Artikel - FIT for LIFE Magazin

Hartnäckiger Fersensporn

Wenn die Fusssohle schmerzt

Wenn plötzlich jeder Schritt unter der Ferse schmerzt, handelt es sich nicht selten um einen Fer-sensporn. Doch was genau ist das und was kann man dagegen tun? 7 Fragen und Antworten rund um ein Phänomen, das bei Ausdauersportlern – vor allem im Laufsport – nicht selten ist.

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1. Was ist ein Fersensporn?

Als Ferse bezeichnet wird landläufig das Fersenbein, der grösste und zuhinterst liegende Knochen im Fuss. Ein Sporn ist ein knöcherner Vorsprung, der normalerweise bei Geburt nicht vorhanden ist, sondern erst später entsteht. Am Fersenbein gibt es zwei unterschiedliche Stellen, wo sich typischerweise ein solcher Sporn bilden kann:

  • hinten an der oberen Rückseite des Fersenbeins (Haglundexostose)
  • unten vorne am Fersenbein, gefühlt im hinteren Teil der Fussohle

Der Fersensporn unter der Ferse tritt meist häufiger auf als hinten an der Rückseite der Ferse, und so unterschiedlich die beiden Ursprungsorte, so unterschiedlich können auch die Schmerzen sein. Besonders problematisch: Fersensporne entstehen an und in wichtigen Sehnenansetzen – hinten in der Achillessehne und unten in der Plantarfaszie – weshalb sie in die Wade bzw. das Fussgewölbe ausstrahlen können.

2. Wie äussert sich der Schmerz?

Ob in engen Schuhen, mit harten Sohlen, beim Barfusslaufen – jeder Druck und somit jeder Schritt schmerzt, und teilweise fühlt es sich an, als würde man direkt auf einen spitzen Stein treten. Typisch sind die morgendlichen Anlaufschmerzen sowie die zunehmenden Beschwerden bei längerer Belastung. Häufig kommt es am Abend auch zu einem «Nachbrennen».

3. Wie entsteht ein Fersensporn?

Mit letzter Sicherheit ist das bis heute nicht geklärt. Es stellt sich jeweils die Grundsatzfrage, was zuerst und somit die Ursache ist. Die aktuell zwei geltenden Theorien:

  1. Der Sporn bildet sich ohne erkennbare Ursache und führt daraufhin zu einer Entzündung an den Sehnen und zu den Schmerzen.
  2. Die umgekehrte Version: Die Sehnen sich durch Fehlstellungen und/oder Überlastungen chronisch entzündet und verursachen dadurch ansatznahe Verkalkungen an den Sehnen bzw. die Entstehung des Fersensporns.

Zum Glück sind die Behandlungsmöglichkeiten – egal ob Theorie 1 oder 2 – ähnlich, und schlussendlich geht es in erster Linie darum, den Schmerz wegzubringen. Der Grund der Schmerzen ist meist eine Entzündung der Faszie, einer bindegewebigen Platte. Dadurch werden die Schmerzen ganz nahe an der Ferse ausgelöst.

4. Wie wird die Diagnose gesichert?

Äusserlich ist dem Fuss meist nichts oder nur wenig anzusehen – auch bei akuten Schmerzen nicht. Häufig ist die Problemstelle zu ertasten, es bildet sich Hornhaut, die Ferse wird dicker, der Laufschuh passt nicht mehr und man kann nur noch mit Einlagen laufen. Auf dem seitlichen Röntgenbild zeigt sich oft eine knöcherne Ausziehung am Fersenbein, daher der Name Fersensporn. Entscheidend ist zudem die klinische Untersuchung. Dies, um herauszufinden, wo genau die Schmerzen auftreten, da es sich häufig um eine Kombination verschiedener Probleme handelt. Eine ergänzende Untersuchung mittels Ultraschall und/oder Kernspintomographie (MRT) mit Kontrastmittel kann angezeigt sein.

