohne Startnummern die Berge hochlaufen. «Das wäre aber nicht dasselbe.» Bei Wettkämpfen schätzt er besonders, dass er sich um nichts kümmern muss. «Da haben Leute, die sich vor Ort auskennen, eine schöne Strecke ausgesucht. Da gibts Verpflegungsposten, viele nette Menschen und im Ziel einen warmen Applaus.» Er brauche keinen (grossen) Rucksack mitzunehmen, er könne einfach loslaufen. Nach Lust und Laune.

Kopfstand vor dem Frühstück
Er sei froh, dass viele Veranstalter der Corona-Pandemie getrotzt haben. Und er sei dankbar, dass er in seinem Alter noch immer mitmachen könne. «Das ist ein Geschenk», sagt der Mann, der als Ausgleich in zwei Chören singt und zuhause eine Bibliothek mit 4500 Büchern hat, von denen er «immer sieben parallel» liest, wie er lächelnd erzählt.

Hat er einen Geheimtipp für seine erstaunliche Fitness? «Ja», sagt er, «jeden Morgen eine halbe Stunde Turnen.» Dabei macht Roland Thommen jeweils eine Minute lang einen Kopfstand, jeden Tag, seit 40 Jahren schon. «Der Kopfstand fördert die körperliche und geistige Balance», doziert der einstige Gewerbeschullehrer, «er schult das Gleichgewicht und regt den Kreislauf an.» Und so sei er jeden Tag bereit für seine 75 Minuten Laufen.

 

 
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