Fastest known time

Die Jagd nach Strecken-Bestzeiten liegt im Trend

Der Gedanke, sich auf bestehenden Laufstrecken zu messen, hat zum Boom des Superlativs «Fastest Known Time» geführt.

Copyright: Destination Davos/Klosters by Swiss-Image/Marcel Giger

Erstmals bekannt machten den Begriff «Fastest Known Time» (FKT) die Amerikaner Peter Bakwin und Buzz Burrell, als sie auf dem renommierten John Muir Trail eine Bestmarke setzen konnten. Einige Jahre später stellten die beiden zusammen mit Jeff Schuler die Website www.fastestknowntime.com auf die Beine, um interessante Lauf- und Wanderrouten auf der ganzen Welt mit den entsprechenden Bestzeiten einer breiten Masse von Sportlern zur Verfügung zu stellen. Anfangs handelte es sich primär um Fernwanderwege, wie beispielsweise den Pacific Crest Trail oder den Appalachian Trail, nach und nach kamen neue Strecken dazu. Das Prinzip ist denkbar einfach: Grundsätzlich kann auf der Website jeder eine Route hochladen. Einzige Vorgabe: Sie sollte für andere interessant sein und diese zum Nachlaufen motivieren. Die Strecken müssen mindestens eine Länge von acht Kilometern und 200 Höhenmetern vorweisen oder besonders spektakulär sein. Bei der Wegbeschaffenheit gibt es keine Einschränkungen: Strasse, Wanderweg, Single-Trail – alles ist erlaubt. Wettkampfstrecken werden auf dem Portal nicht gepflegt, sind aber selbstverständlich für viele auch eine FKT wert.

Verschiedene Kategorien
Für die FKT zählt die absolut verstrichene Zeit zwischen Start und Ziel und nicht die effektive Laufzeit. Das bedeutet: Bei längeren oder sogar mehrtägigen Wanderungen läuft die Zeit während der Verpflegungs- und Schlafpause weiter. Bei der Einteilung der Bestzeiten werden unterschiedliche Kategorien gepflegt: Frauen, Männer, Diverse und Mixed-Team. Auch die Art des Supports wird unterschieden: «Supported» bedeutet, dass der Läufer von einer Crew begleitet wird. Diese kann aus einer Person oder einem ganzen Team bestehen, welche den Läufer auf der Gesamtstrecke oder auf Teilstrecken begleiten und / oder Verpflegung bereitstellen. Mit dieser Art des Supports lassen sich logischerweise die schnellsten Zeiten erreichen, da man mit weniger Gewicht unterwegs ist und sich weder um Verpflegung noch Streckenführung kümmern muss. Um eine FKT als «self-supported» für sich geltend zu machen, darf man keine Unterstützung von anderen in Anspruch nehmen. Immerhin ist erlaubt, zuvor Vorratslager an der Strecke zu platzieren oder in Supermärkten oder Hofläden seine Vorräte aufzufüllen. Die meisten sehr langen mehrtägigen Touren werden so durchgeführt. Die dritte Möglichkeit ist, komplett auf Unterstützung zu verzichten («unsupported»). Dies bedeutet, dass man seine Verpflegung von Anfang bis Ende selbst mitführen muss. Nur Wasser aus natürlichen Quellen oder öffentlichen Wasserhähnen darf aufgefüllt werden. Bei Begleitung, selbst über kurze Streckenabschnitte, zählt der Versuch als «supported». Eine «self-supported» FKT wird nur dann als FKT anerkannt, wenn sie schneller ist als die – falls vorhanden – «unsupported» FKT, denn die Bedingungen sind ja einfacher. Die amerikanische Ultra-Legende Anton Krupicka stellte die meisten seiner 23 FKTs ohne Unterstützung auf, wobei es sich grösstenteils um Touren von maximal 10 Stunden handelte.

Nur der Beste zählt
Im Normalfall wird die schnellste Route als FKT gewertet, unabhängig von Richtung und Steigung. Nur bei wenigen Routen wie z. B. dem Appalachian Trail, dem PCT oder signifikanten Gipfeln gibt es separate FKTs für die Wahl der Route, bzw. der Richtung. Und in ganz seltenen Fällen wird auch zwischen Winter- und Sommerroute unterschieden. Zurzeit sind weltweit bereits über 2000 Lauf- und Wanderrouten erfasst. Bei einer Premium-Route muss der Versuch vorher angekündigt werden, dabei sind ein Live-Tracking sowie Fotos als Durchführungsbeweis Standard. Für alle anderen Touren ist die Vorankündigung optional und es reicht das Hochladen der aufgezeichneten GPX-Daten sowie ein Link zur Aktivität auf eine Datenplattform wie Strava, Garmin Connect, Movescount usw. Die Zahl der täglich neu hochgeladenen Routen ist seit Beginn der Coronapandemie sprunghaft angestiegen. Allerdings droht dabei die Gefahr, dass viele beliebige Strecken hochgeladen werden. Die Macher scheinen nicht stark zu zensurieren. FKT ist kein Wettkampf, sondern eine Challenge, bei der sich die besten Läufer profilieren können und spezielle Strecken einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Es gilt der Ehrenkodex, eine strikte Überwachung existiert nicht. Besonders: Nur die Besten (oder ersten) kommen zu Beachtung, die zweitbeste Zeit zählt nicht. Wer auf einer bekannten Strecke eine bereits bestehende Bestzeit verbessern will, muss sich daher vorgängig gut überlegen, ob das realistisch ist. Denn bei prestigeträchtigen Routen versuchen sich die weltbesten Athleten.

Auch die Schweiz erscheint auf der Landkarte
Auch in der Schweiz wird vermehrt um die Fastest Known Time gekämpft und es gibt jede Woche neue interessante Strecken zum Nachlaufen. Die aktuell re- gistrierten Routen verteilen sich über die ganze Schweiz. Eine ganz spezielle FKT ist die «European Alps 824000ers» von Bergsteiger-Legende Ueli Steck, welche in dieser Form sicher noch lange bestehen wird. Andere Routen können durchaus zu potenziellen Rekordversuchen motivieren:
• Brienzergrat (36 km Gratweg mit 3800 Hm von Interlaken zum Brünigpass)
• Walensee Umrundung (53 km mit 2500 Hm mit Start und Ziel in Weesen)
• Via Alta della Verzasca (60 km mit 6200 Hm)
• Zürichsee Umrundung (93 km mit 300 Hm in 9:13 h)
• Gotthard Runde (100 km mit 3100 Hm in 12:27 h)
• Green Marathon Zürich (42 km mit 1100 Hm in 3:38 h)

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