Kompressionsbekleidung

Mehr Druck soll die sportliche Leistung optimieren

Ob, wann und bei welchen sportlichen Belastungen sich ein erhöhter Druck wie auswirkt, ist äusserst umstritten. Handfeste Beweise fehlen.

Copyright: Swiss-Image

Der verstärkte Druck auf den Körper soll die Blutzirkulation anregen und dadurch mehr Sauerstoff durch die jeweiligen Körperstellen transportieren, wodurch als Folge eine allfällige Leistungssteigerung, verbesserte Sauerstoffzufuhr, erhöhte Körperstabilität, weniger Muskelkater oder schnellere Regeneration diskutiert werden. Vielleicht sollte man für einmal den Spiess umdrehen und fragen: Was schadet Kompressionsbekleidung? Die Antwort: Nichts, wenn man sich darin wohlfühlt! Und genau dies ist wohl der wichtigste Grund, weshalb Kompressionsbekleidung auch viele Jahre nach ihrer Lancierung immer noch derart beliebt ist. Viele Sportlerinnen und Sportler fühlen sich schlicht wohl in Kompressionsbekleidung und versprechen sich darin gar nicht zwingend einen Leistungsvorteil. Lassen wir die Wissenschaft daher ausnahmsweise aussen vor und versuchen, mögliche Vorteile und Schwachstellen aus praktischer und subjektiver Sicht zu differenzieren:

Tragekomfort: Kompressionsbekleidung presst die Muskulatur zusammen, der straffe Sitz verleiht den Eindruck, dass alles an seinem Platz ist. Viele Läufer empfinden dadurch das Laufgefühl angenehmer und die Schläge beim Bodenaufprall als weniger hart als mit normaler Bekleidung.

Optik: Unvorteilhafte Körperstellen werden durch Kompressionsbekleidung – vor allem im Oberschenkel- und Oberkörperbereich – in eine optisch wohlwollende Form gebracht. Oder anders ausgedrückt: Kompressionsbekleidung macht unsere Figur sportlicher, als sie ist, was schlussendlich allen schmeichelt.

Schutz: Gerade bei Outdoorsportarten über Stock und Stein bieten dichtgewobene Kompressionssocken oder auch Tights einen Schutz vor Kratzern und Kälte, den gewöhnliche Laufsocken und Shorts nicht gewährleisten.

Körperhaltung: Der Druck auf die Haut sorgt bei vielen Trägern für eine verbesserte Körperwahrnehmung und eine aufrechtere Haltung. Ähnlich wie bei Kinesiotapes wird versucht (z. B. mit partieller Kompression und Kompressionsstreifen in der Bekleidung), dieses propriozeptive Element für eine verbesserte Haltung und ökonomischere Bewegungsausführung sportartenspezifisch gezielt einzusetzen.

Thermoregulation: Für die Schweissaufnahme bzw. Thermoregulation ist ein Anliegen der Faser am Körper grundsätzlich günstig. Fasern von Kompressionsbekleidung müssen diesbezüglich aber Kompromisse eingehen, weil sie nicht beide Funktionen (Kompression und Thermoregulation) gleich gut erfüllen können. Nicht zuletzt dadurch wurde die partielle Kompression erfunden, die beiden Faktoren Rechnung tragen will.

Fazit: Wer sich in seiner Sportbekleidung wohl fühlt, ist motiviert und fokussiert, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man sein Leistungsvermögen auch wirklich abrufen kann. Ob mit oder ohne Kompressionsbekleidung, wissenschaftlich bewiesen oder als Placebo, ist schlussendlich gar nicht so wichtig.

News teilen