5. Wie behandelt man einen Fersensporn?

Die Absprache der Behandlungsstrategie sollte gemeinsam mit einem erfahrenen Sportmediziner erfolgen. Erstes Ziel muss immer die (Zug)Entlastung der Sehnenansätze sein. Denn nur so kann der Körper die Sehnenentzündungen allenfalls selber in den Griff bekommen. Folgende konservative Massnahmen bieten sich an:

  • Zahlreiche Dehnübungen und Massagen (mit Faszien-Rollen oder – Kugeln) alleine oder mit einem Physiotherapeuten, wobei dies in einem akuten Stadium sehr schmerzhaft sein kann
  • Querfriktionsmassage – passives Dehnen von Achillessehne oder Plantarfaszie
  • Einlagen zur Dämpfung der Fusssohle und zur Verbesserung der Statik
  • Schuhwechsel mit ausreichender Länge (wenn die Ferse hinten immer dicker wird)

Bewährt haben sich auch folgende, medizinische bzw. physiotherapeutische Behandlungsmethoden, sie können ebenfalls Besserung bewirken:

  • Injektion lokaler Betäubungsmittel gegen den akuten Schmerz.
  • Injektion von Hyaluronsäure zur Verbesserung der Elastizität der Sehnen und zur Entzündungshemmung.
  • Injektion von PRP (platelet rich plasma), auch als Eigenbluttherapie bekannt. Bei der Eigenbluttherapie werden aus dem eigenen Blut die Anteile gewonnen, die für die Heilung zuständig sind und in die Entzündung gespritzt, um die Körperheilung anzukurbeln. Die Behandlung dauert zwar etwas länger (2-3 Monate), aber es besteht die Chance, dass die Entzündung vollständig ausheilt.
  • Stosswellenbehandlung zur Verbesserung der Durchblutung
  • Magnetfeldtherapie
  • Ultraschall
  • Injektion von Kortison, da gilt aber extreme Vorsicht und das sollte nur in ganz akutem Zustand in Betracht gezogen werden. Da Kortison das Sehnengewebe angreift, besteht die Gefahr besteht eines Sehnenrisses.

6. Wann operieren?

Da der Fersensporn oft direkt in der Sehne am Sehnenansatz liegt, besteht die Gefahr, dass man die Sehne bei einer Operation beschädigt und irreparable Folgen verursacht. Sehnengewebe heilt grundsätzlich nicht so gut, das muss bei allen Operationen bedacht werden. Wenn eine konservative/nicht operative Behandlung über mehrere Monate bzw. Jahre keine Besserung bringt, können verschiedene Operationstechniken zum Einsatz kommen:

  • Entfernen der nicht in der Sehne liegenden Anteile des Fersensporns entweder mit einem kleinen Schnitt oder mit der Schlüssellochtechnik – wenig aufwändig und wenig gefährlich, aber nicht so erfolgreich, da Teile des Sporns unter Umständen in der Sehne verbleiben.
  • Ablösen der Sehne (besonders der Achillessehne), Entfernung des Knochensporn und wieder Annähen der Sehne – mit dem Risiko, dass die Sehne nicht wieder voll belastungsfähig anwächst und eine lange Nachbehandlung nötig wird.
  • Verkürzung/Verkippung des Fersenteils durch die Entfernung eines Keils und Fixierung mit einer Schraube. Dadurch wird der Druck von den Sehnen-Ansätzen genommen und es kann eine körpereigene Heilung eintreten. Hierbei handelt es sich aber um einen grösseren Eingriff mit einer Nachbehandlung von 2-3 Monaten und vertretbaren Risiken sowie guten Erfolgsaussichten.

7. Wie vorbeugen?

Allen Eingriffen vorzuziehen ist natürlich, der Entstehung eines Fersensporns vorzubeugen. Um dies erfolgreich umsetzen zu können, sollten man sich folgende Fragen stellen:

  • Wie sieht das individuelle Gangbild aus? Passt die Technik zum Körper?
  • Passen die Schuhe zum Fuss?
  • Wie sorgfältig erfolgt der Trainingsaufbau?
  • Wie hoch sind die Trainingsumfänge?
  • Gibt es Besonderheiten in der Ernährung – Unverträglichkeiten, spezielle «Guru-Empfehlungen», individuelle Gewohnheiten…?
  • Wie sieht es mit Stabilisationstraining aus?

*Dr. med. Carmen Grosse ist Fachärztin für Sportmedizin und orthopädische Chirurgie mit eigener Praxis (Orthopädie Oerlikon). Orthopädie Oerlikon ist Partner der alphaclinic Zurich.

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