EKZ CrossTour

Verquerte Welt

Die EKZ CrossTour hat sich im Schweizer Radquersport als mehrteilige Radquerserie von internationaler Ausstrahlung etabliert. FIT for LIFE ist mitgefahren.

Copyright: EKZ CrossTour

Trailer EKZ CrossTour 2015/2016

Wer schon frech über Radquer schreibt, sollte mindestens einmal selbst ein Rennen gefahren sein», forderte mich Christian Rocha, Initiator der EKZ Cross- Tour und OK-Präsident des Quer-Rennens in Baden heraus. Zwei-, dreimal konnte ich mich mit fadenscheinigen Ausreden aus dem Startfeld winden. Schliesslich ist ein Jedermann-Rennen an einem heiligen Sonntag morgens um 9 Uhr nicht jedermanns Wunschvorstellung. Beim diesjährigen Auftakt zur Radquer-Saison fand ich leider keine Ausfl üchte mehr, zumal das Velogeschäft Bike Zone in Baden auch gleich noch ein edles Cross-Velo zur Verfügung stellte, das ich nicht selber reinigen musste.

Der rote Teppich war ausgelegt. Ich musste nur noch fahren. Wobei die Begriffe «fahren» und «roter Teppich» in der Radquer-Szene nur bedingt Berechtigung finden. Der Rundkurs auf der Badener Baldegg erweist sich schnell als ziemlich eckig, die Unterlage wechselt ständig: Schotter, Kies, Wiese, Asphalt im Wechsel mit Hürden, Anleger, Treppen, Pumptrack. «Da ist alles drin», erklärt Marco Wieser von Bike Zone mit einem schelmischen Lächeln. «Du musst einfach immer nur den Schwung mitnehmen.» Leicht gesagt. Wie soll man den Schwung mitnehmen, wenn man in der Kurve zuvor mit beiden Rädern zu rutschen droht? Oder wenn man die Ideallinie in der Steilwandkurve auch in der vierten Runde noch nicht genau einzuschätzen vermag? Oder wenn die erste Welle des Pumptracks wie eine Wand wirkt und man bei der Anfahrt beinahe über den Lenker fliegt? Oder wenn der Kurssetzer auf einer abfallenden Wiese fiese Haarnadel-Kurven einbaut? Lauter Schwungbremsen. Die Querfrage sei deshalb erlaubt: Hatte Albert früher gar nie Zweifel? Immerhin weiss ich nun, warum der Sport sich Radquer nennt. Es geht querfeldein, querstrassein, quertrepphoch und querwaldentlang – eine verquerte Welt. Querulanten sind an diesem frühen Morgen allerdings nirgends auszumachen. Ebenso wenig wie Erholungsphasen. Der Puls hämmert konstant mit gefühlten 200 Schlägen pro Minute. Als ob es auf den Wiesenabschnitten nicht schon rumplig genug wäre. Schüttelbecher-Feeling. Warum sind Cross- Velos eigentlich ungefedert? Einige fahren auf Fully-Bikes ab. Clever!

Hohes Niveau
Vier Runden à 2,6 Kilometer sind zu bewältigen. Tönt nach wenig, ist aber ganz schön kräfteraubend. Das ständige Hin und Her, Rauf und Runter, Drücken und Ziehen erfordert viel Power, viel Konzentration. Um sich für die charmanten Anfeuerungsrufe oben in der Kurve zu bedanken, bleibt letztlich keine Luft. Weiter gehts, nächste Abfahrt, nächste Schikane. Gut, dass es trocken bleibt. Im Staub fährt es sich leichter als im Schlamm. Wer trotzdem stürzt, muss wenigstens nicht ins Gras beissen. Letzte Runde. Der Speaker kündigt bereits die erste Zieleinfahrt an. Das Leistungsniveau ist hoch, unrasierte Beine sind fast so selten wie pinkfarbene Glocken am Lenker. Unter den 75 Teilnehmern in der Kategorie «Jedermann» befindet sich eine einzige Frau. Nun, auch reine Männerrunden können durchaus Spass machen, sofern Mann nicht überrundet wird. Radquer ist abwechslungsreich und kurzweilig. Anspruchsvoll und vielseitig. Auf jeden Fall eine Erfahrung wert. «Und einmal sollte man es auch unbedingt bei nassen Verhältnissen versuchen», empfiehlt CrossTour-Initiator Rocha. Wenn es so richtig schlammig sei, zeige sich Radquer von seiner schönsten Seite. Naja, an einem Sonntagmorgen liesse sich aber auch wunderbar quer im Bett liegen.

Weitere Termin EKZ CrossTour 2015/2016
1. November Hittnau
13. Dezember Eschenbach
2. Januar Meilen

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