Diabetes und Sport

REGELMÄSSIG BEWEGEN – MÄSSIG KOHLENHYDRATE

Regelmässiger Sport und Low Carb Ernährung sind von zentraler Bedeutung bei Diabetes.

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In der Schweiz leben rund 800000 Personen mit Diabetes. Sport zählt seit Jahren zu den wichtigsten vorbeugenden, aber auch Therapiemassnahmen. Diabetes Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselkrankheit und es gibt immer mehr Fälle. Charakteristisch dafür ist eine Bauchspeicheldrüse, die nicht mehr ausreichend Insulin herstellen kann. Oder aber das produzierte Insulin wirkt nicht mehr richtig an den Zellen, insbesondere der Muskulatur.

Kombination Diabetes / Übergewicht
Während die klassische Funktion des Insulins bei der Blutzuckersenkung nach der Einnahme von Kohlenhydraten in allen Lehrbüchern bestens beschrieben ist, geht seine Wirkung auf den Fettstoffwechsel oft vergessen: Insulin fördert das Bunkern von Fetten.1 Es erhöht einerseits die Bildung von Fetten und senkt anderseits sowohl das Auflösen der Fettspeicher wie auch die Fettverbrennung. Die Folge bei ständig vorhandenem Insulin im Blut ist, insbesondere bei wenig körperlich aktiven Menschen, eine konstante Vergrösserung der Fettpölsterchen.

Übergewicht und Diabetes kommt daher oft gemeinsam vor. Die Gründe für diesen Zusammenhang sind nicht ganz geklärt. Eigentlich könnte man vermuten, dass bei Diabetes die Fettpölsterchen nicht mehr ansteigen, da die Wirkung des Insulins ja nachlässt und so die Hemmung auf den Fettstoffwechsel wegfallen müsste. Das Gemeine ist aber, dass das Nachlassen der Insulinwirkung nur die Kohlenhydrate und nicht die Fette betrifft.2 Bei Diabetes senkt selbst eine höhere Insulinmenge im Blut den Blutzucker nicht mehr richtig, und die hemmende Wirkung auf den Fettstoffwechsel bleibt nicht nur erhalten, sondern ist durch die höhere Insulinmenge sogar verstärkt. Die Fettpölsterchen wachsen bei Diabetikern also noch besser.

Bei mässiger Einnahme an Kohlenhydraten und regelmässiger körperlicher Aktivität entwickelt die Bauchspeicheldrüse in der Regel keine Probleme. Steigt aber die Menge der Kohlenhydrate an oder unterschreitet die körperliche Aktivität ein erforderliches Mindestmass, so ist es meist nur noch eine Frage der Zeit, bis entweder nicht mehr genug Insulin hergestellt wird oder die Wirkung des Insulins auf den Zuckerstoffwechsel nachlässt. Metaboles Syndrom und Diabetes stehen dann am Horizont bereit.

Sport und Low Carb helfen doppelt
Im Gegensatz zu einigen anderen Krankheiten gibt es für Diabetes Typ 2 gute Aussichten auf ganz erhebliche Verbesserung. Heute geht man einerseits davon aus, dass die meisten Typ 2 Diabetes-Fälle durch einen gesunden Lifestyle zu verhindern sind3 oder dass ein gesunder Lifestyle die Komplikationen bei Diabetes erheblich senkt.4 Als «gesunder Lifestyle» gelten ausreichende Muskelaktivität und reduzierte Einnahme an Kohlenhydraten, sodass weniger Insulin für die Regelung des Blutzuckers nötig ist. Dies hebt dann auch zu einem guten Teil die hemmende Wirkung des Insulins auf den Fettstoffwechsel auf.

Wie viel Muskelaktivität bzw. Sport ideal und wie stark die Einnahme an Kohlenhydraten zu senken ist, muss wie so oft individuell ausgetestet werden, im idealen Fall in Absprache mit dem betreuenden Arzt. Es sind sich aber alle Spezialisten einig, dass die Muskeln sowohl ausdauernd wie auch kräftigend zu bewegen sind.5

Praktische Tipps
Wer bei Diabetes nicht auf einen gesunden Lifestyle setzt, verpasst eine der wichtigsten und effektivsten Massnahmen zur Verbesserung der Situation. Regelmässige Ausdauer- und Kraftbelastungen sind von zentraler Bedeutung. Das Ausmass hängt aber ganz stark von der individuellen Situation und den körperlichen Fähigkeiten ab. Eine Abstimmung mit dem begleitenden Arzt ist daher zentral. Seitens Ernährung fährt man mit einer reduzierten Zufuhr an Kohlenhydraten am besten. Hier ist das Internet voller Varianten und man kann sich diejenige aussuchen, die am besten zu einem passt.

Literatur
1. Dimitriadis G et al. Diabetes Res.Clin.Pract., 2011; 93: S52–S59
2. Tan S-X et al. J.Biol.Chem., 2015; 290: 11337–48
3. Ried-Larsen M et al. Diabetes Metab. Rev., 2018; 34: e2999
4. Seib C et al. Maturitas, 2018; 111: 1–14
5. Hansen D et al. Sports Med., 2018; 48: 1781–97

Ernährungstipps vom Experten In der FITforLIFE-Rubrik Boxenstopp nimmt der Ernährungs-Experte Paolo Colombani ein aktuelles Thema zur Sporternährung unter die Lupe. Nach knapp 20 Jahren an der ETH Zürich arbeitet Paolo Colombani als Chief Science Officer bei der Vegisan AG. Sie möchten etwas zu einem speziellen Ernährungsthema wissen? Dann schreiben Sie uns Ihre Frage an infoWe do not like spam..@.. so please: No spamming!fitforlifeWe do not like spam..... so please: No spamming!ch (Betreff «Boxenstopp»).

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