Die Wahl des Triathlon-Velos

Die Empfehlungen von Ronnie Schildknecht

Ironman-Athlet Ronnie Schildknecht liebt es, an seinen Rädern rumzuschrauben. Denn er mag das Gefühl, mit optimaler Ausrüstung unterwegs zu sein. Seine Tipps fürs perfekte Triathlon-Rad.

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«Optimal heisst nicht nur, dass meine Räder qualitativ den höchsten Ansprüchen gerecht werden müssen, nein, sie müssen auch schön anzuschauen sein. Das scheint etwas oberflächlich, doch damit ich mich auf dem Rad gut fühle, muss es mir auch in seiner Farbe, Form und Geometrie gefallen, ja sogar gewisse Emotionen auslösen. Denn wenn es darauf ankommt, sind mein Drahtesel und ich eine Einheit. Wie bei einem besten Freund muss ich mich in wichtigen Situationen auch auf mein Rad verlassen können, nur so kann ich mit einem guten Gefühl mit über achtzig Kilometern pro Stunde eine Passabfahrt hinunterrasen. Bei uns Langdistanz-Triathleten stellt sich die Frage, wie oft wir auf unserer Zeitfahrmaschine trainieren, wann das Strassenvelo zum Einsatz kommt und wann sich sogar ein Ritt auf dem Mountainbike lohnt.

Für Grundlagen aufs Rennvelo
Wenn es darum geht, die ersten paar hundert Kilometer des Jahres abzuspulen, bin ich hauptsächlich auf dem Rennrad anzutreffen. Weil es zu dieser Zeit der Saison vor allem darum geht, an den Grundlagen zu arbeiten und dies mit vielen Stunden auf dem Rad verbunden ist, geht nichts über Komfort. Auf die Zeitfahrmaschine umsatteln kann man immer noch früh genug – und das sollte man auch. Denn trotz des Komforts eines Rennrads ist es wichtig, die Muskulatur frühzeitig an die veränderte Belastung auf dem Triathlonrad zu gewöhnen. Mit frühzeitig meine ich, dass man spätestens acht Wochen vor dem Wettkampf das Triathlonrad aus der Winterpause entlassen sollte. Sonst erlebt man beim ersten Wettkampf der Saison eine böse Überraschung.
Wer jetzt denkt, ich verbringe meine Radtrainings nur auf dem Rennrad oder der Tri-Maschine, irrt. Gerade in der eigentlichen Saisonpause im Winter, also jetzt, steige ich auch gerne einmal aufs Mountainbike und entfliehe dem Dauernebel. Während ich dabei früher ordentlich Gas gab und auch schwere Strecken nicht scheute, bin ich heute und einen Unfall später etwas vorsichtiger geworden. Aufs Mountainbike setze ich mich grundsätzlich nur noch, wenn es wirklich zu kalt ist fürs Rennrad. Und dazu gibt es auch noch die Alternativen Rollen- oder Spinning-Training. Beide sind prädestiniert für Einheiten mit dem Fokus auf harten Intervallen. Und wenn man dabei noch ein Langlauf- oder Biathlonrennen am TV schauen kann, umso besser. Wenn ich den Jungs beim Leiden zuschaue, ist das eigene Leiden während einer intensiven Spinning-Session nur noch halb so schlimm, ganz nach dem Motto «geteiltes Leid ist halbes Leid».

Natürlich ist mir bewusst, dass nicht jeder Athlet wie ich die Möglichkeit hat, seine Räder nach Lust und Laune zu wechseln. Während die passende Wahl für mich sehr vom Zeitpunkt der Saison, dem Trainingsziel und der Witterung abhängig ist, muss sich ein Altersklassenathlet, der grundsätzlich weniger Trainingszeit aufwenden kann, auf das Wesentliche konzentrieren. Für einen solchen Athleten kann es daher durchaus richtig sein, ausschliesslich oder zumindest hauptsächlich auf der Zeitfahrmaschine zu trainieren. Den allgemein gilt die Regel: Je weniger Radtraining möglich ist, desto häufiger soll das Zeitfahrvelo bzw. das Wettkampfvelo zum Einsatz kommen.

Nur mit passenden Komponenten!
Oft werde ich gefragt, wie wichtig das perfekte Rad ist und was ein solches ausmacht. Für mich ist es natürlich mein BMC TM01. Doch das Rad alleine, beziehungsweise der Rahmen, macht nur einen Teil aus. Dazu kommen noch die Komponenten und die individuelle Sitzposition. So sieht das perfekte Rad für mich je nach Wettkampf immer ein bisschen anders aus. Einmal montiere ich eine Scheibe, ein anderes Mal passt eine Hochbettfelge besser, dazu wechsle ich je nach Topografie auch die Übersetzung. Und zum Schluss kommen noch kleinste, aber nicht zu unterschätzende Anpassungen dazu wie beispielsweise ein durchdachtes Trinksystem.

Das perfekte Rad wird also immer ein bisschen adaptiert und auf die zu erwartenden Bedingungen angepasst. Damit es möglichst perfekt sein kann, muss die Rahmengrösse stimmen. Nur so ist für den einzelnen Athleten die optimale Sitzposition möglich. Das perfekte Rad ist nur so gut, wie das Gesamtsystem, welches aus Fahrer und Rad besteht. Oder: Das Rad und die aerodynamische Position darauf kann noch so perfekt sein: Wenn der Athlet diese Position nicht halten kann, hat er nichts davon. Und zum Schluss: So sehr ich meinem Material vertraue, hundertprozentiges Vertrauen habe ich nur, weil ich meine Räder pflege, immer kontrolliere und auch regelmässig zum Rad’N’Roll-Mechaniker meines Vertrauens in Samstagern bringe. Ganz getreu dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!»