Leistungsvermögen der Schweizer Leichtathletik

Je mehr Athleten, desto mehr «Perlen»

Die EM im August hat in der Schweizer Leichtathletik ein Hoch ausgelöst. Doch ein Vergleich mit der Vergangenheit zeigt, dass die Leistungen in den meisten Disziplinen schlechter geworden sind.

Copyright: Zuerich2014

Ein Blick auf die Europabestenliste der Jahre 1984 und 2013 zeigt, dass die Schweizer auch im europäischen Vergleich nachgelassen haben. 1984 waren vier in der Europa-Bestenliste unter den Top 10: Markus Ryffel (1. 5000 m), Pierre Délèze (3. 1500 m), Franz Meier (9. 400 m Hürden) und Marcel Arnold (10. 400 m), 2013 war es nur ein einziger: Marathonmann Viktor Röthlin als Fünfter.

Warum sind bei den Männern die meisten Leistungen schlechter als vor 30 Jahren und auch bei den Frauen die Mehrheit nicht so gut wie früher? In der gleichen Zeitspanne machte die Weltspitze ja erneut einen grossen Schritt nach vorne.

Einer, der die Gründe für die Stagnation kennt, ist Peter Haas. 1979 war der Basler mit 49,83 Sekunden die Nummer eins der Schweiz über 400 m Hürden, er war EM- und Olympiateilnehmer. 1992, 1996 und 2000 war er Olympiacoach, danach Delegationschef Leichtathletik. Seit zehn Jahren ist Haas bei Swiss Athletics vollamtlicher Chef Leistungssport. «Die Leistungsdifferenz zwischen damals und heute hat kaum etwas damit zu tun, dass heute weniger hart oder falsch trainiert wird, sondern vielmehr mit der Tatsache, dass wir damals viel mehr Athleten hatten. Je mehr Athleten, desto grösser ist die Chance, dass ein paar Perlen darunter sind.»

Haas verweist dabei auf eine Studie, die sein Mitarbeiter David Zumbach durchgeführt hat. Der einstige Hochspringer und Doktorand der Politikwissenschaft hat die Bestenlisten von 1979 bis 2013 unter die Lupe genommen und verglichen, wie viele Athleten in den jeweiligen Jahren die EM-Limiten für Zürich 2014 erfüllt hätten. Diese Zahlen hat er in Relation zur Anzahl der Lizenzierten gesetzt. Er kommt zum Schluss: «Das Leistungsvermögen der Schweizer Leichtathletik ist in hohem Masse mit der Grösse der Athletenbasis assoziiert.» Hinzu kommen laut Zumbach «leistungsfreundliche Faktoren in den achtziger Jahren; das war die Blütezeit der Schweizer Leichtathletik. Auch die bevorstehende EM im eigenen Land hat jüngst einen Schub gebracht.»

Am meisten lizenzierte Männer und Frauen hatte der Leichtathletik-Verband 1980 mit 5826 (5150/676). 1984 waren es 5751 (4947/804). 1993 lag die Zahl erstmals unter 5000, und dann gings immer weiter bergab: 1996 unter 4000, 1999 unter 3000, 2004 unter 2000. Der Tiefpunkt wurde 2011 mit 974 Männern und 501 Frauen erreicht. Zuletzt stieg die Zahl immerhin wieder leicht auf 1584 (1057/527).

› Download der Studie von David Zumbach Lizenzzahlen und Leistungsvermögen

News teilen