Kompressionsbekleidung von Skins im Test

So urteilen FIT for LIFE-Leser

Wie fühlt sich das Laufen in Kompressions-Stulpen an? Welche Wirkung zeigen Recovery-Tights? FIT for LIFE-Leser haben Kompressionsbekleidung der Marke Skins getestet.

Martin R. an der Challenge Roth 2014
Trainingsoutfit von Martin B.
Karin K. beim Lauftraining
Velotraining und Regeneration mit Michael K.

Studien behaupten, dass Kompressionsbekleidung eine verbesserte Durchblutung verspricht, die Muskelvibration verringert, einen schnelleren Rückfluss des venösen Blutes zum Herz garantiert und dadurch die schnellere Regeneration nach sportlichen Leistungen fördert. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Erleben ambitionierte Breitensportler diese Effekte tatsächlich?

Die FIT for LIFE-Leser Karin, Martin R., Martin B. und Michael haben während zweier Monate je eine Tight aus der Skins-Recovery-Linie von Skins und eine Calf Tight MX von Skins in Training und Wettkämpfen getestet. Die Testurteile im Überblick:

Testbericht von Karin K.
Ich bin 45 Jahre alt, Triathletin (olymp. Distanz) und Läuferin (10 km bis Marathon) und trainiere zwischen 5 und 15 Stunden pro Woche. Diese zuweilen grossen Unterschiede sind abhängig von den Radeinheiten, die zum Teil um die 100 km lang und wetterabhängig sind. Meine Stärken sind das Schwimmen und das Radfahren, das Laufen ist deutlich schwächer. Meine Regenerationsfähigkeit innerhalb einer Trainingseinheit (Intervalle) stufe ich als gut ein (Puls sinkt sehr schnell und deutlich ab). Nach intensiven (Lauf-)Einheiten merke ich, dass die Trainingseinheiten in den nächsten zwei Tagen (häufig Rad oder Schwimmen) eher lustlos und nicht zielorientiert ablaufen. Dies hat zur Folge, dass ich meine starken Disziplinen häufig nur regenerativ trainiere und keine Akzente setzen kann. Mich hat interessiert, ob ich mit Kompressionskleidern die Regeneration dahingehend verbessern könnte, dass ich nach intensiven Laufeinheiten schneller wieder erholt bin.
Die Calf Tights habe ich nun beim Laufen öfters getragen, konnte aber während oder nach dem Lauf nie sagen, ob ich eine Wirkung verspürt habe oder nicht, denn ich wusste ja nie, wie es ohne gewesen wäre. Also trug ich für ein paar Trainings nur jeweils einen Calf, und zwar mal rechts oder links, um allfällige Unterschiede, die in meiner Anatomie begründet sind, auszuschliessen. Insbesondere beim Lauf durch die Tüfelsschlucht (ob Hägendorf), mit einigen knackigen Steigungen stellte ich fest, dass das Brennen in jenem Wadenmuskel, wo ich den Calf trug, deutlich stärker war. Hingegen hat der leichte Muskelkater, der wohl vom anschliessenden Runterjoggen stammte, keinen Unterschied zwischen links und rechts gemacht. Ich überprüfte meine Beobachtung mit einem weiteren Bergtraining mit dem Calf auf der anderen Seite: Und wieder stellte sich das Brennen da deutlicher ein als auf dem nackten Bein. Auf der Ebene konnte ich keinen Unterschied feststellen, ob mit oder ohne, links oder rechts. Es fühlte sich während und danach auf beiden Seiten gleich an.
Die Calf Tights sind ganz angenehm zu tragen und haben einige angenehme Zusatznutzen. Sie schützen z.B. vor Brombeerranken und Brennnesseln und vor Wind. Wie sie bei Hitze zu (er-)tragen sind, konnte ich wegen des schlechten Wetters in diesem Sommer nicht testen. Ob sie hip aussehen, versuchte ich durch eine kurze, nicht repräsentative Umfrage in der Damengarderobe unseres Laufvereins herauszufinden. Denn (zumindest bei den Frauen) ist es ja so, dass etwas keinen Nutzen haben muss, wenn es chic aussieht. Hingegen muss etwas einen sehr grossen, deutlichen Nutzen aufweisen, wenn es nicht attraktiv aussieht. Das Resultat fiel gemischt aus. Einig waren wir uns: je kürzer die Beine, desto weniger attraktiv sehen die «Kniestrümpfe» aus. Und zwar unabhängig ob an Männer- oder Frauenbeinen.
Die Regenerationstights zog ich jeweils nach meinen langen Radtouren mit vielen Höhenmetern an. Obwohl sie eng sind und mir normalerweise nach solch langen Trainings in Radhose mehr nach locker-luftig zumute ist, trägt sich die Hose angenehm. Ein leichtes, angenehmes Kribbeln in den Beinen vermittelte mir den Eindruck: Da passiert etwas! Ich habe auch versucht, eine Nacht in ihnen zu schlafen - ich habe sie allerdings um 4 Uhr ausgezogen, zu ungewohnt waren die langen und engen Hosenbeine. Ich schätze aber, daran kann man sich gewöhnen.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Calf Tights und/oder die Regenerationstights auf bzw. nach den langen Trainings einen deutlich spürbaren Nutzen bringen würden. Obwohl ich zur Zeit nicht auf einen Marathon trainiere, machte ich mich also auf einen langen Lauf, um zu testen: Ich zog die Calf Tights an und lief los: Nach ungefähr einer Stunde Laufen versuchte ich einzuschätzen, wie schnell ich ungefähr unterwegs war und verglich dann mein Empfinden mit den Angaben auf der Laufuhr: Ich war 20 Sekunden pro Kilometer schneller unterwegs als vermutet. Nach einer weiteren halben Stunde – mein Bewegungsablauf fühlte sich immer noch erstaunlich locker und leicht an, mein Motor lief tadel- und mühelos – machte ich denselben Check noch einmal: Immerhin noch 10 Sekunden schneller als angenommen. Die letzten Kilometer brachte ich zwar nicht mehr ganz so easy hinter mich, ich konnte aber das Tempo gut halten. Inwiefern dieser erstaunliche Unterschied auf die Calf Tights zurückzuführen sind, kann ich schwer beurteilen. Ich werde sie jedenfalls weiterhin auf den langen Trainings tragen und dann, wenn sich dieser Effekt bestätigt, auch bei den Wettkämpfen über Distanzen ab Halbmarathon einsetzen.
Fazit: Meine ursprüngliche Fragestellung, ob ich schneller erholt bin, um an Tagen nach intensiven Laufeinheiten besser trainieren zu können, konnte ich nicht beantworten. Zu diffus und uneinheitlich waren die Empfindungen. Der grosse Wow-Effekt hat sich (bis jetzt) nicht eingestellt. Noch weiss ich nicht, ob die Wirkungen, die ich gespürt habe, eindeutig auf die Skins-Produkte zurückzuführen sind. Ich werde aber weiter testen und beobachten, wann und auf welche Weise die Wirkungen eintreten und versuchen, andere Faktoren auszuschalten, um die Skins-Produkte optimal einsetzen zu können. Insbesondere bin ich am Tüfteln, wie ich den Placebo-Effekt ausschalten könnte, z.B. mit einer normalen Kniesocke.
Am erfolgversprechendsten waren die Effekte auf den langen Lauftrainings sowie für die Regenerationstights nach langen Rad- und Laufeinheiten.

