Hochintensives Intervalltraining

Kotzprogramm

«Kotzprogramm!» So nannte Ex-Radprofi Steffen Wesemann die Trainingsform des hochintensiven Intervalls.

Copyright: Thinkstock.com

Sprints am Leistungslimit sind kein Spaziergang. Doch der Effekt lässt aufhorchen: Mit hochintensivem Intervalltraining können Ausdauersportler nicht nur schneller, sondern auch ausdauernder werden.

Das sogenannte hochintensive Intervalltraining ist eine relativ junge Trainingsform, die in den vergangenen Jahren jedoch stark an Bedeutung gewonnen hat. Hochintensiv heisst ganz einfach: volle Pulle. Egal ob auf dem Rad, in den Laufschuhen, auf den Langlaufski. Hochintensives Intervalltraining hat weniger mit der Sportart als vielmehr mit der Intensität und der Dauer zu tun. Nach rund 40 Sekunden ist das Leiden vorbei, je nach Leistungsstand und Trainingsform kann es auch bereits nach 10 Sekunden vorüber sein. Egal wie kurz oder lang man sich gequält hat, eines bleibt niemandem erspart: Nach wenigen Minuten muss man wieder antreten. Denn nur so wird aus dem hochintensiven Training auch ein hochintensives Intervalltraining. Nach jeder Belastung folgt eine Phase der Erholung, nicht der vollständigen Erholung allerdings. Das ist die Voraussetzung für ein Intervalltraining, egal mit welcher Intensität. Nur so wird ein wirksamer Trainingsreiz gesetzt.

Im Falle des hochintensiven Intervalls gar ein Reiz, dem von der Wissenschaft erstaunliche Leistungssteigerungen zugeschrieben werden. Kurz zusammengefasst: Durch die kurzzeitig extrem hohe Belastung wird der Organismus animiert, seine gesamte Energiebereitstellung zu optimieren. Und das tut er nicht nur bei der anaeroben Verbrennung, sondern auch bei der aeroben, bei der Fettverbrennung. Und so kommt es, dass hochintensives Intervalltraining nicht nur Verbesserungen im intensiven Bereich, sondern auch im Grundlagenbereich mit sich bringen kann.

Hochintensiv mag auch für einen Breitensportler bedrohlich tönen. Doch Sportwissenschaftler beruhigen. Übertraining werde vor allem durch eine Steigerung der Umfänge hervorgerufen. Die Umfangssteigerung führe zu Veränderungen im Metabolismus und der Hormonausschüttung. Hochintensives Intervalltraining hingegen führe zwar zu Ermüdung, doch bei gut trainierten Athleten mit solidem Bewegungsapparat seien zwei solcher Trainingseinheiten pro Woche unbedenklich.

Die Erfahrungen zeigen: Es lohnt sich, ab und zu aus dem Grundlagen-Trott auszubrechen. Angst vor der Belastung muss man nicht haben. Und obwohl Ex-Radprofi Steffen Wesemann sein hochintensives Intervalltraining «Kotzprogramm» nannte: Wirklich übergeben musste er sich nie.

News teilen