Nicole Reist plant Ultracycling-Extremtour

Race Around Austria und Race Across France in Einem

Die Schweizer Ultraradsportlerin Nicole Reist geht neue Wege. Anstelle des Race Across America fährt sie das Race Around Austria und Race Across France – hintereinander.

Liebt nichts mehr als stundenlanges Velofahren: Extremsportlerin Nicole Reist. (Copyright: Jan Brack ZVG Kathrin Senn)
Motiviertes Team hinter Nicole Reist. (Copyright: Jan Brack ZVG Kathrin Senn)

Nach der Absage des Race Across America will die Schweizer Ultracyclerin Nicole Reist vom 10. bis 14. August 2020 das Race Around Austria mit 2200 Kilometern und gut 34 000 Höhenmetern gewinnen, dann über Nacht mit ihrer Crew nach Nizza fahren und am 15. August 2020 zum Race Across France mit 2600 Kilometern und gut 40 000 Höhenmetern starten. Zusammen ergeben die zwei Nonstop-Radrennen in etwa die Distanz des Race Across America – allerdings mit fast 75 000 statt 50 000 Höhenmetern. Damit der Plan aufgeht, muss Reist nicht nur in sportlicher Hinsicht neue Ultracycling-Massstäbe setzen. Auch ihre Crew ist in Sachen Logistik aufs Äusserste gefordert.

Von Plan A zu Plan B
Zwar hat Nicole Reist schon 2019 das Race Across France und kurz darauf das Race Around Austria gewonnen und damit im Ultracycling neue Dimensionen erreicht. Da lag aber immerhin eine Woche zwischen den beiden Rennen. Nun will die beste Ultracyclerin der Welt erneut das Unmögliche versuchen und zwei Rennen aneinanderreihen, die sich gemäss offiziellem Kalender sogar überschneiden: Das Race Around Austria findet eigentlich vom 10. bis 16. August 2020 statt, der Start ihrer Kategorie am Race Across France ist am 15. August 2020. Allein mit der Aneinanderreihung von insgesamt 4800 Kilometern und fast 75 000 Höhenmetern quasi ohne Pause will die in Weisslingen wohnhafte Athletin in neue Ultracycling-Sphären vordringen. Es braucht aber noch mehr: «Damit der Plan aufgeht und wir rechtzeitig zum Start in Nizza sind, muss ich in Österreich noch schneller sein als letztes Jahr – und da hatte ich mit 4 Tagen und 9 Stunden immerhin einen neuen Damenrekord aufgestellt», erklärt Nicole Reist die zusätzliche Herausforderung. «Gleichzeitig kann ich nicht einfach alles geben, sondern muss haushälterisch mit meinen Ressourcen umgehen. Schliesslich muss die Energie ja noch für das Rennen quer durch Frankreich reichen.»

Logistischer Drahtseilakt
Nicht nur sportlich, sondern auch logistisch wird das Unterfangen zu einem Drahtseilakt – denn auch wenn alles nach Plan läuft, liegen zwischen der Zielankunft in Österreich und dem Start in Frankreich nur gerade 15 Stunden, wovon allein die Fahrt rund 11 Stunden dauert. Bei Nicole Reists 10-köpfiger Begleitcrew muss für den Overnight-Transfer daher jeder Handgriff einstudiert sein, damit das Team in Nizza rechtzeitig bereit ist: Der Ab- und Wiederaufbau von Tonanlage und Technik im Begleitfahrzeug, das Abnehmen und Neuausrüsten von Startnummern und Veranstalterklebern an Fahrrädern und Begleitautos, Nachfüllen aller Nahrungsmittel und Getränke und so weiter. «Der Transfer bedeutet auch für meine Crew eine riesige Zusatzbelastung», ist sich Reist bewusst. Deshalb kommen zwei weitere Personen ausschliesslich dafür zur Zielankunft nach Österreich: Ein Techniker, der die neuen Streckendaten und Zeitpläne für Frankreich auf alle notwendigen Geräte programmiert sowie ein Chauffeur, der das Wohnmobil die knapp 1000 Kilometer nach Nizza überführt, damit auch die Camper-Crew für eine Nacht pausieren kann.

Verrückte Crew für verrückten Plan
Aber, wie kommt Nicole Reist überhaupt auf einen derart verrückten Plan? «Eigentlich wollte ich dieses Jahr ja bei meiner dritten Teilnahme am Race Across America nochmals Geschichte schreiben. Als sich wegen der Corona-Krise aber dessen Absage abzeichnete, brauchte ich ein neues Ziel, um mich neben meinem Vollzeitjob als Hochbautechnikerin für das viele Training zu motivieren», erzählt Nicole Reist. «Wir prüften dann mehrere Optionen. Die Aneinanderreihung der Rennen war dabei eine Idee – aber lange war ja gar nicht klar, welche Wettkämpfe überhaupt stattfinden und ob man hinreisen kann. Und dazu kam dann auch noch ein Überlegungsfehler meinerseits…», sagt die Athletin etwas verlegen. «Ich dachte nämlich erst, es läge noch ein Tag mehr zwischen den Rennen…». Mittlerweile ist die Durchführung beider Wettkämpfe bestätigt, die Grenzen sind offen und Reist darf auf eine starke Crew zählen: «Für einen verrückten Plan braucht es ein verrücktes Team. Alle Crewmitglieder stehen komplett hinter mir und waren von Anfang an bereit, diese Wahnsinns-Idee mitzutragen. Dafür bin ich allen schon jetzt sehr dankbar – egal, wie es am Schluss herauskommt!»

Nicole Reist auf beiden Touren live folgen
Während beiden Ultracycling-Rennen wird das Team von Nicole Reist regelmässig und aktuell über ihr Ergehen in den jeweiligen Wettkämpfen berichten. Interessierte können sie live mitverfolgen: Auf ihrer Webseite www.nicolereist.ch, auf Facebook unter www.facebook.com/berggeiss.nicolereist, auf Instagram via www.instagram.com/berggeiss.nicolereist und auf den Livetrackings der Rennen, die auf den jeweiligen Veranstalterwebseiten zugänglich sein werden: www.racearoundaustria.at und www.raceacrossfrance.cc

News teilen