Testbericht von Martin B.
Ich bin 37-jährig und passionierter Bergläufer, als Ergänzung betreibe ich auch gerne Mountainbiken. Im Winter bin ich gerne auf den Carving-Skis. Die Skins-Produkte habe ich vor allem beim Laufen und Biken eingesetzt. Die Calf-Tights aber nur beim Laufen.
Grundsätzlich muss ich erwähnen, dass ich eher ein skeptischer Mensch bin und immer alles selber testen muss, bevor ich mir ein Urteil machen kann. Daher habe ich die beiden Skins-Produkte sehr eingehend getestet.
Fangen wir mit den Calf-Tights an: Die Teile sind relativ schnell angezogen, grundsätzlich kein Problem. Der Trage-Komfort ist sehr gut, und ich habe mich während den ca. 10 Trainingseinheiten immer sehr gut gefühlt. Ich setzte Kompressions-Socken einer anderen Marke häufig bei Wettkämpfen ein und meiner Meinung nach bringen Kompressions-Socken einen Vorteil. Beim Skins-Produkt habe ich aber keinen Vorteil spüren können. Das Material der Skins-Calf-Tights ist ziemlich unelastisch, ich habe den Eindruck, dass dies genau das Problem ist. Der Kompressions-Druck war bei mir eher zu hoch. Meine Empfehlung wäre, ein elastischeres Material zu prüfen.
Bei den Recovery-Hosen habe ich einen zwiespältigen Eindruck: Der Stoff ist recht dünn, sehr elastisch, die Hosen anzuziehen ist aber recht mühsam. Entweder man hat sie in der vertikalen oder horizontalen Achse falsch angezogen. Übung macht den Meister! Was mich aber völlig überzeugt hat, ist der Recovery-Effekt! Ich hatte nach mehreren Long-Jogs und Wettkämpfen die Recovery-Tight angezogen und verspürte am nächsten Tag wieder «gute» Beine! Die Recovery-Tights sind mittlerweile nicht mehr wegzudenken, echt ein tolles Produkt, nichts zu bemängeln.

