Mitgefahren am Ski-OL Sparenmoos

Mein erster Ski-OL

FIT for LIFE-Redaktorin Regina Weiger-Senften hat sich zum ersten Mal in ihrem Leben unter die euphorisierende Glücksdusche eines Ski-OLs gestellt. Ein Erlebnisbericht.

In der Familien-Kategorie machen sogar die Kleinsten am Ski-OL mit. (Copyright: R. Weiger-Senften)
Verantwortlich für die Schneetöffspuren: Franz Jordi. (Copyright: R. Weiger-Senften)
Gab im Bus an den Start wertvolle Ski-OL-Tipps: Hansruedi Häny. (Copyright: R. Weiger-Senften)
Alles weiss. Die Routen im Gelände sind je nach Lichteinfall kaum zu erkennen. (Copyright: R. Weiger-Senften)

Ich mache leidenschaftlich gerne Fuss-OL. Seit rund einem Jahr. Und auch Langlauf betreibe ich im Winter mit grosser Freude. Vor allem in der klassischen Disziplin. Deshalb, so dachte ich mir, sollte ich doch eigentlich auch in der Lage sein, einen Ski-OL zu bestreiten. Die Lust, diese Disziplin einmal auszuprobieren, war jedenfalls riesig.

Also wagte ich es. Ich meldete mich Ende Januar zu meinem ersten Ski-OL an. Weil es vom Datum am besten passte, wählte ich einen Wettkampf auf dem Sparenmoos ob Zweisimmen. Dumm nur, dass dies gerade die Langdistanz-SM war. Aber ich sagte mir: Wenn ich früh starte, so bleibt mir hoffentlich ein ausreichend grosses Zeitfenster bis zum offiziellen Wettkampfabbruch.

Voller Neugier und Zuversicht machte ich mit meiner zwar alten, aber frisch gewachsten Skating-Ausrüstung auf den Weg nach Zweisimmen. Ob die «Ski-OLer» auch so unkomplizierte, freundliche Menschen sind wie die Fuss-OL-Athleten? Keine Frage: Sie sind es! Als ich im Bus zum Wettkampfstart sass, kam ich zufällig in eine äusserst nette Runde von älteren Herren zu sitzen. Wie ich im Laufe der Fahrt erfuhr, handelte es sich um erfahrene Ski-OL-Athleten, die regelmässig im In- und Ausland an Wettkämpfen starten – und oft auf dem Podest ihrer Altersklasse landen.

Was muss man als Anfänger im Ski-OL wissen?
«Was sollte eine Anfängerin wie ich zum Ski-OL wissen?», fragte ich in die gesellige Runde. Alle waren eifrig bemüht, mir meine Fragen zu beantworten. Die meisten Tipps erhielt ich vom gutgelaunten Hansruedi Häny, einem Experten in Sachen Jugend+Sport und Ski-OL, wie sich später herausstellte. «Immer erst dann hinabfahren, wenn du dir mit der Route ganz sicher bist! Je nach Schneebeschaffenheit und Sicht kann nämlich das ‹Hinauftännle› extrem kräftezehrend und zeitraubend sein!» Seine Kollegen halfen nach: «Lieber einen Umweg auf einer normalbreiten Loipe laufen, als eine vermeintliche Abkürzung durch den Tiefschnee ‹schneiden›; jedenfalls bergauf.» Und: «Schmale Schneetöffspuren nach Möglichkeit von oben her begehen, auch wenn das einen Umweg erfordert. Denn hinauf kann man die engen Spuren kaum im Skating-Schritt belaufen.»

Derart vorgewarnt, machte ich mich an den Start. Beim Anlegen des Kartengestells standen mir die Gebrüder Jordi – sie zeichneten für die Wettkampfbahnen verantwortlich – zuvorkommend zur Seite. Und dann gings auch schon los. Beim ersten Blick auf die Karte wurde mir leicht schwindlig. Die Sparenmoos-Langlaufloipe, die ich von früher kannte, sah plötzlich ganz anders aus. Da waren unzählige Loipenspuren eingezeichnet: dicke, breite wie auch dünne gestrichelte. Sie schienen sich in allen Richtungen zu überkreuzen und gegenseitig zu umrunden! Schon die erste Abzweigung verlangte mir allerhöchste Konzentration ab: Da kreuzten sich sechs grüne Spuren auf der Karte. Während man sich vom Fuss-OL gewohnt ist, dass breite Wege in der Natur leicht erkennbar sind, schaut das bei weissem Schnee und diffusen Lichtverhältnissen ganz anders aus. Da muss man wirklich zwei Mal in die weisse Landschaft hinschauen, um jedes Loipenstück im unendlichen Weiss zu erkennen. Heieiei, nicht einfach! Aber ich redete mir selber gut zu und hielt mich an Herrn Hänys Ratschläge: «Immer erst dann weiterfahren, wenn du ganz sicher bist. Loipen nur dann schneiden, wenn es leicht bergab geht!»

Zwischen Verzweiflung und Glücksgefühlen
So arbeitete ich mich langsam aber stetig von Posten zu Posten vor. Zwischendurch war ich beinahe verzweifelt, weil ich auf engen Schneetöffspuren mit den Skispitzen im Pulverschnee steckenblieb oder nach hinten wegrutschte. Gelegentlich kämpfte ich gleich im doppelten Sinn darum, mich im Pulverschnee «aufzufangen». Aber dann gab es immer wieder Momente, in denen ich total euphorisch lief und wie unter Drogen stand. Etwa, wenn ein Posten ganz problemlos anzulaufen war oder als nach einem kurzen Schneeschauer plötzlich die Sonne durchkam und eine grandiose Sicht auf die Berner Oberländer Bergwelt zuliess.

Obwohl ich am Ende verständlicherweise sehr viel Zeit mit dem Kartenlesen und Orientieren im weissen Gelände verlor, fühlte ich mich am Ziel-Posten und beim Auslesen wie im siebten Himmel, da ich meine Bahn D40 tatsächlich geschafft hatte.

Mein Fazit? Auch wer wie ich wenig Erfahrung im OL hat und sich auf den Langlauf-Ski nur mässig begabt aufführt, sollte sich unbedingt einmal unter die euphorisierende Glücksdusche eines Ski-OLs begeben. Die Hochstimmungen, welche sich beim Ski-OL einstellen, stehen jenen in anderen Ausdauersportarten in Nichts nach!