Nicola Spirig vor ihrem Marathondebüt

EM-Limite im Visier

Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig will am 6. April 2014 beim Zürich Marathon die Limite für die Leichtathletik-EM erreichen.

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Nicola Spirig hat sich vor wenigen Wochen entschieden, an einem flachen und schnellen Kurs ihr Marathondebüt zu geben. «Zürich ist für mich ideal. Ich muss nicht reisen und meine Freunde und Familie können dabei sein», so Spirig, die sich sehr auf ihren ersten Wettkampf über 42,195 Kilometer freut. «Ich bin wirklich sehr gespannt auf diese grosse Herausforderung. Die Freude, aber auch der Respekt ist schon recht gross.»

Das Ziel für den 6. April 2014 formuliert die Zürcher Unterländerin klar: «Es wäre genial, gleich in meinem ersten Marathon die EM-Limite von unter 2:44 Stunden zu laufen.» Damit es mit dieser Zeit klappt, hat sich Spirig akribisch auf ihren Wettkampf vorbereitet.

Der Veranstalter stellt Spirig für dieses Unterfangen zwei Pacemaker zur Verfügung. Neben Ehemann Reto Hug kann Nicola Spirig auf weitere persönliche Helfer zählen, die sie bei den Verpflegungsposten unterstützen. Die Triathlon-Olympiasiegerin hat zudem bei anderen Triathleten, die ihren ersten Marathon bereits hinter sich haben, Tipps geholt. Denn sie ist sich bewusst, dass es beim Debüt ein paar Knacknüsse gibt. «Mir fehlt die Erfahrung bezüglich Marathon. So ist beispielsweise die Verpflegung im Training schwierig zu testen», sagt Spirig. Lange Läufe hat die frühere Junioren-Vize-Europameisterin im Cross zwar ins Training eingebaut, doch: «Das hohe Tempo über die ganzen 42 Kilometer kann im Training kaum simuliert werden. Deshalb weiss ich auch nicht, wie die Muskulatur reagieren wird.»

Ein weiterer Challenge besteht in der Wahl des richtigen Tempos. «Es soll schnell genug sein, um die Limite zu laufen und doch so, dass ich auch bei allfälligen Problemen gegen Rennende durchlaufen kann.»

Erfolgreiches Comeback als Mutter, Rückschlag in der Marathonvorbereitung
Nach ihrem fulminanten Comeback mit dem Sieg beim Triathlon-Weltcup in Mexiko im vergangenen Oktober («dort habe ich gezeigt, dass ich auch als Mutter Topleistungen erbringen kann») hat sich Nicola Spirig verstärkt auf das Laufen konzentriert und ihr Leistungsvermögen bereits kurz darauf mit dem Sieg beim Post-Cup 2013 unter Beweis gestellt. Probleme am linken Schienbein zwangen sie allerdings ab Mitte Dezember dazu, den Umfang des Lauftrainings zu reduzieren und wieder vermehrt Schwimm- und Fahrradeinheiten zu absolvieren. «In dieser Phase ist es mir sicher entgegengekommen, dass ich Triathletin bin. So konnte ich einen Grossteil meiner Ausdauer mit alternativen, weniger belastenden Trainingsformen konservieren.»

Rechtzeitig auf die Vorbereitungsläufe anlässlich der Cross-SM in Zürich (2. März/2. Platz) und den Schweizer Strassen-Meisterschaften über 10 Kilometer in Saxon am vergangenen Sonntag (drittbeste Schweizerin) konnte Spirig den Umfang an Lauftrainings wieder steigern. «Die Folgen der verletzungsbedingten Trainingsanpassungen waren noch zu spüren. Doch die Leistungskurve zeigt in die richtige Richtung», zieht Spirig Bilanz und ergänzt: «In absoluter Topform will ich im August anlässlich der Europameisterschaften sein. Bis dahin bleibt noch etwas Zeit.»

Marathon als neues Kapitel, EM als spannendes Projekt
Doch zuerst hat Nicola Spirig nun den Zürich Marathon vom 6. April im Fokus. «Der Marathon ist für mich ein neues Kapitel und ich muss mich ja zuerst Mal für die EM in Zürich qualifizieren», antwortet sie auf die Frage, über welche Distanz sie an den Europameisterschaften antreten werde. «Das Erfüllen der Limite ist vorerst das Ziel. Das ist für mich weder im Marathon noch über 10‘000 m ein leichtes Unterfangen.»

Das Training für die beiden Distanzen würde sich in ihrem Fall nicht gross unterscheiden. «Die EM ist für mich ein wahnsinnig spannendes Projekt, und es kommt von diesem Aspekt her gesehen gar nicht so darauf an, welche Distanz ich laufe. Für mich ist der Weg zur EM schon spannend, weil ich neue Trainingsreize setze und neue Erfahrungen sammle. Für mich ist die Weiterentwicklung wichtig, die aber verbunden mit der EM im eigenen Land noch mit einem extrem motivierenden Ziel verbunden ist.»

«Von einer Medaille zu sprechen wäre vermessen»
Nicola Spirig betont allerdings, dass sie auch in den nächsten Monaten weiterhin «Triathletin» bleiben werde. «Die EM wird für mich, sofern ich mich qualifiziere, eine tolle Sache und ich freue mich bereits jetzt darauf. Obwohl ich Olympiasiegerin bin, wäre es allerdings vermessen von einer Medaille zu sprechen. Schliesslich sind die besten Leichtathletinnen des Kontinents am Start. Ich möchte dabei sein und mein Bestes geben. Aber von einer Medaille träume ich ganz bestimmt nicht.»