Testbericht von Martin R.
Die beiden Kleidungsstücke kamen genau zwei Tage an, bevor ich nach Roth in Deutschland losfuhr, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben an einem Triathlon über die Ironmandistanz starten wollte. Eigentlich bin ich Speed-Inlineskater, habe aber in den letzten Jahren immer öfters an Multisportanlässen teilgenommen und wollte in diesem Jahr also noch einen langen Triathlon finishen. Obwohl es immer heisst, man solle an einem Wettkampf nichts Neues, auch keine neuen Kleidungsstücke, tragen, habe ich die Calf Tights in den Beutel für die Laufstrecke eingepackt. Am Wettkampf habe ich keine Sekunde gezögert und die Calfs angezogen. Ich fühlte mich sehr wohl darin und hatte ein den Umständen entsprechendes gutes Laufgefühl. Ich habe mein Ziel erreicht und gefinisht, obwohl in diesem Jahr ca. 20% aller Teilnehmenden nicht ins Ziel gekommen sind.
Im Ziel hatte ich im Duschbeutel auch Compressions-Tight für die Regeneration eingepackt und zog sie an. Ich fühlte mich wohl darin und musste kurz darauf mehrfach auf die Toilette. Ich gehe davon aus, dass die Kompression Wassereinlagerungen aus meinen Beinen wegdrückte.
Ich bin in meinem Leben rund fünf Mal einen Marathon gelaufen, allerdings noch nie nach 180 km Rennrad und 3,8 km Schwimmen. Nach den Marathons konnte ich jeweils in den nächsten vier Tagen kaum gehen und hatte extreme Mühe, Treppen zu steigen. Nach diesem Wettkampf hatte ich am Folgetag zwar müde und schwere Beine, aber keinerlei Schmerzen. Ich denke, dass hier die beiden Skins-Bekleidungsstücke mitgeholfen haben! Ich bin begeistert und werde die Produkte gerne weiterempfehlen.

Testbericht von Michael K.
Einsatz der Skins- Produkte: Bei intensiven Trainings auf dem Rennrad oder beim Laufen, an Wettkämpfen sowie nach Wettkämpfen oder intensiven Trainings zur Erholung. Meine persönliche Meinung über den Nutzen der Produkte:
Beide Produkte fühlen sich auf der Haut sehr angenehm an. Die Kompression bei den Calf Tights MX habe ich stärker empfunden. Beim Radfahren konnte ich beim Tragen der Calf Tights MX keine Leistungssteigerung bemerken. Ich empfand sie vor allem bei hohen Temperaturen eher als Nachteil, da sie für zusätzliche Wärme sorgten. Bei etwas kühleren Temperaturen und steilen Aufstiegen hatte ich allerding jeweils ein gutes Gefühl. Beim Laufen merkte ich, dass ich durch das Tragen der Stulpen weniger Schläge auf die Waden erhalten habe. So konnte ich über eine längere Zeit eine erhöhte Leistung abrufen. Ich hatte das Gefühl, dass ich so weniger rasch Krämpfe bekommen habe, wenn ich die Beine voll auslastete (z.B. bei Wettkämpfen oder sehr harten Intervalltrainings). Wobei ich dies nicht mit Sicherheit sagen kann, da ich ansonsten denselben Wettkampf mit denselben Bedingungen hätte bestreiten müssen.
Die Recovery RY400 tigths fühlen sich sehr angenehm an, wobei die Kompression kaum spürbar ist. Ich kann nicht sagen, dass ich mich nach intensiven Trainings schneller besser gefühlt habe. Ich habe leider auch nicht das Gefühl, mich durch das Tragen der RY400 schneller erholt zu haben. Um mit einer grösseren Sicherheit einschätzen zu können, wie die Skins-Produkte wirken, müsste man diese sicherlich noch etwas länger testen. Ich werde sie weiterhin ausprobieren, um herauszufinden, ob eine Erholung durch die RY400 gegeben ist.
Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass die Produkte eine gewisse Wirkung auf die Psyche und dadurch auch eine Auswirkung auf die Leistungssteigerung haben. Da ich die Produkte vor allem auf dem Rad und nur wenig läuferisch getestet habe, freue ich mich nun sehr auf die Zeit der Stadtläufe, um die Produkte auch da noch intensiv auszuprobieren.

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