Laufschuhe kaufen

Grundlagenwissen

Unser Fusstyp und das Einsatzgebiet entscheiden in erster Linie darüber, welchen Laufschuhe wir brauchen und wie bzw. wo der Schuh stützen oder dämpfen muss.

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So unterschiedlich wie wir Menschen, so verschieden sind unsere Füsse. Deshalb ist es wichtig, den idealen Schuh zu finden. Füsse sind nicht einfach Füsse. Sie bestehen zwar alle aus 28 Knochen, fast ebenso vielen Gelenken, 20 Muskeln und 114 Bändern, doch dann hört die Gemeinsamkeit bereits auf. Jeder Fuss ist so einmalig wie die Trägerin und zuerst stellt sich die Frage, ob der eigene Fuss ein gesunder, normaler Fuss ist, oder ob es sich um einen Senk- oder Hohlfuss handelt. Der Normalfuss ist in unserer Gesellschaft leider schon lange nicht mehr der Normalfall, nur noch jeder vierte Mensch kann von sich behaupten, Normalfüsse zu haben. Unser Fusstyp entscheidet darüber, wie der Laufschuh idealerweise gebaut sein muss, also wie stark und vor allem auch wo der Schuh stützen oder dämpfen muss.

Normalfuss
Beim Normalfuss beginnt der Fuss nach der Landung leicht zu pronieren, das heisst er knickt nach dem Aufprall leicht nach innen ab. Dieses Abdrehen, die sogenannte Pronation, wirkt für den Fuss und die Aufprallbewegung als natürlicher Stossdämpfer. Weil eine normale Fusswölbung elastisch ist - solange die beteiligten Muskeln nicht ermüdet sind - kann es unter Belastung einsinken und sich danach auch wieder aufrichten. Diese Abrollbewegung ist natürlich und ideal. Nicht umsonst besitzen gesunde Füsse eine Längs-und Querwölbung, die durch Muskeln und Sehnen, aber auch durch die Anordnung der Knochen unter Spannung gehalten werden.

Senkfuss
Bei rund 70% der Läufer ist die normale Pronation zu stark, man spricht von einer Überpronation. Diese Läufer besitzen einen Senkfuss (Plattfuss). Die Längswölbung ist eingesunken, der Fuss knickt übermässig nach innen ab. Ist auch die Querwölbung unter dem Vorfuss eingebrochen, spricht man von einem Spreizfuss. Häufig treten diese zwei Schwächen in Kombination auf, dem sogenannten Senk-Spreizfuss.

Hohlfuss
Beim Hohlfuss sinkt die Fusswölbung im Gegensatz zu den Überpronierern zu wenig ein. Der Fuss ist versteift und kaum biegsam. Das harte Auftreten auf Ferse und Vorfuss kann nur schwach abgefedert werden, so dass die Abrollbewegung auf der Aussenseite der Sohle verläuft. Läuferinnen mit einem Hohlfuss haben häufig O-Beine, was die falsche Abrollbewegung noch verstärkt.

Für jeden Einsatz die richtige Wahl
Nicht nur der Fusstyp, auch der Einsatzort entscheidet über den passenden Laufschuh. Laufschuhe können in folgende Kategorien unterteilt werden:

Leichte Trainingsschuhe
Die am schnellsten wachsende Laufschuhgruppe der vergangenen Jahre. Trotz Leichtbauweise und reduzierten Dämpfungs- und Stützeigenschaften zielt diese Kategorie immer mehr auf den Massenmarkt. Bei den Leichtgewichten ist die Aussensohle etwas dicker als bei den minimalistischen Barfussmodellen, dazu sind sie mit einer Fersen- und teilweise auch Vorfussdämpfung ausgestattet, sie besitzen gewisse stabilisierende Elemente im Schuh sowie eine hohe Flexibilität im Mittel- und Vorfuss. Leichtgewichte ohne bestimmte Kennzeichnung sind für Normalfüsse konstruiert und sollen dem Läufer eine natürliche Abrollbewegung ermöglichen (daher werden Sie von zahlreichen Herstellern auch als «Natural-Running»-Schuhe bezeichnet).

