Midi auf dem Vita Parcours

Die sportliche Freizeit eines Komikers

Was macht ein Stand-up Comedian mit seinen Kindern auf dem Vita Parcours? Lesen Sie selbst, was Midi Gottet zu erzählen hat!

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Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen, mit meinen Kindern auf einen Vita Parcours zu gehen. Aber für kreative Vorschläge, um meine sportliche «Freizeit» totzuschlagen, ist ja die «hilfreiche» Redaktion von FIT for LIFE zuständig. Also packte ich meine beiden Kinder Cosmo und Avery und fuhr mit ihnen zum Vita Parcours oben beim Zürcher Zoo. Cosmo bestand darauf, seinen Winnie Pooh mit auf den Parcours zu nehmen. Tja, was immer den Jungen vom Schreien abhält, ist für mich okay. Wir teilten noch eine Banane, um den fiesen Hungerast fernzuhalten und machten uns dann guten Mutes auf den Weg zum ersten Posten. Dort dehnten wir uns mal deftig, genau so, wies die Tafel von uns verlangte. Die Sonne schien und die Moral der Truppe war hoch. Lachend kamen wir beim zweiten Posten an. Verschiedene Beweglichkeitsübungen standen an. Bei der Fussschaukel und den Hüpfübungen hatten die Kleinen Spass, doch beim parallelen Armschwingen in grossen Achterschlaufen bestand plötzlich grosse Gefahr, dass sie sich gegenseitig die Milchzähne aus den Kindsköpfen schlagen. Also brach ich die Übung ab und wir gingen weiter. Avery rannte, wie von der Tarantel gestochen, zur nächsten Tafel. Cosmo und ich joggten locker hinterher.
Froschhüpfen übers Rundholz war angesagt. Das konnten die beiden Kängurus natürlich sehr gut. Dann aber fiel Winnie Pooh auf den Waldboden und wurde etwas schmutzig. Cosmos Partylaune drohte zu kippen. Erst als ich ihm versicherte, dass wir bei jedem Stopp einen sicheren Platz für Winnie Pooh suchen, erhellte sich sein Gemüt wieder. Und weiter gings durch den schönen Frühlingswald. Avery war als Erste bei den Reckstangen. Ich platzierte Winnie Pooh, hängte die Kinder an die Stange und wartete unten darauf, dass sie wie Fallobst wieder in meine Arme fallen. Dies wiederholten wir ein paar Mal, dann war ich dran. Nach 3 ½ Klimmzügen war die Vorstellung beendet. Zu Hause schaffe ich aber mindestens 7! Ich gab meinen schweren Turnschuhen die Schuld. Den Kindern kann man ja alles erzählen. Averys Schritt wurde jetzt schwerer und auch Cosmo lahmte etwas. Bei Posten 5 gings wieder um Beweglichkeit. Für den Hohlrücken-Rundrücken konnte ich die Kids noch begeistern, weil das die Kätzchen auch machen, aber für die anderen Übungen fielen mir keine Metaphern ein und prompt kam Cosmos Reaktion: «Du Papi, ich wett jetzt wieder hei.» Die Jugend von heute hat einfach kein Durchhaltevermögen mehr. Als ich ihm sagte, dass das nicht geht, ging die Quengelei los. Jedes Wort wurde nun stossweise betont: «Ich! mag! aber! nüme! laufe!» Er begann mit den Beinchen zu stampfen (dafür hatte er noch extrem viel Energie), was meistens der Vorläufer eines ausgedehnten Tobsuchtsanfalls ist. Schnell bot ich ihm an, dass er zu jedem zweiten Posten huckepack auf mir reiten darf. Überraschenderweise willigte er ein. Es lebe die Diplomatie.
Wir galoppierten eine Station weiter zu den Ringen. Dran hängend mussten wir die Beine anziehen. Die Kinder machten das prima, nur bei mir zitterte etwas der Käse über dem Tessinerbrötchen. Eins weiter wartete der Barren auf uns. Avery kennt das Gerät aus der Turnstunde und machte die Stützund Schwingübungen gut mit. Cosmo musste aussetzen, denn die beiden Holme waren zu weit auseinander für den Kleinen. Aber dafür durfte er jetzt ja wieder auf seinem Gaul reiten. Langsam ging die Huckepack-Geschichte in die Beine. Von Averys Sprinter-Euphorie war auch nichts mehr übrig. Dennoch steppten, stemmten und hüpften wir uns durch die Posten 8, 9 und 10. Cosmo hatte jetzt gar keine Lust mehr auf Sport und suchte stattdessen Regenwürmer. Während ich ihn, Winnie Pooh und einen Regenwurm eine lange Treppe hochschleppte, erreichten wir die letzten paar Posten. Der Sportsgeist der Kinder erwachte wieder und locker balancierten sie über das Zickzackholz und liefen im Slalom dem Ziel entgegen. Trotzdem: Der Einzige, der bei diesem Vita Parcours so richtig ins Schwitzen kam, war ich – aber das war ja wohl die Absicht der «lieben» Redaktion.

www.midigottet.ch

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