Fertignahrung unter der Lupe

Fluch oder Segen?

Wie gesund und sinnvoll sind Fertigprodukte für Sportler?

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Die erste Fertigmahlzeit stammt wohl aus den USA. Das «TV Dinner» bestand aus Trutenfleisch mit Sauce, Erbsen und Kartoffelstampf, es konnte direkt in der Aluschale im Ofen erwärmt und anschliessend serviert werden. Nach seiner Einführung Ende 1952 wurde es sofort zum Hit. 

Heute gibt es unzählige verschiedene Arten von Fertigprodukten. Ravioli aus der Dose, tiefgefrorene Pizza, Instant-Suppen oder fixfertige Salate finden sich überall im Lebensmittelhandel. Die wesentlichen Vorteile solcher Produkte liegen auf der Hand: Man spart Zeit und benötigt keine Kochkenntnisse. In unserer modernen Welt, in der wir scheinbar immer weniger Zeit haben, ist der Griff zu einer fertigen Mahlzeit daher naheliegend und liegt im Trend. In den USA erfolgen aktuell 25 % der Lebensmittelausgaben für Fertigprodukte und weitere 25 % für Fast-Food-Restaurants. Und in Deutschland möchte – gemäss aktuellem Ernährungsreport – die Mehrheit der Erwachsenen eine einfache und schnelle Zubereitung der Mahlzeiten.

Was ist überhaupt Fertignahrung?
Die Lebensmittel- oder Ernährungswissenschaft kennt keine Definition von «Fertignahrung». Und auch die Gesetzgebung regelt nur wenige Lebensmittel, die als fixfertige Nahrung zum Einsatz kommen. Die wichtigste Kategorie ist die Säuglingsanfangsnahrung. Daneben gibt es Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (im Falle ganz spezifischer Krankheiten) oder Lebensmittel für eine gewichtskontrollierende Ernährung. Diese Fertigprodukte müssen von Gesetzes wegen gesamte Mahlzeiten oder sogar die gesamte Ernährung für einen bestimmten Zeitraum ersetzen. Wenn sie die ganze Ernährung ersetzen, müssen sie alle erforderlichen Nährstoffe in angemessener Höhe enthalten. Hätten diese Lebensmittel zu wenig Vitamine oder Mineralstoffe, wie oft in Internetforen behauptet wird, dürften sie gar nicht verkauft werden. 

Ist Fertignahrung  ungesund?
Im Internet gibt es auch diverse, häufig pseudowissenschaftliche Quellen, welche die Fertigprodukte pauschal als krebserregend oder generell gesundheitsschädlich einstufen. Eine solche allgemeine Beurteilung darf aber nicht ernst genommen werden. Die Palette an Fertigprodukten ist dermassen vielfältig und es kommen so unterschiedliche Zutaten und Herstellungsverfahren zum Zuge, dass keine allgemeingültige Aussage möglich ist.

Viele glauben auch, dass alle industriell hergestellten Lebensmittel eine mindere Qualität aufweisen. Aber selbst hier kann man nicht pauschal urteilen. Die Qualität eines industriell produzierten Lebensmittels hängt neben der Qualität der verwendeten Zutaten (den Rohstoffen) insbesondere vom Ausmass ihrer Verarbeitung ab. Schonend verarbeitete Rohstoffe von guter Qualität ermöglichen durchaus die Herstellung qualitativ hochwertiger industrieller Lebensmittel. Andererseits kann man durch unsachgemässe oder starke Verarbeitung der Rohstoffe sowie durch die Wahl von Rohstoffen mit niedriger Qualität keine hochwertigen Lebensmittel produzieren.

Vorteile der Fertignahrung
Die Praktikabilität ist der grösste Pluspunkt von fixfertigen Produkten, die deswegen auch häufig als «Convenience Food», d. h. bequeme, komfortable oder praktische Lebensmittel, umschrieben werden. Zudem sind Fertigprodukte meist zielgerecht portioniert und der Food Waste hält sich damit in Grenzen. Und schliesslich sind Fertigprodukte für Leute mit bescheidenen Kochkenntnissen eher ein Segen als ein Fluch. Sie gelingen immer und schmecken immer gleich – wenn auch nicht immer berauschend. Und natürlich ist ihre Darreichungsform nicht vergleichbar mit derjenigen von frisch hergestellten Mahlzeiten.

Praktische Tipps
Qualitativ hochwertige Fertigprodukte können für Leute mit stressigem Tagesplan also durchaus ab und zu eine Erleichterung sein. Sie sollten aber eher als Alternative zu üblichen Mahlzeiten eingesetzt werden und nicht einen chronischen Ersatz darstellen. Wer Fertigprodukte nutzen möchte, sollte auf folgende Tipps achten:
•  Die Zutatenliste gibt einen Anhaltspunkt über die Qualität des Produkts. Je «natürlicher» die Zutaten tönen und je weniger Zusätze enthalten sind, umso naturbelassener ist das Produkt.
•  Nicht alle Fertigprodukte sind auch «readyto-eat», also ohne jegliche Zubereitung zu geniessen. Produkte für den Einsatz unterwegs sollten ohne Zubereitung essbar sein.
•  Auch wenn Fertigprodukte länger haltbar sind, sollten sie nicht lange stehen bleiben und möglichst früh konsumiert werden. Sie werden mit der Zeit sicher nicht besser. 

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