Artikel - FIT for LIFE Magazin

Entwicklung Mountainbikes

Immer mehr downhill-lastig

Das Mountainbike wird immer mehr zum «Bergabvelo».

Copyright: GHOST-BIKES.DE/JAN KASL/PD-F

Bei Cross-Country- und Marathonrennen wird zeitlich der grösste Teil bergauf gefahren, ein Nino Schurter kämpft daher mit dem klassischen Kompromiss eines Cross-Country-Bikes um sportliche Meriten. Diese Gattung Mountainbike, die leichtfüssig bergauf klettert und gleichzeitig runter für genügend Fahrspass sorgt, benötigt wohl bald Artenschutz. Denn sie weicht zunehmend Modellen, die mit deutlich mehr Federweg «downhillorientiert» gebaut sind. Kein Wunder, denn mittlerweile transportiert praktisch jede Bahn gerne Mountainbiker auf die Gipfel hinauf, und wenn nicht, kommt zunehmend die Stromvariante zum Einsatz.

Das führt dazu, dass es immer weniger Tourenfahrer gibt, die am Ende eines Tages mehr als beschwerliche zweitausend Höhenmeter aufwärts auf ihrem Tacho haben. Und Ü50-Biker werden neuerdings mit grossen Augen und aufmunternden Rufen beglückt, wenn sie ohne künstlichen Rückenwind unterwegs sind. Die Entwicklung spiegelt sich auf den Online-Tourenportalen wider. Die Eckdaten der meisten Touren weisen doppelt so viele Bergabhöhenmeter wie aufwärts aus, weil die Bahnen als Transporthilfe einberechnet werden.

Fun vor Schweiss
Zur Downhill-Tendenz des Mountainbikesports hat das touristische Angebot wesentlich beigetragen. Bikeparks wie in Lenzerheide oder speziell gebaute Flow-Trails locken die Mountainbiker aus den Städten und in die Höhe. Der Mountainbikesport funktioniert dabei zunehmend ähnlich wie der Skisport: Bequem rauf, rasant herunter. Wieso Fleiss und Schweiss, wenns auch relaxter geht mit Spass und Sprüngen?

Dem Hardware-Angebot hat die Entwicklung keinen Abbruch getan, im Gegenteil. Ob leichter Kletterer, Trailrakete, Enduro, All Mountain, Freerider oder Downhill-Spassmaschine: Die Palette ist riesig und die Grenzen verschwimmen zunehmend. Das einzige, was sicher ist: Ohne Vollfederung geht im Sportsegment nichts mehr und die Federwege werden immer länger. «Knausrige» 110 mm Federweg vorne wie am Rennbike von Nino Schurter werden nur noch selten angeboten. Auch 120mm vorne sind meist schon am unteren Limit, normal sind 140 mm, nicht selten 160 mm, und reinrassige Downhill-Bikes kommen gar mit 200 mm Federweg daher. Auch der Hinterbau hinkt federmässig kaum mehr nach, da sind mittlerweile Federwege zwischen 110 mm und 150 mm Standard. Natürlich gilt auch beim Mountainbike: Karbon ist das Mass (fast) aller Wünsche.


Merkmale Mountainbikes

• Standard sind dicke Stollenpneus an 27,5 oder 29 Zoll-Rädern, 26-Zoll-Räder haben ausgedient. Die Pneus werden breiter und mit weniger Luft gefahren als früher. So werden Unebenheiten besser geschluckt und die Traktion ist besser.

• Für richtige Tourenbiker ist der bestmögliche Kompromiss zwischen Gewicht, Kletterfähigkeit und Abfahrtstauglichkeit gefragt, danach lautet das Motto: Je mehr downhillorientiert, desto mehr Federweg. Und je mehr Federweg, desto mehr Material und mehr Gewicht ist am Bike, das hochgefahren werden muss. Enduros und All Mountain Bikes kommen so rasch auf 14 –16 Kilos.

• Da die Kletterfähigkeit meist nicht mehr entscheidend ist, werden zunehmend Einfachantriebe mit hinten 12- oder 13-fach-Ritzel verbaut. Die Bandbreite der Gänge ist dadurch etwas eingeschränkt, aber vorne «stört» kein beweglicher Umwerfer.

• Wer sich im Gelände tummelt, setzt auf verschiedene Federeinstellungen, die per Handgriff bequem vom Lenker aus verstellt werden können, ebenso wie auf verstellbare Sattelstützen, die mittlerweile sogar elektrisch bedient werden.

• Wo so viel Technologie am Rad ist, klettert auch der Preis in die Höhe: Geländetaugliche Alu-Mountainbikes sind schon unter 2000 Franken zu haben, gegen oben ist die Skala offen bzw. fünfstellig. Wer bereits ein Bike besitzt, kauft sich als nächstes meist ein besseres und teureres, 3000 – 4000 Franken sind im Sportbereich eine beliebte Grössenordnung.

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