Neutrale Trainingsschuhe
Neutrale Trainingsschuhe (Allroundschuhe) sind mit einer guten Dämpfung, einem robustem Obermaterial und nur wenigen Stabilisationselementen ausgestattet. Sie bieten einen guten Kompromiss zwischen Stabilität, Dämpfung, Führung, Robustheit und Flexibilität. Sie lassen ein leichtes Abrollverhalten zu, bieten dennoch einen guten Halt und sind nicht zu massiv. Der «Allrounder» ist für Läufer mit Normalfüssen und für Läufer gedacht, die nur einen Schuh einsetzen möchten.

Schuhe mit Pronationskontrolle
Schuhe mit einer Pronationskontrolle (auch Stabilitätsschuhe genannt) sind entweder für schwere Läufer oder für Überpronierer geeignet, die bei der Landung zu stark nach innen abknicken. Sie bieten durch die (teils massiven) Pronationsstützen maximale Bewegungskontrolle, sind dafür aber im Mittelfuss weniger flexibel als leichter gebaute Schuhe. Stabilschuhe sind meist auf einem fast geraden Leisten aufgebaut und besitzen dadurch nur eine schwache Taillierung auf der Schuhinnenseite.

Wettkampfschuhe
Bei Wettkampfschuhen wird überall abgespeckt. Sie sind extrem leicht, bieten aber kaum Dämpfung, Stabilität und Führung. Sie können sich für gut trainierte Läufer anbieten, die einen problemlosen Fuss besitzen, häufig Wettkämpfe bestreiten und technisch gut laufen. Für schwere Läufer und solche mit problematischen Füssen sind Wettkampfmodelle nur bedingt zu empfehlen. Durch die Leichtbauweise ist die Lebensdauer von Wettkampfschuhen eingeschränkt (rund 300–600 km).

Trailschuhe
Trailschuhe gibt es in allen Varianten vom leichten Rasenflitzer bis hin zum stabilen Geländeschuh, der auch im Hochgebirge auf Schotter getragen werden kann und wasserabweisend oder gar wasserdicht ist. Trailschuhe unterscheiden sich von normalen Trainingsschuhen in erster Linie durch den Aufbau der Zwischensohle (möglichst direkter Bodenkontakt und wenig Dämpfung, geringe «Sprengung»), das robuste Material der Oberhülle wie auch durch eine stark profilierte Aussensohle.

Barfussschuhe
Eine relativ neue Kategorie, die in letzter Zeit gewaltig Aufschwung erhalten hat. Beim Barfusslaufen nutzt der Körper wie ein intelligenter Stossdämpfer alle seine natürlichen und aktiven Dämpfungsmechanismen, um die verschiedensten Bodenverhältnisse meistern zu können. Reinrassige Barfussschuhe wollen dem Fuss das natürliche Barfusslaufen ermöglichen und bieten ihm daher ausser einer schützenden Hülle und einer griffigen Sohle möglichst wenig. Also keine oder kaum Dämpfung, keine Stützen, kein Fussbett! Die Folge: Die Füsse müssen selber arbeiten, wodurch die Fussmuskulatur gefordert und gestärkt wird. Als Vorreiter der Barfussschuh-Generation gilt der Nike Free, der allerdings ein anderes Konzept aufweist als reinrassige Barfussschuhe. Beim Nike Free ist die Aussensohle in zahlreiche bewegliche und elastische Einzelelemente aufgeteilt. Durch die spezielle Sohlenkonstruktion wird die Fussmuskulatur aktiviert. Barfusschuhe bieten eine wertvolle Kräftigungsalternative, Läufer mit Problemfüssen sollten sich allerdings sorgfältig an die spezielle Belastung herantasten.

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