Pflegetipps für Veloketten

Wenig Wartung für viel Funktion

Sie ist seit vielen Jahren das geniale Herzstück des Fahrradantriebs. Doch nur gut gepflegt kann die Velokette ihre Funktion klaglos wahrnehmen.

Copyright: Thinkstock.com

Immer wieder springt die Kette aus dem Gang, der Tritt geht ins Leere – ärgerlich! Also ab zum Velomech und eine neue Kette kaufen, so die Überlegung. Doch falsch gedacht! «Wärst du früher gekommen, hätte man einfach die Kette ersetzen können », erklärt Roger Oklé, Mitinhaber des Velogeschäftes Backyard in Zürich ungerührt. Rund 50 Franken – und das wärs gewesen. Aber so, mit gegen 3000 km in den Gliedern, habe die verzogene und ausgefressene Kette bereits alle Ritzel in Mitleidenschaft gezogen. Oklé: «Jetzt muss der gesamte Antrieb ersetzt werden, also Kette samt Ritzel vorn und hinten.» Kostenpunkt je nach Qualität der Ritzel zwischen 300 und 500 Franken. Autsch! Damit es nicht – oder zumindest nicht so schnell – so weit kommt, gilt es in der Kettenpflege zwei entscheidende Punkte zu beachten:

Kette früh genug ersetzen
Durch die ständige Zugbelastung wird eine Kette mit der Zeit in die Länge gedehnt. Je mehr sie sich dehnt, desto weniger passen die einzelnen Kettenglieder in die Zwischenräume der Ritzel. Dadurch wird eine zusätzliche Reibung verursacht, die Ritzel passen sich langsam der Kette an und «fressen» aus. Beginnen die Gänge durchzurutschen, muss nicht nur die Kette ersetzt werden, sondern auch die Ritzel, weil dann die neue Kette nicht mehr in die alten Ritzel passt. Roger Oklés Faustregel: «Vielfahrer sollten die Kette spätestens jährlich ersetzen, regelmässige Regenfahrer sogar noch etwas früher. Wer sich nicht sicher ist, kann im Fachgeschäft nachfragen. Mit einer Schublehre stellt der Spezialist in wenigen Sekunden fest, ob ein Ersatz nötig ist.»

Kette gut geschmiert halten
Eine saubere und gut geschmierte Kette bietet am wenigsten Reibung, dadurch ist die Abnützung des gesamten Antriebes geringer. Eine regelmässige Reinigung und Schmierung der Kette ist daher angezeigt. Wie oft die Kette gepflegt werden muss, hängt vom Einsatz ab. Bei Allwetterfahrern empfiehlt sich eine etwa wöchentliche Reinigung. Im Winter mit Schnee und Salz auf der Fahrbahn ist eine Reinigung sogar nach jedem Einsatz Pflicht, denn Salz wirkt äussert aggressiv.

Gutes Schmiermittel wählen
Je besser die Schmierfähigkeit, umso geringer ist der Verschleiss, lautet das Motto. Aber: Je «ölige » die Kette, desto mehr bleibt Schmutz daran haften. Und ebenfalls gilt: Je häufiger die Kette komplett mit Entfetter gereinigt wird, desto «durstiger» wird sie und braucht vermehrt wieder Kettenöl, damit sie geschmeidig bleibt. Am besten als Schmiermittel eignen sich spezielle Kettenöle. Wachse sind zwar Schmutz abweisender als Öle oder Sprays, müssen aber häufiger aufgetragen werden. Und bei Sprays wird in der Regel nicht nur die Kette, sondern das gesamte Hinterrad damit besprüht. Ausserdem sind Sprays zu dünnflüssig und schmieren die Zwischenräume der Kette weniger gut. Ein gutes Schmiermittel benötigt eine gute Kriechfähigkeit, damit auch der kleinste Zwischenraum erreicht wird. Punkto Dosierung ist die Tropfflasche am einfachsten zu handhaben. Allgemeine Ketten und Mehrzwecköle eignen sich weniger.

News teilen