Engadin Skimarathon im Wandel der Zeit

Meilensteine und Premieren

Seit bald 50 Jahren zählt der Engadin Skimarathon zu den bedeutendsten Schweizer Sportanlässen. Ein chronologischer Rückblick.

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1969: Erste Austragung
Im Soge der zunehmenden Popularität des Skilanglaufs und der beiden Schweizer Medaillen an den Olympischen Spielen 1968 in Grenoble (Sepp Hass gewinnt Bronze über 50 km, Wisel Kälin Silber in der Nordischen Kombination) wird am 16. März 1969 der erste Engadin Skimarathon veranstaltet. Mit 945 Teilnehmern ist bereits die Premiere überraschend erfolgreich.

1971: Erster Giger
Albert Giger hat den Skimarathon geprägt wie kaum ein anderer. Als Spitzenläufer gewinnt er sein Heimrennen 1971 zum ersten Mal - und bis 1978 vier weitere Male. Später stellt sich Giger als Rennleiter in den Dienst des Klassikers.

1973: Erster Doppelsieg
Bei den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo gewinnen Albert Giger und Edy Hauser mit der Schweizer Staffel die viel umjubelte Bronzemedaille. Ein Jahr später sprinten sie beim Engadiner in einem Fotofinish zeitgleich ins Ziel. Es bleibt nicht der einzige Doppelsieg beim populären Volkslanglauf: 1976 doppeln Rosemarie Kurz und Ursula Bösch nach. 1992 dürfen sich Daniel Sandoz und der Italiener Silvano Barco als Sieger feiern lassen. Die Sprintentscheidungen in den letzten Jahren gingen zumeist sehr knapp aus. Die Siegprämie von 15 000 Franken erhielt aber immer nur einer.

1975: Erster «Skater»
Zwar ist Skating in jener Zeit noch ein Fremdwort. Ein Jungspund aus Herisau verblüfft die etablierte Konkurrenz in der klassischen Doppelspur aber mit Neuerungen. Sein Name: August Broger. Der 22-Jährige läuft mit einem Ski aus Kunststoff, und ohne Haftwachs, der in der klassischen Technik für den Beinabstoss zentral ist. Broger muss deshalb alleine mit Armkraft, Doppelstockstössen und bei Aufstiegen mit Schlittschuhschritten arbeiten. Die revolutionäre Technik zahlt sich aus. Broger, später Materialexperte beim Schweizerischen Skiverband, gewinnt in 1:42 Stunden mit deutlichem Streckenrekord.

1976: Erstmals über 10 000 Teilnehmer
Das Interesse am Engadiner steigt rasant. Bereits bei der 8. Austragung stehen über 10 000 Laufbegeisterte am Start. Seither ist die Meldezahl immer - also 40 Jahre lang (!) - im fünfstelligen Bereich geblieben. Der Melderekord datiert aus dem Jahr 1998 mit 13 527 Teilnehmern. Zum damaligen 30-Jahre-Jubiläum wurde das Ziel von Zuoz nach S-Chanf verlegt.

1980: Erster Sieg eines Ausländers
Der Engadiner ist zehn Jahre lang fest in eidgenössischer Hand. Erst der Schwede Ola Hassis, im Vorjahr Sieger beim Vasa-Loppet, kann 1980 die Vormachtstellung der Schweizer durchbrechen.

1981: Erster Siitonen-Sieger
Weltklasseläufer Bill Koch gewinnt den Engadiner als Erster mit dem Siitonen-Schritt, bei dem ein Ski neben der Spur im Ausfallschritt geführt wird. Ein Jahr später wird der US-Amerikaner Weltcup-Sieger.

1987: Erstmals getrennte Spuren
Im Jahr 1985 wurde zum ersten Mal zwischen der klassischen und der freien Technik unterschieden. Nach einigen Übergangsjahren mit dem Siitonenschritt, der die klassischen Loipen zerstörte, gab es ab 1987 erstmals getrennte Spuren.

1988: Erste Frau ohne Pause
Françoise Stahel ist ein Phänomen. Die unermüdliche Bündnerin bewältigt nicht nur die ersten 20 Engadiner mit Bravour, nein, sie ist heute - neben zwölf Männern - die einzige Frau, die sämtliche Skimarathons gefinisht hat. 47 Jahre lang stand Françoise Stahel also am zweiten März-Sonntag in Maloja am Start - und wenige Stunden später im Ziel. 47 Jahre in Folge! «Ich mache das eigentlich nicht mehr für mich», erklärt die bald 80-jährige, «sondern für die Frauen. Sonst heisst es wieder: so was schaffen nur Männer.» Zumindest bis 2019 will Stahel noch laufen. Dannzumal bestreitet sie - sofern nichts Gravierendes passiert - ihren 50. Marathon in Serie.

1991: Erste Absage
12 787 Lauflustige hatten sich angemeldet - so viele wie nie zuvor. Infolge eines Wärmeeinbruchs muss das Rennen allerdings kurzfristig abgesagt werden. Auf den Seen, die den Langläufern normalerweise als Grundlage dienen, liegt das Eis unter Wasser. Es ist ein schwarzer Tag für Langläufer und Organisatoren. Fragen betreffend Haftung gegenüber Sponsoren und Rückzahlung des Startgeldes hinterlassen Spuren. Die erste Absage 1991 ist glücklicherweise auch die letzte.

1993: Erster Blockstart
Für Medien und Zaungäste ist der Massenstart beim Engadiner 24 Jahre lang ein Spektakel. Für den einzelnen Läufer hat die Masse aber auch manche Stresssituationen zur Folge. Um die Hektik beim Start und Rückstaus vor Anstiegen und Engpässen zwischen St. Moritz und Pontresina zu reduzieren, wird das Teilnehmerfeld in fünf Blocks eingeteilt. Diese Massnahme bewährt sich. Die rund 12 000 Teilnehmer haben seither mehr Platz.

