Barfuss-Training

Back to the roots

Starke Füsse schützen aber nicht nur vor Verletzungen, sie machen auch schnell. Deshalb lohnt es sich, barfuss zu laufen und die baren Füsse zu trainieren.

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Kinder mit nackten Füssen spielend leicht am Strand oder im Wald über kleine Steinchen hüpfen, als wär’s das Einfachste auf der Welt, schmerzen uns Erwachsenen unsere zarten Treterchen bei der geringsten Erhebung und quälen wir uns über einen Kieselweg wie Feuerläufer beim Gang über glühende Kohlen. Diese Entwicklung hat fatale Folgen, denn das Motto im Laufsport lautet wie überall, wo Muskeln im Spiel sind: Use it or loose it – gebrauche sie oder verliere sie. Im Klartext: Wenn wir unsere Fussmuskulatur nicht mehr brauchen, wird sie früher oder später verkümmern. Superschuhe, die enorm Halt geben, den Fuss stützen und die Schläge abdämpfen, sind zwar komfortabel für den Benutzer und sie minimieren das Risiko von Verletzungen durch Misstritte, sie besitzen aber auch den Nachteil, dass sich darin unsere Füsse gemütlich räkeln können, ohne arbeiten zu müssen. Noch schlimmer sind die gewohnten Schuhe im Alltag, meist steife Treter mit flachen Sohlen, die über noch flachere Teerböden marschieren. Keine Spur mehr von einer dynamischen Abrollbewegung, für die der Fuss von der Natur einmal konstruiert wurde. Dabei wären unsere Füsse dynamische Wunderwerke, bestehend aus 28 Knochen, fast ebenso vielen Gelenken, 20 Muskeln und 114 Bändern. Um das Fussgewölbe stützen zu können, ist es entscheidend, die Fussmuskulatur aufzutrainieren. Laufen ohne Fussmuskulatur ist wie Fahrrad fahren mit halbplatten Reifen. Das Tempo bleibt tief und auch das Vergnügen will nie so richtig aufkommen, weil die Leichtigkeit fehlt, der energische Abdruck, die Stabilität und Beschleunigung. Eine stabile Fussmuskulatur ist wichtiger als alle Pronationsstützen. Wenn Sie erleben wollen, wie der Fuss unter natürlichen Voraussetzungen funktioniert, versuchen Sie doch einfach einmal, barfuss dem Strand entlang, auf einer Wiese oder auf der Finnenbahn zu laufen. Ohne Schuhe und federnde Dämpfungselemente landen wir dabei nicht mehr auf der Ferse, wo uns der Aufprall ungehindert durch den ganzen Körper donnern würde, sondern wir ändern unseren Laufstil automatisch dahin gehend, dass wir auf dem Mittel- oder Vorfuss landen. Mittels Bänder, Sehnen und Muskeln wird der Schlag abgedämpft und absorbiert, die Fussmuskulatur muss arbeiten. Neben diesem natürlichen Krafttraining wird die Koordination der zusammenspielenden Muskeln verbessert, und diese reagieren auch feiner und sensibler, wenn es darum geht, Fehlstellungen zu vermeiden. Ein Geheimtipp zur Fusskräftigung ist übrigens Rope-Skipping, das gute alte Seilspringen. Auch hier wird exakt dieselbe Muskulatur gekräftigt, die beim Laufen zum Zuge kommt. 15–20 Minuten jeden zweiten Tag wirken bereits Wunder. Ist es beim Hobbyläufer vielleicht noch verständlich, dass er beim zweimaligen Lauftraining in der Woche nicht noch zusätzlich Zeit aufwenden möchte, um seine Fussmuskulatur in Schwung zu bringen, vergibt sich der ambitionierte Läufer einiges, wenn er seinen Füssen keine Aufmerksamkeit widmet. Gerade bei langen Läufen wird nach rund zwei Stunden die Fussmuskulatur zu einem wichtigen Faktor. Denn kräftige Füsse schützen nicht nur vor Überlastungen, sie machen auch schneller.

Barfuss-Tipps

  1. Gewöhnen Sie sich wieder vermehrt an, barfuss zu laufen. So oft es geht, zuhause in der Wohnung, beim kurzen Weg zum Briefkasten, hinunter in die Waschküche, je häufiger desto besser.
  2. Nutzen Sie stehende Tätigkeiten (Zähne putzen, Küchenarbeiten usw.) dazu, ab und zu auf die Zehenspitzen zu stehen und auf und abzuwippen. Oder versuchen Sie einmal, sich stehend nur mit dem Zusammenkrallen der Zehen nach vorne zu verschieben.
  3. Natürlich können Sie auch sitzend vor dem Fernseher Fussübungen durchführen. Drücken Sie die Zehen ganz nach unten, oder ganz nach oben, zur Seite, greifen Sie ein Tuch oder ein Kissen oder einen anderen Gegenstand und heben Sie diesen hoch usw.
  4. Laufen Sie morgens barfuss auf einer feuchten Wiese locker 15–20 Minuten. Das nasse Gras wirkt wie eine Fussreflexzonenmassage.
  5. Laufen Sie in den Badeferien barfuss am Strand oder laufen Sie in der Sandgrube einer Sportanlage barfuss an Ort.
  6. Im Sommer bietet sich die Finnenbahn an, um barfuss zu laufen. Fortgeschrittene bzw. Läufer ohne Bänderprobleme können sich und ihren Füssen ein besonderes Lauferlebnis gönnen, wenn Sie nur in den Gymnastikfinken querbeet durch den Wald laufen. Kein einfaches Unterfangen. Aber aufgepasst vor Misstritten!
  7. Auf einem Fusskreisel können Sie verschiedene Balance- und Kräftigungsübungen durchführen (z. B. in der Stube) und schlagen so zwei Fliegen mit einer Klappe.

 

 

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