E-Mountainbike-Rennen

Unter Strom

E-Bikes sind voll im Trend. Und nun findet die erste E-Bike-WM statt. Werden die E-Biker nun zu Rennfahrern?

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Die Zweirad-Szene ist unter Strom, im wahrsten Wortsinn. Fast jedes dritte Velo, das in der Schweiz verkauft wird, ist ein E-Bike. Allein letztes Jahr sind hierzulande 90000 E-Bikes abgesetzt worden. Heuer dürfte erstmals die 100000er-Marke geknackt werden. Besonders stark zugelegt hat das E-Mountainbike, das 2017 seinen Verkauf um 38,3 % auf knapp 30000 Stück ankurbelte. Tendenz steigend.

Der Höhenflug der E-Mountainbikes ruft vermehrt auch die Rennveranstalter auf den Plan, vorab jene, die ihr eigenes Produkt bewerben. So inszeniert Marktleader Bosch bereits im zweiten Jahr seine eMTB-Challenge mit je einem Event in Österreich, Deutschland, Italien und in der Schweiz. Der Zulauf ist bislang allerdings bescheiden. In Riva del Garda (It) haben 137 E-Mountainbiker teilgenommen, in Willingen (De) waren es 70, in Bad Goisern im Salzkammergut (Ö) 67, in Solothurn anlässlich der Bike Days gar bloss 55. Bosch wertet die Zahlen dennoch als Erfolg.

O-Tour als Pionier
Auch renommierte Veranstalter von Schweizer Mountainbike-Rennen laden den Akku. Der O-Tour Bike Marathon Obwalden schuf schon vor zwei Jahren erstmals eine e-MTB-Kategorie. Auf die Halbmarathon-Strecke (45km/ 1800Hm) gesellten sich aber nur gerade neun Motorisierte, unter ihnen fünf Tschechen, die in jener Zeit grad Ferien machten in der Zentralschweiz. Am Ende war der schnellste E-Mountainbiker fünf Minuten schneller als der schnellste Mountainbiker, was die ohnehin heisse Diskussion zwischen Bikern mit und ohne Strom zusätzlich erhitzte.

Um weitere spannungsgeladene Auseinandersetzungen zu vermeiden, stimmte das O-Tour-OK die Startzeiten der beiden Kategorien aufeinander ab. «Es ist ja klar, dass der Biker, der sich im Aufstieg abmüht, keine Freude hat, wenn er von einem E-Mountainbiker locker-flockig überholt wird», sagt OK-Präsident Karl Langensand. Deshalb appelliere man vor dem Start auch an die E-Biker, allfällige Provokationen zu unterlassen.

Der E-Boom auf den Rennstrecken ist bislang aber (noch) ausgeblieben. Obwohl Maxon Motor, das für die NASA tätige Unternehmen, das sich auch im E-Bike-Bereich engagiert, als Presenting Partner auftritt, bestritten 2017 nur elf E-Biker die O-Tour. Gleichwohl will das OK an der E-Kategorie festhalten, die nächste Austragung findet am 9. September statt. «Wir sind noch in der Pilotphase, können uns aber gut vorstellen, bald einmal 50 und mehr E-Mountainbiker am Start zu haben», so OK-Chef Langensand. Schliesslich sei der «Easy Marathon», mit 37km die kürzeste Strecke ohne Zeitmessung, einst ebenfalls nur bescheiden angelaufen, heute aber fest etabliert. Die O-Tour hält die Auflagen für die E-Mountainbike-Kategorie bewusst locker: Es ist erlaubt, Ersatz-Akkus mitzuführen oder den Akku durch eine Betreuungsperson an den offiziellen Verpflegungsposten auszuwechseln. Ausserdem wird gemischt gefahren. Die Frauen erhalten im Ziel einen Zeitbonus von 30 Minuten.

Neu auf den E-Bike-Zug aufgesprungen ist die Eiger Bike Challenge, die jüngst erstmals ein E-Mountainbike-Rennen (33km/2000Hm) inszenierte. «Wir kommen damit auch den Ausstellern im Testvillage entgegen», sagt OK-Präsidentin Andrea Imfeld. Schliesslich bieten die meisten Mountainbike-Marken auch E-Bikes an. Bei der Premiere standen 30 Biker unter Strom. «Eine Anzahl, die unsern Erwartungen entspricht», so Imfeld.

Aber auch die Eiger Bike Challenge schottet die E-Biker von der herkömmlichen Rennszene ab. Die Strecke ist so angelegt, dass sich die beiden (fast) nicht in die Quere kommen. Während die normalen Mountainbiker die Grosse Scheidegg in Angriff nehmen, pedalieren die E-Biker über die Kleine Scheidegg. Ausserdem haben die Veranstalter den Wettkampfcharakter bei den E-Bikern erheblich gedrosselt. Sieger ist nicht der Schnellste, sondern jene(r), welche(r) der Durchschnittszeit am nächsten kommt. Und so kam es in Grindelwald zur kuriosen Situation, dass der Schnellste des Rennens, Thomas Binggeli von «Thömus», als Kategoriensponsor die Preise an die Durchschnittsfahrer verteilte.

Die Einführung einer E-Kategorie haben auch die Organisatoren des Nationalpark Bike Marathons «intensiv diskutiert», wie OK-Präsident Claudio Duschletta auf Anfrage erklärt, «und schliesslich abgelehnt.» Vorkommnisse wie beim Ortler Bike Marathon wolle man nicht riskieren. Bei der Veranstaltung im Vinschgau haben E-Mountainbiker, die in technischen Abfahrten in der Regel nicht so versiert sind wie bestandene Biker ohne Strom, die Strecke blockiert, was zu unschönen Auseinandersetzungen geführt habe. Für Duschletta ist deshalb klar: «Sollten wir beim Nationalpark Bike Marathon eine E-Kategorie einführen, dann bestimmt nicht am gleichen Tag.»

Erste E-Bike-WM
Am gleichen Tag findet hingegen die erste E-Bike-Weltmeisterschaft statt. Am 29. September messen sich in Sillian im Osttirol die E-Biker auf einer Strecke von 25km und 1400 Höhenmeter erstmals kompetitiv auf höchster Ebene. Zugelassen sind handelsübliche eMTBs (Pedelecs) mit einer Tretunterstützung bis maximal 25km/h und einer Motorleistung von maximal 250 Watt. Den drei Erstplatzierten winken Urlaubsgutscheine im Wert von 1500, 1000 und 500 Euro. Das OK rechnet mit 80 Teilnehmern in der Kategorie «Profi» und 150 Teilnehmern bei den »Amateuren», die Medaillen erhalten, wenn sie innerhalb des Zeitlimits bleiben.

Die Veranstalter zielen bei der E-Bike-WM nicht primär auf Leistungssportler, sondern vielmehr «auf Geniesser, die den Wettbewerb mögen». Dass die Rennszene jedoch einen ähnlichen Boom erleben wird wie das E-MTB in den Bergregionen, ist nicht zu erwarten. Denn bei E-Mountainbikern steht der Spass (noch) deutlich vor dem Wettkampf.

Selbst E-MTB-Profi Stefan Schlie, der für Bosch an der Weiterentwicklung des E-Bike-Motors arbeitet und fest daran glaubt, dass das E-MTB als Freizeitgerät dereinst das herkömmliche Mountainbike ersetzen wird, kann sich nicht vorstellen, dass E-Rennformate durchstarten werden. «Die Mountainbiker ohne Strom werden die Rennszene noch lange prägen.»

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