Duathlon ist härter als Triathlon

Ronnie Schildknecht über die Zwei-Disziplinen-Sportart

Iroman-Athlet Ronnie Schildknecht hat den Posten als «Chef Leistungssport» im Duathlon übernommen. Er spricht über seine Beweggründe.

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«Und was genau ist Duathlon schon wieder?», fragte mich der eine oder andere, als ich vor einigen Monaten den Posten als Chef Leistungssport im Duathlon übernommen habe. «Duathlon, das ist Triathlon ohne Schwimmen » ist eine Antwort darauf. Denn was Triathlon ist, wissen dank der grossen Erfolge von Nicola Spirig und Daniela Ryf mittlerweile fast alle. Doch eigentlich wird man der Sportart Duathlon mit dieser Antwort – obwohl korrekt – nicht gerecht. Denn Duathlon hat seine ganz eigene Faszination. Und doch widerspiegelt diese Antwort die Situation, in der sich der Duathlonsport befindet. Denn von Duathlon spricht man sehr selten, ohne dabei aufs Thema Triathlon zu kommen. Während sich Triathlon durch seinen olympischen Status zu einer wahren Trendsportart entwickelt hat, erlebte der Duathlon weltweit – die Schweiz eingerechnet – eine lange Durststrecke. Viele arrivierte Athleten wandten sich vom Duathlon ab und dem Triathlon zu, insbesondere, wenn sie auch gut im Schwimmen waren.

Ich war mit dem Duathlon immer verbunden, gehöre ich doch noch zu einer Generation von Athleten, die vom Duathlon zum Triathlon kam. So war mein erster internationaler Wettkampf ein Duathlon, und zwar die U23- EM in Mafra (Portugal). Ich erinnere mich noch gut daran, verpasste ich als Vierter das Podium doch nur knapp. Und dennoch markierte dieser Wettkampf den Beginn meiner Karriere. Bei meiner ersten Duathlon- Langdistanz, dem Powerman Zofingen im Jahr 2002, belegte ich dann den guten sechsten Rang. Am Start standen klingende Namen wie Olivier Bernhard, Stefan Riesen oder Chris McCormack. Später konnte ich immerhin einen Vize-Weltmeistertitel über die Powerman-Mitteldistanz hinter dem damals dominierenden Duathleten Benny Vansteelant erringen sowie 2008 den Europameistertitel über die kurze Distanz gewinnen vor Joerie Vansteelant und meinem heutigen Teamkollegen Bart Aernouts. Für Joerie muss dieser Wettkampf damals sehr schwer gewesen sein, denn sein Bruder Benny verstarb im September 2007 nach einem Trainingsunfall auf dem Rad. Benny Vansteelant war lange DER prägende Name im Duathlon, er war während fünf Jahren ungeschlagen und konnte alle grossen Rennen gewinnen, die diesen Sport ausmachen. Danach war es sein Bruder, der sämtliche wichtigen Titel gewinnen konnte. Inzwischen fehlt es im Duathlon leider international an ganz grossen Namen und Persönlichkeiten. In der Schweiz sieht es mit Ausnahme von Andy Sutz, der lange an internationalen Rennen vorne mitmischte, ähnlich aus. Dass der Duathlon auch in der Schweiz in eine Krise geriet, ist nicht übertrieben. Doch heute ist die Situation durch die Veränderung im Verband so gut wie lange nicht mehr.

Pickelharte Sportart
Ich habe die Entwicklung des Duathlons in der Schweiz hautnah miterlebt, stand ich doch oft an den Rennen am Start. Bei meinen Einsätzen handelte es sich meist um Vorbereitungsrennen für Triathlon- Wettkämpfe, denn nichts ist dafür besser als ein guter Duathlon. Was ein guter Duathlon ist? Einer mit einer bergigen Radstrecke und einer schönen, aber harten Laufstrecke. Ich finde solche Rennen deshalb so wertvoll, weil sie aufgrund des Tempos im ersten Laufabschnitt und der Schläge auf die Beinmuskulatur während dieses Laufs sehr viel von einem abverlangen. Man muss mit «verschlagenen» Beinen aufs Rad steigen, dort weiter pushen und auf dem abschliessenden Lauf noch einmal alles geben, was im Tank ist. Beim Schwimmen hingegen gibt es keine Schläge (ausser manchmal jene der Gegner ...), was weniger Belastung für den Körper bedeutet. Ich sage deshalb: Duathlons sind härter und fordernder als Triathlons! Der Effekt, einen Duathlon als Vorbereitung auf einen Triathlon zu absolvieren, ist deswegen nicht zu unterschätzen. Umso weniger verstehe ich, weshalb kaum Triathleten an den Duathlons anzutreffen sind. Neben mir standen oft eine Nicola Spirig oder auch Jan Van Berkel und Ruedi Wild an solchen Rennen am Start. Duathlon-Wettkämpfe sind auch daher ideal, weil sie meist früh in der Saison sind und so kaum Terminkollisionen mit Triathlons stattfinden. Mit meinen Starts wollte ich jeweils nicht nur wertvolle Reize setzen, sondern der Sportart, in der meine Karriere begann, zu mehr Popularität verhelfen. Denn Duathlon hat eine ganz eigene Faszination und wer daran teilnimmt, spürt: Hier herrscht immer eine sehr entspannte Atmosphäre, eine familiäre Stimmung und eine gute Organisation. Ich würde mir wünschen, dass wieder mehr Athleten an diesen Wettkämpfen starten würden, auch international. Denn verglichen mit der Blütezeit des Duathlonsports Ende der Neunzigerjahre ist das Niveau zwar etwa gleichgeblieben, die Dichte jedoch hat definitiv abgenommen.

Als Chef Leistungssport möchte ich mehr Athleten zum Duathlon führen, unter anderem auch (ehemalige) Leichtathleten. Und ebenso möchte ich den Nachwuchs aufmuntern, Duathlon und dessen Vorzüge zu entdecken. Natürlich bin ich weiterhin an erster Stelle selbst Athlet und nur in einem Pensum von etwa zehn Prozent Chef Leistungssport, doch ich bin der Überzeugung, dass ich mit meiner Erfahrung als Duathlet und auch als Triathlet Swiss Duathlon und seinen Präsidenten Lukas Baumann dabei unterstützen kann, Duathlon wieder zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Ich suche den Austausch mit den Athleten des Nationalteams, organisiere Zusammenzüge und sorge dafür, dass ich bestmöglich für sie da sein kann. Wir besitzen Athleten mit Potenzial, zum Beispiel Delia Sclabas, die vor einigen Wochen kaum beachtet Juniorinnen-Europameisterin im Duathlon wurde. Vielleicht wird auch sie eines Tages als erfolgreiche Profi-Triathletin (oder Mittelstreckenläuferin, denn auch da ist sie äusserst erfolgreich!) an Duathlons starten. So wie ich es tue. Denn Duathlon hat das aktuelle «Stiefmütterchendasein» nicht verdient. Duathlon ist viel mehr als Triathlon minus Schwimmen. Zumindest für mich als Triathlet, der im Herzen immer ein Duathlet bleiben wird. Weil erst der Duathlon mich zu einem guten Triathleten gemacht hat.