Ermüdungsbruch

Auch bei Breitensportlern ein Thema

Bei professionellen Läuferinnen sind Ermüdungsbrüche keine Seltenheit. Doch was genau ist ein Ermüdungsbruch? Kann man präventiv etwas dagegen tun?

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Eine Stressfraktur, oder eben auch Ermüdungsbruch genannt, stellt eine erhebliche Störung der Knochenstruktur dar, ohne dass ein eindeutiger, auslösender Mechanismus - also ein Trauma durch einen Sturz oder Unfall - erkennbar wäre. In verschiedenen Stadien kommt es zuerst zu einer Veränderung in der Anordnung der Knochenbälkchen, die die Traglinien des Knochens repräsentieren, dann oft zu einer Reaktion der benachbarten Knochenhaut. In dieser Phase werden auch erstmals Schmerzen verspürt. Wenn die Störung anhält, der Prozess also weiter fortschreitet, kommt es zu einer immer deutlicheren Veränderung der Knochenstruktur bis hin zu einer vollständigen Lücke im Knochen, die mit einem «echten» Knochenbruch vergleichbar ist.

Bei der Entstehung einer Stressfraktur handelt es sich um ein sehr komplexes Geschehen, dessen Ursache weitgehend unbekannt sind. Am ehesten kommen Fehlbelastungen in Frage, also eine ständig wiederholte Störung des Bewegungsablaufes. Diese wiederum kann auf unzählig viele Faktoren zurückzuführen sein wie falsche Laufschuhe, zu harter, schräger oder unebener Untergrund, Laufstil, Dysbalancen, Muskelverkürzungen, Knochenstoffwechsel oder hormonelle Störungen. Bei Frauen konnte eine Häufung von Stressfrakturen in Verbindung mit Menstruationsstörungen bzw. Essstörungen (Magersucht, Bulimie) nachgewiesen werden. Beim Ermüdungsbruch setzt das erste Symptom, der Schmerz, schon ein, wenn das normale Röntgenbild noch keine charakteristischen Veränderungen erkennen lässt. Schmerz ist zwar ein sensibler, aber auch sehr unspezifischer Hinweis. Allerdings kann der erfahrene Arzt aus der Charakteristik des Schmerzes gewisse Schlüsse ziehen. Der Stressfraktur-Schmerz ist immer da und lässt auch bei intensiven Belastungen (also z. B. im Wettkampf) nicht nach. Die Schmerzcharakteristik ist dumpf bis schneidend, aber bei Belastung immer präsent und lässt sich nicht ignorieren. Im Prinzip kann eine Stressfraktur überall auftreten, wo hohe mechanische Belastungen des Knochens zu Stande kommen. Besonders häufig finden sich Stressfrakturen an so unterschiedlichen Stellen wie dem oberen Oberschenkelknochen, dem oberen, mittleren oder unteren Schienbein, an Fusswurzelknochen oder auch an den Mittelfussknochen.

Die Behandlugsstrategie bei einem Ermüdungsbruch ist nicht immer einfach festzulegen, vor allem dann nicht, wenn die Ursachen im Dunklen liegen. So sind z. B. Hormonstörungen nicht selten ihrerseits Folge psychosozialer Belastungssituationen, die allenfalls einer intensiven, psychotherapeutischen Analyse bzw. Behandlung bedürfen. Laufstilfehler sind ebenfalls schwer erkennbar, da es verständlicherweise den idealen, allgemeingültigen Laufstil nicht gibt und es so oftmals keinen greifbaren Anhaltspunkt dafür gibt, dass sich eine solche Verletzung ausgerechnet in einem Jahr und nicht ein oder zwei Jahre früher entwickelt hat. Kommt dazu, dass in Training und Wettkampf doch alles genauso wie immer gemacht worden war. Deshalb wird in vielen Fällen zunächst die symptomatische Behandlung der Stressfraktur im Vordergrund stehen. Wichtigster Schritt: den auslösenden Faktor abstellen. Also Trainingspause, insbesondere Laufpause! Alternative Trainingseinheiten können hingegen oft schmerzfrei durchgeführt werden und stellen einen geeigneten Einsatz dar, vor allem schonende Sportarten wie Radfahren, Schwimmen oder Aqua-Fit. Allerdings nur dann, wenn bei diesen Sportarten auch wirklich keine Schmerzen spürbar sind. Der ambitionierte Einzelsportler neigt dazu, leichtere Schmerzen zu ignorieren und weiter zu trainieren. Diese «Fähigkeit» kann in der Heilungsphase einer Stressfraktur leicht zum Problem werden. Selbstkritik ist also gefordert.

Die Dauer des Verzichts auf das Training in der Kernsportart liegt erfahrungsgemäss zwischen zwei und vier Monaten. Auch hier gilt es, sensibel zu sein. Zu frühe Wiederaufnahme des disziplinspezifischen Trainings kann leicht zum erneuten Aufflackern der Verletzung und zu einer erheblichen zeitlichen Verzögerung des Heilverlaufes führen. Sorgfältige Planung des Trainings, vor allem einer gesunden, robusten Basis für intensives Training in der Spezialdisziplin, ist die wichtigste Voraussetzung für langfristige Verletzungsfreiheit. Für den Ausdauersportler heisst das, die athletische Basis nicht zu vernachlässigen und Krafttraining, Stretching und Koordinationsübungen regelmässig ins Routineprogramm einzubauen. Das Sprichwort, welches den Krug so lange zum Brunnen gehen lässt, bis er bricht, beschreibt die Entstehung einer Stressfraktur recht gut. Gönnen Sie Ihrem persönlichen Krug zwischendurch immer auch ein wenig Ruhe. Dann wird er lange halten. Lebenslänglich.

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