Premiere des Traillaufs Cuors da Flem

Auf und Ab im Märchenwald

550 Hm auf- und abwärts machen den neuen Halbmarathon in Flims zu einem zwar anspruchsvollen, aber überaus abwechslungsreichen Lauferlebnis.

Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)
Cuors da Flem 2016 (Copyright Andreas Gonseth / FIT for LIFE)

Meist stellt man es sich so einfach vor. In einer landschaftlich wunderschönen Umgebung, wie sie die Region unterhalb Flims und Laax von Natur aus ist, Start und Ziel definieren, an den Wegkreuzungen ein paar Fähnchen setzen, Zeitmessung, Verpflegung und Helfer organisieren – und schon kann man 300 Läuferinnen und Läufer bei der Erstaustragung des Cuors da Flem auf die Reise schicken. Das Läuferpublikum ist bunt durchmischt. Spezielle Trailschuhmarken, Laufrucksäcke und andere Accessoires deuten auf passionierte Trailrunner hin, andere aber machen sich einfach mit T-Shirt und gewöhnlichen Joggingschuhen auf die Strecke.

Die frische und klare Luft, der intensive Duft des feuchten Waldes, zahllose Hügel, Senken und verwurzelte Trails lassen bereits wenige Meter nach dem Start das Herz der Läufer höher schlagen. Die wenigen Zuschauer hören Schritte durch den Wald trommeln, ein paar erhöhte Atemgeräusche, sonst ist es still. Der Grosswald, oder romanisch der «Uaul Grond», wie der Wald zwischen der Strasse Flims-Laax und der Rheinschlucht heisst, ist ein richtiger Märchenwald. Die ersten Kilometer verrinnen gedankenverloren zwischen Fichtenbäumen, dazwischen erhascht man ein- zwei Ausblicke in die imposante Rheinschlucht.

Halbmarathon mit Mini-OK
Was so leicht und beschwingt tönt, bringt eine Menge Schweiss mit sich, und dies nicht nur für die Läufer, sondern auch für die Macher. Der neue Erlebnislauf über die Halbmarathondistanz ist durch die Initiative von Patrik Minuscoli und Claudia Knecht entstanden. Der 35-jährige Zürcher Minuscoli, der in Flims eine Ferienwohnung besitzt, läuft seit vielen Jahren praktisch jedes Wochenende durch die Flimser Bergwelt. Nach unzähligen Städtemarathons suchte er sich sprichwörtlich neue Wege und verschrieb sich mit Haut und Haaren dem Trailrunning. Mit dem Cuors da Flem wollen Minuscoli und Knecht ihre Passion und «die herrliche Region anderen Läufern näherbringen».

Mehrere hundert Arbeitsstunden haben die beiden Initianten im Vorfeld in ihr Projekt gesteckt und mit ihrem grossen zeitlichen Engagement dazu beigetragen, dass die Kosten so tief wie möglich gehalten werden können. «Das Budget beträgt rund 15 000 Franken. Bei einer Erstaustragung fallen vor allem einmalige Materialbeschaffungskosten ins Gewicht», sagt Minuscoli. Der Hauptteil der Kosten wird durch die Startgelder gedeckt. Als grösste Herausforderung für die Premiere erwies sich aber nicht mangelndes Geld, sondern die Suche der rund 50 benötigten Helfer. «Als Städter ist es nicht einfach, in einer Bergregion freiwillige Helfer zu finden. Viele Helfer gehören zur Familie oder sind Freunde. Oder Freunde von Freunden.»

Stetes Auf und Ab

Die Streckenführung des neuen Traillaufs hat es in sich. Von Beginn weg ist klar, dass es sich beim Cuors da Flem um keine flache Angelegenheit handelt. Die ersten Kilometer verlaufen abwechslungsreich meist im Wald, in einem steten Auf und Ab (vorwiegend Ab) und es gilt, dosiert anzulaufen. Immer wieder sind verschlungene, aber auch anstrengende Singletrails eingebaut. Wirklich flach ist es einzig in der Ebene vor Trin/Mulin (zwischen km 10,5 und 12,5). Nach der Überquerung der Flem geht es dann mehrheitlich bergauf, vorbei am Crestasee zurück in Richtung Flims. Von dort führt die Strecke in einer Schlaufe an den Caumasee, wo der drittletzte Kilometer auf einem kleinen Trail direkt entlang des Ufers verläuft. Es folgt ein letzter Ufertrail entlang des malerischen Lag Prau Tuleritg, bevor die zähe Schlusssteigung hinauf zum Start- und Zielort beim Sportzentrum in Flims noch einmal letzte Energiereserven anzapft.

Praktisches Finishergeschenk
550 Höhenmeter sowohl auf- wie auch abwärts machen den Halbmarathon zu einem muskulär harten und anspruchsvollen, aber auch äusserst abwechslungs- und erlebnisreichen Lauf für Fortgeschrittene, den man sich am besten gut einteilt, da die kräfteraubenden Steigungen allesamt in der zweiten Streckenhälfte anfallen. Der Schnellste, der 22-jährige Einheimische Florian Suter, fliegt in 1:25:17 h über die Runde, die meisten kommen erst weit später ins Ziel. Hobbyjogger mit einer Halbmarathon-Richtzeit um zwei Stunden müssen beim Cuors da Flem mit zusätzlichen rund 20-30 Minuten rechnen. Im Ziel bekommt jeder Teilnehmer ein Schlauchtuch von Buff in die Hand gedrückt, ein Finishergeschenk der praktischen Art. «Wir wollten bewusst kein T-Shirt anbieten», sagt Patrick Minuscoli, «die sind in der Regel meistens aus schlechter Qualität, zu gross geschnitten oder dann haben sie Ärmelgrössen, in denen man wie ein Spargeltarzan aussieht.»

Fortsetzung folgt
Die Premiere an diesem 4. Juni 2016 ist geprägt durch eine äusserst entspannte Atmosphäre und wechselhafte, aber trockene Witterungsbedingungen. Das launige Spätfrühlingswetter sorgt dafür, dass sich der «Uaul Grond» noch mystischer präsentiert, als er es ohnehin schon ist. Der Zieleinlauf entlockt sowohl Teilnehmern wie auch Verantwortlichen neben müden Beinen zufriedene und lachende Gesichter. «Bei der Gründung auf dem Reissbrett erhofften wir uns 80 Teilnehmer», so Minuscoli, «umso schöner ist es, dass jetzt beim ersten Mal bereits 300 am Start standen. Und noch schöner ist, dass die Rückmeldungen unisono positiv sind.»

Die Fortsetzung soll am 10. Juni 2017 folgen. Klein und fein, ohne Schnickschnack und Gimmicks soll der Lauf auch nächstes Jahr bleiben, und auch die Teilnehmerzahl wird laut Minuscoli so definiert, «dass der Charakter des Laufs unverändert bleibt. Etwas Wachstum streben wir an, aber gleichzeitig werden wir ein Teilnehmerlimit definieren.» Interessierte sollten sich den Termin daher früh genug in ihre Agenda schreiben.

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