Langdistanzschwimmer Ernst Bromeis meistert den Rhein

Von der Quelle bis zur Mündung

Nach 1247 km im Rhein hat der Bündner Ernst Bromeis am 20. August 2014 die Mündung in Hoek van Holland erreicht. Seit dem 7. Juli war er unterwegs, um für das Menschenrecht auf sauberes Wasser zu werben.

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Das blaue Wunder

Bromeis legte seit dem Start am 7. Juli eine Gesamtstrecke von 1247 Flusskilometern ohne Transportmittel zurück. Abschnitte, die er nicht schwimmen konnte oder durfte, umging er konsequent zu Fuss. Dabei kämpfte er mit schlechten Wetterbedingungen, tiefen Temperaturen und Hochwasser.

Nach fünf Tagen bei Wassertemperaturen unter 10 Grad erreichte er den Bodensee, wo ihn ein steifer Gegenwind begrüsste. Vor Basel wurde er ein erstes Mal wegen Hochwasser blockiert, in Iffezheim bei Baden-Baden sass er eine geschlagene Woche fest, bevor er eine für Schwimmer gesperrte Strecke mit einem 65 Kilometer langen Fussmarsch umging. Zwischen Arnheim und Krimpen aan de Lek schwamm er gegen einen steifen Gegenwind mit hohen Wellen und von Rotterdam bis Hoek van Holland musste er am Dienstag erneut eine Strecke von über 30 Kilometern zu Fuss gehen, weil ein Schwimmen im Hafen selbst für einen professionellen Schwimmer zu gefährlich und daher verboten ist. Insgesamt musste er damit rund 200 Kilometer zu Fuss gehen.

Das härteste Stück seiner Unternehmung
«Der Start war hart!», meint Ernst Broemis im Nachhinein. «Das Hineinspringen in dieses grosse Projekt voller Ungewissheiten war eine enorme Herausforderung. Die Angst, dass das Vorhaben vielleicht wieder nicht aufgeht und der Respekt davor, sich erneut zu exponieren. Das Eintauchen in eine andere Welt, wochenlang ohne Familie. Sportlich waren wohl die letzte Tage in der Ebene zwischen Arnheim und Rotterdam die härtesten. Der Gegenwind mit Stärke 6, die hohen Wellen und die nicht enden wollenden Geraden waren echte Knochenarbeit - mental und körperlich.»

Mit dem Rhein, nicht gegen ihn
Ernst Bromeis war bereits im Mai 2012 zu seiner Rhein-Expedition aufgebrochen, musste da Projekt aber vorzeitig beenden. Warum es diesmal geklappt hat? «Ich hatte das Gefühl, mit dem Fluss zu schwimmen und nicht gegen ihn. Wir hatten von Anfang an keinen fixen Zeitplan und keine fixen Etappen, wir wussten morgens nicht einmal, wo wir zu Mittag essen würden. Das gab uns die Flexibilität, mit dem Fluss, dem Wetter und später auch mit den Gezeiten zu gehen. Der Rhein ist ein mächtiger Gastgeber - er lässt sich nicht in einen Plan zwängen.» Dass er es diesmal schaffen würde, war erst am zweitletzten Tag klar. «Erst in Rotterdam wusste ich, dass ich es schaffen werde - keinen Meter vorher. Ich lebte immer in der Gewissheit, dass jeden Moment etwas passieren kann. Mal habe ich meine Schultern gespürt oder den Meniskus beim stundenlangen Brustschwimmen. Jederzeit hätte etwas passieren können.»

Mit seiner Initiative «Das blaue Wunder» ist Bromeis seit 2007 als Wasserbotschafter tätig. 2008 durchquerte er schwimmend 200 Seen in seinem Heimatkanton Graubünden und 2010 die grössten Seen jedes Schweizer Kantons. 2012 hatte er zum ersten Mal versucht, den Rhein von der Quelle bis zur Mündung zu durchschwimmen. «Meine Schwimm-Expeditionen schaffen die Öffentlichkeit, die ich brauche, um als Wasserbotschafter gehört zu werden. Der nachhaltige Umgang mit Wasser und das noch immer für sehr viele Menschen unerreichte Menschenrecht auf sauberes Wasser sind seit Jahren meine zentralen Anliegen.»

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