Rennen im Wochentakt

Laufserie GO-IN6WEEKS

Sechs Läufe in sechs Wochen, immer am Mittwochabend: Die Laufserie Go-In6Weeks im Luzernischen hat sich zu einem Stelldichein aller Leistungsklassen gemausert.

Copyright: Yvonne Najer
Copyright: Yvonne Najer

Sechs Rennen in sechs Wochen, alle in der Region und jeweils am Mittwochabend – diese Idee entwickelten die beiden begeisterten Läufer Dominik Meier und Dominik Lötscher. Treffend neudeutsch nannten sie diese GO-IN6WEEKS. «Wir suchten 2011 nach einem Format, das Läufern nicht nur am Wochenende das Gesellige, Fordernde, Vergleichende eines Wettkampfes bietet, sondern unter der Woche», sagt Lötscher. Inspiriert worden waren sie durch ähnliche Serien in der Romandie. Und obwohl sie als leistungsorientierte Läufer vorerst an die Ambitionierten dachten, überlegten sie bald auch in Richtung eines breiten Läuferpublikums – nicht zuletzt des Sponsoreninteresses wegen.

Die Premiere erfolgte entgegen der ursprünglichen Absicht bereits 2012 – weil die finanzielle Unterstützung überraschend schnell da war. «Verschiedenstes bieten», lautete das Credo. Berglauf, Strassenlauf, Trail, Waldwege, über Feld und Wiesen – die sechs Laufwochen sollten für Abwechslung sorgen. Gesucht wurden neue Organisatoren für die örtliche Umsetzung: Turnvereine, Skiclubs, Lauftreffs, Leichtathletikvereine. Überraschend zeigten auch andere, weniger Naheliegende Interesse: eine Guggenmusik. «Im ersten Jahr wurde so in Romoos ein ganz besonderer Lauf ausgetragen», erzählt Lötscher.

Integrierte Sprintwertung
Zusätzlich profiliert hat sich die Serie durch Unkonventionelles. In jedem Lauf wird eine Sprintwertung ausgetragen, für die letzten 200 m. Ebenso gibt es eine Teamwertung. Das sorgt für einen zusätzlichen Anreiz und fördert das Gemeinschaftserlebnis. Und Gewohnheit soll vermieden werden: Als einziger Lauf hat jener in Dagmersellen jedes Jahr mitgezählt. In diesem Jahr wirds ebenfalls so sein, allerdings bereits als zweites Rennen und mit einer neuen, kürzeren Strecke.

Und ein Lauf findet hinter der Kantonsgrenze statt: der traditionelle Homberglauf in Reinach (AG), der nun bereits zum vierten Mal dazugehört. Verschmitzt sagt Lötscher dazu: «Im Ziel bietet sich eine wunderbare Aussicht ins Luzernische.»

Zu Beginn mussten die Initianten Überzeugungsarbeit leisten bei möglichen Ausrichtern, doch mittlerweile hat die Serie an Bekanntheit gewonnen. Die Attraktivität für einen Organisator unterstreicht Stephanie Bossert vom TV Dagmersellen: «Für uns ist es spannend und gleichzeitig attraktiv für die Vereinskasse, einmal im Jahr einen solchen Lauf zu organisieren.» Von den Initianten erhält der Verein wie alle örtlichen Organisatoren die nötige Unterstützung.

Fabian Kuerts Comeback
In der regionalen Laufszene hat sich GO-IN-6WEEKS rasch einen Namen geschaffen. Stets mehr Interessenten melden sich. Im vergangenen Jahr liefen insgesamt 400 Sportler mit, 150 bestritten sämtliche Rennen. Das Familiäre, Persönliche, Einfache und gemütliche Beieinandersitzen nach jedem Rennen finden Anklang.

Früh auf den Geschmack gekommen ist auch einer, der mittlerweile zwei Schweizer Meistertitel gewonnen hat und zur nationalen Elite zählt: Fabian Kuert. Der Langenthaler bezeichnet GO-6WEEKS als eigentlichen «Karrierelancierer». Nachdem er als Kind und Jugendlicher erfolgreich Orientierungsläufe bestritt und sich auf langen Distanzen erstaunliche Resultate wie zwei Kategoriensiege beim Kerzerslauf oder einen zweiten Platz beim GP Bern bei den U20 erlief, folgten rund zehn leistungssportfreie Jahre ohne Wettkämpfe. 2010 begann Kuert wieder regelmässig zu laufen. Und bei der Premiere von GO-IN-6WEEKS landete er den ersten Sieg nach dem Comeback.

Das hinterliess bei Kuert prägende Erinnerungen. «Ich entdeckte die Mittwochabend-Rennen im Internet, siegte beim ersten Rennen, bestritt die nächsten Läufe und gewann die Serie.» Der Motivationsschub hielt weit über diese fünf Frühjahrswochen an. Und das Nachhaltige wurde durch eine weitere Komponente ergänzt: Im Folgejahr fragten die Organisatoren Fabian Kuert an, ob er für einen Lauf den Part des Prominentenläufers übernehmen würde. Er sagte zu. Und landete einen weiteren Tagessieg: «Ich hatte mir überlegt, wie ich dieser Aufgabe gerecht werden kann und sagte mir: Du musst alles geben.» Die ungewohnte Funktion sorgte für einen besonderen Reiz, denn damit verbunden ist ein Wettbewerb: Wer die Laufzeit des Promis am präzisesten voraussagt, gewinnt den Spezialpreis. Dieser kommt übrigens längst nicht immer aus der Laufszene.

Gelegenheit zum Kennenlernen
Während sich die Prioritäten für Kuert seither verschoben haben, ist GO-IN6WEEKS für Christina Fenk erst jüngst zu etwas von zentralem Stellenwert geworden. Die 25-Jährige aus Wauwil wurde Gesamt-Siegerin der letzten beiden Austragungen. Sie schätzt «die tollen Events mit dem besonderen Flair». Besonders hervor hebt sie das Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich entwickelt. Als «Saisonhöhepunkt des Frühjahrs» bezeichnet Fenk die Serie. Und sie hebt den Trainingseffekt hervor. Schon verschiedentlich vermochte sie in der Folge die Form zu nutzen, etwa beim Kategoriensieg am Zermatt Marathon 2016 oder jeweils im Herbst, wenn sie sich auf der Strasse und im Halbmarathon zu profilieren versucht.

Der Charakter der Rennen passt zu Fenk. «Man trifft immer wieder dieselben Leute, sodass man schnell ins Gespräch findet.» So erwähnt sie das Kennenlernen des zweifachen Männersiegers Andreas Abächerli.
Was dazu geführt hat, dass das Siegerduo zusammen ins Trainingslager gefahren ist. Und in diesem Jahr treten Fenk und Abächerli erstmals auch in der Gruppenwertung zusammen auf: im Laufteam von Ueli Koch. Und noch etwas nennt Fenk, was die familiäre Laufserie auszeichnen kann: das Wetter. Im vergangenen Jahr präsentierte es sich in seiner ganzen Frühlingsvielfalt. Von Schnee und Regen mit klammen Fingern bis zur Hitzeschlacht bei hochsommerlichen Temperaturen gab es alles zu erleben – und alles in nur sechs Wochen.

News teilen