1998: Erstmals Ziel in S-Chanf
Bis 1997 endet der Engadiner in Zuoz - und entspricht nicht ganz der Marathon-Distanz. Der Streckenrekord für diesen Abschnitt liegt denn auch bei unschlagbaren 1:16:10 Stunden, aufgestellt vom Franzosen Hervé Balland im Jahr 1994. Erst 1998 wird die Strecke verlängert - und das Ziel nach S-Chanf verlegt, wo es seither immer wieder aufgebaut wird.

2000: Erster Frauenlauf
Nach dem Vorbild des Frauenlaufs in Bern führt auch das Engadiner OK einen reinen Frauenlauf ein. Mit 728 Klassierten ist die Premiere ein Erfolg. Seither wird der Lauf traditionell eine Woche vor dem Marathon inszeniert.

2001: Erstmals ohne Zeitmessung
Um den «Genussläufer» zu forcieren, führten die Organisatoren 2001 die Rangliste «Finisher - No time» ein. Die Teilnehmenden konnten dabei in einem speziell markierten Ziel einlaufen - und wurden dann in der Rangliste ohne Zeitangabe aufgelistet. Die Aktion, die bis 2003 dauerte, war ein Flop. «No time» erwies sich als «No-Go». Für die meisten Teilnehmer ist der Engadin Skimarathon der wichtigste Langlauf-Event im Jahr. Entsprechend ehrgeizig sind sie unterwegs und entsprechend wichtig ist die Zeit.

2006: Erste Chip-Zeitmessung
Schluss mit dem Kampf um die besten Startplätze! Mit der Umstellung auf die Zeitmessung mittels Chip und später mit der Einführung des Boxenstarts werden die persönlichen Nettozeiten gemessen, also von der Start- bis zur Ziellinie. Nur für die ersten beiden Blöcke, die Elite und die Elite A, gilt nach wie vor die Bruttozeitmessung.

2007: Erster Sieg von Dario Cologna
Der damals gerade 20-jährige Dario Cologna gewinnt im Sprint vor seinen Teamkollegen Toni Livers und Christian Stebler. 2010 triumphiert Cologna erneut. Neben dem Bündner Vorzeigesportler hat in den letzten 25 Jahren nur noch ein Schweizer den Engadiner zweimal gewinnen können: Roman Furger (2012 und 2016).

2008: Erster Halbmarathon
Zum 40-Jahre-Jubiläum wird erstmals ein Halbmarathon angeboten (21 km von Maloja nach Pontresina). Davon profitieren vor allem Einsteiger, weniger gut trainierte Personen und ältere Teilnehmende, denen die Marathondistanz zu lang erscheint. Rund 2000 Personen nutzen das

2009: Erster Fussweg im Stazerwald
Wer sich für die anspruchsvolle Abfahrt im Stazerwald nicht sicher genug fühlt, hat seit 2009 die Möglichkeit, die Ski auszuziehen und den speziell gekennzeichneten Fussweg zu benützen.

2013: Erste Frau unter 1:30
Die Finnin Riita-Liisa Roponen geht mit ihrer Parforceleistung in die Geschichte des Engadiners ein. Die dreifache Weltmeisterin powert die Strecke von Maloja nach S-Chanf in 1:29:52 Stunden ab und ist damit die erste - und bislang einzige - Frau, die den Marathon unter 1:30 Stunden bewältigt. Beachtlich zudem: Roponen verliert in jenem Rennen nur gerade 1:33 Minuten auf den Sieger der Männer - ebenfalls Rekord.

2014: Erster Boxenstart
Wegen der schwierigen Eisverhältnisse auf dem Silsersee muss das Startgelände an das Seeufer in Maloja verlegt werden, was eine Änderung des Startprozedere zur Folge hat. Die Veranstalter führen den Boxenstart ein. Die aus der Not geborene Änderung erweist sich als Erfolg. Die Staus auf der Strecke werden weiter vermindert. Und die Teilnehmer können mit dem Warten hinter Gittern gut umgehen.

2015: Erstmals Hauptklasse C
Nach der Einführung des Startblocks «Elite C» im Jahr 2010, wird 2015 auch der Startblock «Hauptklasse C» eingeführt, womit das Feld fortan 14 Blöcke aufweist. Mit der Massnahme werden die Staus auf der Strecke weiter vermindert. Die Blöcke Hauptklasse A, B und C sowie die Volksläufer weisen eine homogene Anzahl Teilnehmende auf.

2016: Erstmals weniger als 25 % Ausländer
Trotz Teilnehmenden aus 60 Nationen bleibt der Engadin Skimarathon ein Schweizer Anlass für Schweizer. Gar mehr denn je. Bei der diesjährigen Austragung fiel der Ausländeranteil erstmals seit zehn Jahren unter 25 Prozent. Bis vor drei Jahren bewegte sich der Wert gemäss einer Statistik der Organisatoren auf einem Level gegen 30 Prozent. Das Rekordtief gefällt nicht allen im Engadin. Die Touristiker hätten gern eine grössere Anzahl Ausländer am Start. Denn diese buchen im Durchschnitt mehr Nächte im Engadin als die Schweizer.

2017: Erster Nachtlauf
Um die Marathonwoche attraktiver zu gestalten und Marathon-Teilnehmer früher ins Engadin zu locken, wird am Donnerstag, 9. März 2017, erstmals ein Nachtlauf ausgetragen - 17 Kilometer von Sils nach Pontresina. Start ist um 19 Uhr.