Gravel: die Wahl des passenden Offroaders

Quer, Cyclocross, Gravel, All-Road, New Road oder Endurance?

Suchen Sie ein sportliches Trainingsgerät oder einen komfortablen Offroader für alle Fälle? Je nach Präferenz sind andere Kriterien gefragt.

Copyright: Scott Sports/Jochen Haar

Rahmen

Sie lieben es puristisch mit Stahl, universell mit Alu oder edel und leicht mit Karbon?
Mittlerweile ist alles möglich und vor allem eine Frage von Optik, Präferenz und Preis. Gute Quervelos aus Stahl mit Cantileverbremsen sind auch heute noch für wenig Geld (ab 1500 Franken) zu bekommen, Gravel-Bikes aus Karbon mit Scheibenbremsen und Einfachschaltung nähern sich immer mehr den Preiskategorien moderner Mountainbikes an und kosten auch mal bis zu 6000 Franken

Sportlichkeit

Sie wollen mit Ihrem Offroader sportlich zu Trainings- oder gar Wettkampfzwecken unterwegs sein?
Dann sind die klassischen Attribute eines Quervelos wichtig wie kurzer Radstand, steiler Lenkwinkel und sportliche Sitzposition mit dem Gewicht auf dem Vorderrad. Wenn Sie nicht an Rennen um Sekunden kämpfen, sorgen über 32mm breite Pneus für mehr Komfort und Sicherheit auf losem Untergrund. Auch die Annehmlichkeiten von Scheibenbremsen können Sie in Betracht ziehen, was allerdings neben dem Gewicht auch den Preis erhöht.

Komfort

Sie cruisen gerne etwas entspannter auf unbefestigten Wegen, gerne auch auf einer längeren Tour abseits des Teers von A nach B?
Dann sorgt ein Rad mit kürzerem Oberund längerem Steuerrohr für eine aufrechtere Sitzposition. Besseren Geradeauslauf und höhere Fahrstabilität bietet ein grösserer Radstand. Der verlängerte Hinterbau bringt Laufruhe ins Fahrverhalten und sorgt für eine bessere Steigfähigkeit. Scheibenbremsen packen sicher zu in jeder Situation.

Tourentauglichkeit

Sie möchten Ihren neuen Offroader nicht nur im Wald und auf Singletrails einsetzen, sondern auch mehrtägige Touren durchführen?
Viele Gravel-Modelle zeichnen sich durch eine aufrechtere Sitzposition aus mit weniger Druck auf dem Vorderrad und damit auf den Armen. Bei Touren-Modellen wird eher eine schmalere Bereifung montiert mit geringem Rollwiderstand. Unterschiedliche Lenkerformen sorgen bei Bedarf für mehr Komfort und Steuersicherheit. Es gibt auch spezielle Touren-Modelle mit mehreren Bidon-Befestigungsmöglichkeiten

Bremsen

Sie sind bei jedem Wetter und auch im Winter unterwegs und legen Wert auf fest zupackende Bremsen?
Dann sind Sie langfristig mit Scheibenbremsen am wohlsten unterwegs. Die Bremsen der Quervelos für den Renneinsatz greifen zu schlecht und eignen sich nur bedingt im vielseitigen Alltagseinsatz. Scheibenbremsen haben sich daher in der Gravel-Szene im Breitensport bei allen Fahrradgattungen durchgesetzt.

Reifen / Pneus

Sie fühlen sich auf losem Untergrund mit schmalen Reifen unsicher und empfinden ein ungefedertes Velo über Stock und Stein als unbequem und hart?
Dann können Sie die Reifen als Federersatz für Dämpfung und Komfort einsetzen. Mit den Reifenbreiten wird zunehmend gespielt, zur Auswahl stehen Pneus ab 28 bis 47mm Breite oder noch grösser (Gravel-Plus). Voraussetzung dafür ist ein entsprechender Rahmen, der genügend Platz bietet zwischen der Gabel und den Hinterradstreben, was teils abenteuerliche Konstruktionen benötigt. Reifengrössen stehen zwischen 26 und 28 Zoll im Angebot. Die Gleichung lautet meist: Kleinere Räder ermöglichen breitere Reifen. Beim Profil gilt: Je härter der Einsatz, desto gröbere Stollen sind für einen guten Grip nötig. Für den gemässigten Einsatz auf Feldwegen sind auch weniger profilierte Reifen geeignet. Nicht zu hart aufgepumpte Pneus sorgen für zusätzlichen Komfort.

Technologie

Sie erfreuen sich an den neusten Technologien, edlem Design und liebevollen Details?
Dann können Sie diese nach Belieben auch in der Welt der sportlichen Offroader in Anspruch nehmen. Einfachschaltungen ohne Umwerfer mit nur einem Kettenblatt vorne (Single Ring) und elf Gängen hinten eignen sich fürs einfache Schalten im gröberen Gelände, Zweifachgarnituren bieten feinere Gangabstufungen für den Wechseleinsatz Strasse/Gelände. Künftig werden garantiert auch im Gravel-Bereich vermehrt Federsysteme aller Art angeboten, sei dies mit Konstruktionen am Vorbau, im Steuerrohr oder direkt an der Gabel. Viel Funktion bei möglichst wenig Gewicht, lautet die Vorgabe. Die ganze Entwicklungsspirale, die man bei den Mountainbikes erlebt hat, wiederholt sich jetzt in der Gravel-Szene, denn ein heutiger Crosser ist grundsätzlich nicht viel anders aufgebaut als ein ungefedertes Ur-Mountainbike vor dreissig Jahren, geändert haben sich in erster Linie die Materialien und Komponenten. Grundsätzlich gilt: je mehr Technologie am Rad, desto höher der Anschaffungspreis und desto grösser auch die Wartungsarbeiten und Instandhaltungskosten.

Die passende Wahl

Sie fassen als Erweiterung Ihres «Zweirad-Portfolios» einen offroadtauglichen Geländeflitzer ins Auge?
Recht so, denn bezüglich Effizienz ist einem Quervelo abseits des Asphalts nichts gewachsen. Die rasante Beschleunigung und direkte Kraftübertragung ist unübertrefflich, die Agilität beflügelt. Allerdings sollten Sie sich vor dem Kauf ausführlich überlegen, was Ihre Bedürfnisse sind und wo und wie Sie den künftigen Untersatz einsetzen möchten. Suchen Sie ein edles Hightechteil oder möchten Sie mit einer puristischen Optik und Bauweise lieber einen (wohltuenden) Kontrapunkt zur Technologisierung und Protzigkeit der Mountainbike- und neu E-Mountainbike-Szene setzen?

Alle aktuellen Bezeichnungen wie Quervelo, Cyclocrosser, Gravel-Bike, neu auch Endurance Renner, All-Road- oder New Road-Bike besitzen nur beschränkte Aussagekraft und müssen im konkreten Fall mit einer Testfahrt verifiziert und erlebt werden. Quervelo und Cyclocrosser tendieren tendenziell eher Richtung Wettkampfsport, der Rest spricht die breite Masse an.

So oder so – moderne Crosser bieten eine Menge Fahrspass und eröffnen neue Erlebniswelten, die man sich mit dem Mountainbike nur schwerfällig erschliessen kann. Gravel-Bikes aller Art bieten die perfekte Synthese zwischen Offroadfeeling und Temporausch.

News teilen