Artikel - FIT for LIFE Magazin

Mit Fell oder Schuppen?

Klassisch Langlaufen: Praxistest mit dem Kästle RX10 Classic Skin

Wie verhält sich ein klassischer Langlaufski mit Felleinsatz gegenüber einem Ski mit Schuppen? Wo liegen die Vor- und Nachteile? Welche Pflege ist nötig? Ein Praxistest.

Daniel Tauss von Strubel Sport Lenk bietet den RX10 Classic Skin auch zum Vermieten an.
Der RX10 Classic Skin von Kästle beim Skitest in der Loipe.

Eines gleich vorweg: Hier geht es nicht darum, Klassisch-Langlaufski mit Fellen gegen jene mit Schuppen auszuspielen. Vielmehr stehen im Praxistest folgende Frage im Vordergrund: Wie unterscheiden sich die beiden Skitypen? Gibt es spürbare Unterschiede? Wie sieht es mit der Pflege aus? Welche Athleten profitieren?

Der Praxistest fand mit einem (zugegeben, etwas älteren Paar, aber frisch gewachsten) Schuppenski aus dem Hause Fischer und dem Kästle RX10 Classic Skin, einer Marktneuheit im Winter 2020, auf der Langlaufloipe Lenk im Simmental statt. An drei Tagen mit unterschiedlichen Witterungsbedingungen (+ 2 Grad am Vormittag mit wenig Neuschnee / + 9 Grad am Nachmittag mit Föhn und Sonnenschein / -3 Grad am frühen Morgen) wurden jeweils kurz hintereinander sowohl die Fellski wie auch die Schuppenski auf einem identischen Loipenabschnitt gefahren. Getestet hat mit FIT for LIFE-Redaktorin Regina Senften eine begeisterte Klassisch-Langläuferin, die aber auch gerne auf Skatingski unterwegs ist.

Spürbare Unterschiede zwischen Fell und Schuppen
• Der Fellski weist deutlich bessere Gleiteigenschaften auf, egal, ob die Loipe steinhart gefroren oder sulzig warm ist; das Gleiten in der Spur fühlt sich einfach flüssiger und leichter an.
• Der Fellski zeigt in eisig gefrorener Loipe am frühen Morgen den leicht griffigeren Abstoss, während der Schuppenski allzu oft schlicht durchrutscht.
• Bei wärmeren Temperaturen weisen beide Langlaufski einen perfekten Gripp beim Abstoss auf.
• Der Fellski ist geräuscharmer als der Schuppenski.
• Wer zwischendurch einmal in den Skatingschritt wechselt (Überholmanöver, steiler Anstieg), stellt fest, dass der Fellski deutlich weniger seitlich wegrutscht als der Schuppenski.
• Die Nase hat der Schuppenski vorn, wenn es um Schneewechsel geht, etwa bei Strassenübergängen, Loipenkreuzungen. Wer in voller Geschwindigkeit von der Loipe in einen Schneehaufen fährt, wird auf dem Fellski abrupt abgebremst, während ein Schuppenski linear an Geschwindigkeit verliert.
• Preislich kommen klassische Schuppenski derzeit leicht günstiger als Fellski.

Fellpflege bei klassischen Langlaufski
Betreffend Langlebigkeit, Fellpflege und sonstige Behandlung gibt Daniel Tauss, langjähriger Geschäftsinhaber von Strubel Sport Lenk, detailliert Auskunft. «Wie jeder Ski – Schuppen, Alpin, Touren – müssen auch beim Fellski die Gleitzonen regelmässig gewachst werden, damit der Belag genährt und die Poren gefüllt sind. Ansonsten ist ein Fellski genauso unkompliziert wie ein Schuppenski: Nach dem Laufen Ski auseinandernehmen und trocknen lassen, fertig.» Der begeisterte Mountainbiker und Berggänger nennt einen weiteren Vorteil des Fellski: «Wenn das Fell nach rund 1000-1500 km abgefahren ist, was natürlich ganz vom Laufstil und den jeweiligen Loipenverhältnissen abhängt, lässt es sich problemlos vom Fachmann austauschen.» Während Marken wie Atomic mehrere Felleinsätze zum Wechseln verkaufen, sieht der Kästle-Ski nur einen Felleinsatz vor. «Ich habe den Eindruck, dass auswechselbare Felleinsätze eher eine Nische und nichts für die breite Masse sind. Das Handling ist schlicht zu aufwendig.» Wie sieht es beim Fellski mit Stollen aus? «Es gibt gelegentlich Witterungsbedingungen, bei denen der Schnee am Fell klebt. Dagegen hilft beispielsweise eine Fellimprägnierung von Toko. Die gleiche Marke führt auch einen Fellreiniger im Sortiment, mit denen das Fell von Wachsrückständen in der Loipe befreit werden kann.»

Warum noch beim Schuppenski bleiben?
Fachmann Daniel Tauss aus dem Berner Oberland ist nicht der Meinung, dass nun jeder Langläufer, jede Langläuferin zwingend auf Fellski wechseln muss. «Sportliche, dynamische Läufer, die keine Lust auf stundenlanges Präparieren und Wachsen habe, werden an einem schnittigen, agilen Fellski wie dem neuen Kästle RX10 Classic Skin sicherlich viel Freude haben. Ältere Menschen, die eher im Bereich Skiwandern unterwegs sind und gerne einen etwas breiteren, stabileren Ski unter den Füssen spüren, rate ich, bei den Schuppen zu bleiben.»
Den Kästle RX10 Classic Skin gibt es in den Längen 188, 196 und 204 cm mit Sidecut 41/44/44 und Gewicht 470g (bei Länge 188cm).

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